Technikbegeisterung und Nutzen

Es ist gerade einmal 10 Jahre her, dass eine Firma mit einem „irgendwas mit Obst“ (Tom Hanks) – Logo ein Gerät vorstellte, mit dem Mensch telefonieren, Nachrichten schreiben und Musik hören konnten. Neu daran waren nicht die Funktionen, sondern, dass alles mit den Fingern wischend über ein Glasscheibe gesteuert werden konnte.

Heute, 10 Jahre später, haben viele Menschen keine mobilen Computer mehr, die noch mit einer physischen Tastatur bedient werden. Der Markt hat sich entwickelt und mit ihm die Gesellschaft. Die Verbreitung der kleinen Taschencomputer, die heute um ein vielfaches leistungsfähiger sind als vor 10 Jahren ein großer Computer, ist soweit vorangeschritten, dass die ARD/ZDF-Onlinestudie nach ihrer Befragung feststellte „Das Smartphone ist 2016 das meistgenutzte Gerät für den Internetzugang: Zwei Drittel der Bevölkerung und nahezu jeder 14- bis 29-Jährige geht darüber ins Netz.“ (Quelle) Das dies gesellschaftliche Folgen hat, ist nicht verwunderlich. Eine der zentralen Fragen dabei ist, wie die Geräte genutzt werden.

Ich nutze meine beiden Smartphones – ein Gerät für den Alltag und eines, um Software und Dienste zu testen – für fast alles Alltägliche. Meine Bahnverbindungen lasse ich mir anzeigen, ich nutze drei verschiedene Dienste (Hangout/Theema/Signal) , um Nachrichten an mir bekannte Personen zu versenden, ich nutze Twitter um Kurznachrichten an meine 134 Follower zu senden und von 204 Nutzer*innen Kurznachrichten zu erhalten, ich nutze Facebook für die Kommunikation mit definierten Gruppen, ich verwalte meinen privaten Mailaccount darüber, notiere wichtiges (und unwichtiges), fotografiere damit und spiele hin und wieder ein kleines Spiel. Es ersetzt inzwischen (fast!) meinen großen Computer. Den nutze ich nur noch für größere Dinge wie Texte verarbeiten oder mein momantanes Lieblingsspiel „No man’s sky“ spielen.

Welche zentrale gesellschaftliche Veränderung haben sich aus dieser Entwicklung heraus ergeben?

Immer größere Teile der Bevölkerung nutzen das Internet mobil, sind über entsprechende Internet-Flatrates ständig „on“. Eine Trennung von „on/off“ gibt es so bei den meißten Nutzer*innen nicht mehr. (siehe auch Quelle „pdf-Datei) Dies hat zur Folge, dass vorallem der Informationsaustausch immer schneller geschieht. Das senden/empfangen von e-Mails und die Nutzung von Messenger wie WhatsApp steht dabei im Vordergrund. Gesellschaftlich bedeutsam wird die Nutzung aber erst durch Dienste wie Facebook oder die Informationsrecherche über Seiten im Internet.

Hier wird vor allem sichtbar, was in Fachkreisen „Filter-Blase“ genannt wird. Dienste wie Google, Facebook und Twitter steuern meist unbemerkt und fast immer unverständlich(!) mittels Algorithmen die Informationen, die wir noch zu sehen bekommen. Personalisierung nennt sich das Verfahren. Personalisierte Werbung ist inzwischen ein gängiger Begriff, personalisiere Informationen erkennen wir (meist) noch nicht. Wie der Wissenschaftler Gerrit von Northeim am Beispiel des Münchner Amoklauf des Jahres 2016 am Beispiel von Twitter herausfand, trennt sich die Öffentlichkeit in „Cluster“  (Quelle).

Was das für die offene Debatte in unserer Gesellschaft bedeutet, bleibt auch im Bundestagswahljahr 2017 eine spannende und offene Frage. Wichtig erscheint mir aber, dass wir kompetenter im Durchschauen solcher Prozesse werden. Dies ist nicht nur im Bezug auf sogenannte „Fake-News“ (Spiegel-Bericht) sehr wichtig.