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Sicherheit durch mehr Videoüberwachung?

Die schrechlichen Vorkommnissen und Anschlägen des letzen Jahres, besonders aber der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche, haben die Rufe nach noch mehr Kameraüberwachung lauter werden lassen.

Laut einer aktuellen Umfrage von YouGov im Auftrag der Deutschen Presseagentur (DPA) sprechen sich 60% der Deutschen für mehr Videoüberwachung öffentlicher Räume aus. (Quelle „Homepage“)

Nach den schrecklichen Ereignissen wärend der Silvesternacht 2015/2016 in Köln sprachen sich laut dem ARD-Deutschlandtrend 82% der wahlberechtigen Bevölkerung Deutschlands für eine Ausweitung der Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen aus(Quelle „pdf-Datei“).

Was aber soll die Videoüberwachung bringen? Mehr Sicherheit? Ich gehe davon aus, dass an (Video-) überwachten Plätzen die Hemmschwelle, verbotenes zu tun, steigt. Ebenso klar ist mir, dass es jemandem, der bewußt Verbotenes tun möchte, ziemlich egal sein wird. Weil er das in seine Handlung mit einkalkuliert.

Auch der furchtbare Anschlag im Istanbuler Club Reina zeigt, dass sich durch eine Übewachungskamera niemand abschrechen lässt, der bewußt einen Anschlag plant. Auch dem Mörder, der den Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt gefahren hat, dürfte das egal gewesen sein. Hätte der Mörder seine Tat nicht vollendet, wenn Kameras installiert gewesen wären? Ich zweifele daran. Wenn überhaupt, hätte er sich eine andere Ansammlung von Menschen ausgesucht.

Auch wenn zusätzliche Kameras installiert werden und das Netz der Überwachung dichter wird, es wird solche Taten nicht verhindern. Das sieht auch die Bundesregierung so (Quelle „pdf-Datei“). Verändern wird sich maximal das Sicherheitsgefühl. Denn die Angst, vor allem vor Gewalttaten, steigt, wie eine Studie im Auftrag der R+V Versicherung ergab (Quelle).

Die Zunahme von Ängsten zeigt sich mir auich in Gesprächen mit Freunden und Bekannten. Ich selber verspüre nicht mehr Angst. Als Soziologe habe ich wohl einen relativierenden Blick. Laut ADAC starben 2016 knapp 10 Menschen auf Deutschlands Straßen – pro Tag (Quelle).  Sollte ich desshalb mit Angst auf die Straße gehen?

Nicht die Anzahl der Kameras entscheidet über mein Sicherheitsempfinden, sondern meine Haltung gegenüber der mich umgebenden Umwelt. Im Straßenverkehr kann ich mich an Regelungen halten, die eine sichere Nutzung erhöhen. Aber vor Unfällen ist niemand sicher. Das soll ja durch selbstfahrende Autos ermöglicht werden. Dazu aber in einer anderen Woche mehr. Ich teile daher die Ablehnung der geplanten erweiterten Videoüberwachung, wie dies die Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder schon getan hat (Quelle „pdf-Datei“). [Update] Da die pdf-Datei nicht mehr auf deren Homepage zugänglich ist (relaunch!), hier die Pressemeldung. Die ursprüngliche pdf sende ich auf Anfrage gerne zu.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, hat in seiner Botschaft zum Neujahr 2017 darauf hingewiesen. „Angst bedroht derzeit unser persönliches und unser gesellschaftliches Innerstes, denn sie wirkt sich darauf aus, wie wir leben wollen.“ Doch Angst sei kein guter Ratgeber, weil Angst die Herzen eng mache und „versteinern“ lasse.

Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ich wünsche allen Menschen ein möglich angstfreies Jahr 2017!

Einen Dank geht an Andreas Lischka für das Bereitstellen des Bildes auf Pixabay!