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Aktuelle Studien

In der etzten Zeit sind einige Studien rund um das Thema „Online“ erschienen, die ich gerne in ihren (subjektiv) wesentlichen Aussagen erläutern und einordnen möchte. Dabei handelt es sich um die aktuelle ARD/ZDF Onlinestudie, die „Connected Life 2018 Studie„, die „Jugend-Internet-Monitor 2017 Studie“ und als kleinen Nachtisch noch die „Meta Studie: „How Online Dating Has Changed The Very Fabric of Society„.

ARD/ZDF Onlinestudie

Die ARD/ZDF Onlinestudie, die nun zum 20sten Mal durchgeführt wurde, offenbart nichts wirklich Unerwartetes. Es wundert nicht, dass die tägliche Internetnutzung nun bei 72% bei den ab 14 jährigen liegt und damit den im Alltag sichtbaren Trend abbildet. Auch das die Nutzungsdauer zunimmt ist keine Überraschung. Überraschend ist für mich eher der Punkt, dass zwischen off- und online immernoch getrennt wird. Aber das ist nur ein Operationalisierungsphänomen. Heute geht in der Regel niemand mehr „ins Internet“ und ist wie Boris Becker drin. Auch wenn Datenvolumen in Deutschland relativ teuer ist, so ist die Verbreitung doch schon weit fortgeschritten. Hatten 2013 23 Mio Menschen eine Flatrate für ihr Handy/Smartphone, so sind es 2016 bereits über 38 Mio. Menschen. Auch hier: Tendenz steigend (Quelle). Auch wenn ich gerade auf die Gruppe der jüngeren Nutzer*innen schaue, so wird es wahrscheinlich in 10 Jahren kaum noch Nonliner mehr geben.

21% nutzen Facebook täglich, das sind umgerechnet 14,6 Millionen Menschen und weitere 12% (8,3 Mio) nutzen es mindetens 1x die Woche. Das bedeutet eine Stagnation, allerdings immernoch auf hohem Niveau. Die Nutzungsspitze hat weiterhin WhatsApp mit einer täglichen Nutzung von 55% der Bevölkerung (38 Mio).

Connected Life 2018

Die Studie „Connected Life 2018“, die von Kantar TNS durchgeführt wurde, zeigt schon überraschendes: Der Schwerpunkt dieser Konsument*innenumfrage war dieses Mal „Vertrauen“. Laut der Pressemeldung (pdf) ergab die Befragung, dass sich 56% der Verbraucher*innen in Deutschland über die Nutzung ihrer persönlichen Daten durch Unternehmen Gedanken machen. Das ist doch schon mal eine erfreuliche Zahl. In der Meldung heißt es weiter:

„Viele Verbraucher haben das Gefühl, dass die über sie gesammelten Daten hauptsächlich zum Nutzen der Unternehmen eingesetzt werden – und nicht zu ihrem Nutzen. Daraus resultiert ein steigendes Misstrauen gegenüber der Datensammlung im Internet und dem Wunsch nach einem größeren Mitspracherecht bei Entscheidungen über ihre Daten, selbst bei negativen Folgen für die Convenience. 58 Prozent der Verbraucher in Deutschland sind dagegen, dass vernetzte Geräte ihre Aktivitäten überwachen, selbst wenn dies ihr Leben einfacher machen würde.“

Da denke ich mir doch, dass schon über die Hälfte der Bevölkerung einen Blick dafür haben, dass nicht alles „zu ihrem Besten“ geschieht. Nicht schlecht, wenn ich bedenke, dass es ja auch Teil meiner Arbeit ist, diese Entwicklungen gemeinsam mit anderen Menschen zu reflektieren. Auch das Vertrauen in „große Marken“ ist mit 21% in Deutschland erfreulich niedrig. In Deutschland „bevorzugen die Konsumenten kleinere oder lokal agierende Marken.“ Ein Satz, der mich immer wieder an den Rand der Verzweiflung bringt, ist dieser hier:

„Die rasante Entwicklung von Technologien ermöglicht es Marken den Verbrauchern bessere und reibungslosere Kundenerlebnisse zu bieten; aber eine schlechte Umsetzung oder die fehlende Beachtung grundlegender Verbraucherbedürfnisse kann das Vertrauen in Marken untergraben.“

Die Verzweiflung macht sich bei mir breit, wenn ich an meine Kirche denke: Viele Internetauftritte sind schlecht gemacht und/oder veraltet, die Kommunikationsstrategieen sind eher dem Web 1.0 angepasst. Denn eines sollte auch deutlich sein: In der Studie sind es Verbraucher*innen, die Kundenerlebnisse haben. Im kirchlichen Kontext sind das dann eben auch Mitglieder, deren Bedürfnissen kaum Beachtung geschenkt wird. Da ist noch viel zu tun.

Auch die anderen Ergebnisse der Studie sollten Beachtung finden, denn sie regen zum Nachdenken an und zeigen gleichzeitig einen ungewohnten Blickwinkel.

Jugend-Internet-Monitor 2017

Der „Jugend-Internet-Monitor 2017“ von saverinternet.at hat nicht nur ein schönes, zentrales Infoblatt, er kann auch in Teilen mit deutschen Untersuchungen vergleichen werden und so Aufschluss darüber geben, welche Trends gerade „am Laufen sind“.

Eine zentrale Frage lautet: „Welche Sozialen Netzwerke nutzen Österreichs Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren 2017?“. In Deutschland sind die Ergebnisse mit der Befragung der 12 – 19 jährigen vergleichbar (JIM-Studie: Zahlen von 2016 in Klammern).

Die Antwort wundert nicht: 95% der Mädchen und 91% der Burschen nutzen WhatsApp (97%/92%) , gefolgt von YouTube mit 92% der Burschen und 88% der Mädchen (89%/81%) . Übrigens: YouTube ist in der Altersaklasse die beliebteste Suchmaschine!
Facebook, so die Studie, nutzen noch 48% (43%) und damit 21% weniger als im Vorjahr. Die stark abnehmende Zahl bei Facebook darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Facebook für Jugendliche nach wie vor ein starkes Nachrichtenmedium ist, aber eher passiv. Die großen Gewinner sind mit je einem Plus von 13% Instagram und Snapchat. Insta nutzen 76% der Mädchen und 60% der Burschen (60%/44%), bei Snap sind es  76% der Mädchen und 60% der Burschen (55%/36%). Die zentrale Aussage lautet:

„Bilder und Videos sind für viele Jugendliche die wichtigsten Medien geworden, um sich untereinander auszutauschen und um mit ihrer digitalen Umwelt zu kommunizieren.“  (Quelle)

Das die Werte dabei in Deutschland niedriger liegen ist wahrscheinlich mit den einem Jahr älteren Daten und der Einbeziehung der älteren Zielgruppe,  In Deutschland ist die Nutzergruppe der 18-19 jährigen in der Untersuchung die Gruppe mit der geringsten Insta/Snap Nutzung, zu erklären.

Erstmals mit dabei: musical.ly
Dabei handelt es sich um ein Unterhaltungsvideo-Netzwerk , in das 15 Sekunden Videos hochgeladen werden können. Anschauen (Youtube-Video) und austesten lohnt sich mal…(lt. Wikipedia 4 Mio. Nutzer*innen in Deutschland).

Hier gilt: Wenn es eine Online-Kommunikation mit der Altersgruppe geben soll lohnt ein Blick in die Studien!

How Online Dating Has Changed The Very Fabric of Society

Alles Wesentliche zur Studie hat Markus von Netzpolitik.org bereits hier geschrieben. Von daher verzichte ich hier auf weitere Ausführungen. Nur eines möchte ich noch mit auf den Weg geben: Tatsächlich ändern sich die Gelegenheiten, andere Menschen kennenzulernen. War das „früher“ eher auf den näheren Sozialraum beschränkt, so bieten sich heute vielfache Möglichkeiten über digitale Kanäle einfach miteinander in Kontakt zu kommen. Dafür kommen nicht nur darauf ausgerichtete Vermittlungsplattformen in Frage, sondern auch klassische Soziale Netzwerke oder Computerspiele, die eine Chatfunktion beinhaten. Eines ändert sich auch durch die Onlinekommunikation nicht: Richtig kennenlernen wird man sich dennoch erst Face to Face, das vireale Gegenüber läd zur vermehrten Projektion ein.

P.S. Meine Freundin lernte ich vor zwölf Jahren in einem Computerspiel kennen, seit elf Jahren sind wir ein Paar 😉

Beitragsbild: Pixabay

Smartphones machen Säuglinge und Kinder krank

Zu viele Bücher Comics Walkmans Fernsehen Smartphones machen Kinder krank. Hinter Überschriften wieWie Smartphones schon Säuglinge und Kinder krank machen“ (Augsburger Allgemeine) und „Smartphones machen Kinder krank“ (Neue Züricher Zeitung und diagnose-funk.org) stehen Meldungen über die Ergebnisse der sogenannten BLIKK-Studie. Dabei handelt es sich um eine Studie im Rahmen eines Projektes, das sich auf der Homepage folgendermaßen beschreibt:

„Das Institut für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der RFH Köln (iMöV) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) haben gemeinsam das Projekt „BLIKK-Medien – Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz und Krankheiten – Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien“ entwickelt. Der Deutschen Kinderschutzbund und die Deutsche Sportjugend wurden als Kooperationspartner in das Projekt integriert. Mit der Übernahme der Schirmherrschaft durch die Drogenbeauftragte des Bundes bekundet auch die Politik den hohen Stellenwert des Projektes. Es soll nach nachweisbaren Zusammenhängen zwischen den Mediennutzungszeiten und möglichen psychischen sowie physischen Auffälligkeiten im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen U3-J1 gesucht werden.“

Als Forschungsfragen werden an gleicher Stelle definiert:

  1. Wie lässt sich ein normaler oder ein erhöhter Mediengebrauch definieren?
  2. Welche Auswirkungen hat ein erhöhter Mediengebrauch auf die körperliche, geistige, soziale und schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen?
  3. Haben frühzeitige Beratungs- und Informationsgespräche einen positiven Einfluss auf das Medienverhalten von Familien, Kindern- und Jugendlichen?
  4. Welche Auswirkungen haben ein erhöhtes Medienverhalten und deren gesundheitlichen Folgen auf die Gesundheitsausgaben von morgen?

Eine wichtige Fragestellung, wie ich als Sozialwissenschaftler, Fachreferent, Vater und Opa finde.

Bevor ich zu einer Einordnung der ersten Ergebnisse was Form und Inhalt angeht eingehe, einige grundlegende Erläuterungen zu wissenschaftlichen Methoden empirischer Sozialforschung. Wichtig ist mir dies wegen der Bedeutung, die Forschung und deren Ergebnisse für die öffentliche Debatten und das politisches Handeln haben. Studienergebnisse werden (vor allem hier in Deutschland) gerne genutzt, um politische Handlungen zu begründen.

Forschung besteht aus mindestens drei Schritten, dem Forschungsinteresse sowie der Erhebung und Bewertung von Daten. Beides, die Erhebung wie die Bewertung (Intrerpretation) sind geleitet von einem Erkenntnisinteresse. Das dient sozusagen als „Katalysator“. Ein kleines Beispiel:

Ich zähle die Neugeburten in einem Dorf. Seit drei Jahren steigend! Ich zähle die im Dorf nistenden Störche. Steigend. Bewertung: Weil im Dorf mehr Störche nisten, gibt es mehr Kinder. Das Ganze wird, natürlich mit einer schönen Grafik versehen, veröffentlicht. Die Daten stimmen. Der „Katalysator“ ist dabei die verschiedenen Vorannahmen, die in die Forschung einfließen:

  1. Störche und Kinder haben etwas miteinander zu tun.
  2. Es sind nicht die Anzahl der Wühlmäuse, die im gleichen Zeitraum auch gestiegen ist

Stephen Toulmin hat für die Analyse von Argumenten in seinem Werk The Use of Argument, 1958 ein Schema entwickelt, das hier (ein OER Bildungsserver!) sehr gut dargestellt ist und das ich als Grundlage meiner Bewertungen von Forschungsergebnissen nutze. Im Falle unseres Storch-Kinder-Beispiels ist es nicht logisch begründet, dass Störche und Kinder etwas miteinander zu tun haben. Dieses „Wissen“ basiert auf alten Erzählungen, nach denen die Störche die Kinder bringen. Das Wühlmäuse (oder andere Dinge) keine Bedeutung für die Interpretation der Zahlen haben ist damit begründet, dass das ja nix damit zu tun hat. Oder hast du davon schon mal was gehört?

Toulmin nennt dies nicht „Katalysator“, sondern „Schlussregel“. Die sollte, muss aber nicht, immer begründet sein. Oftmals werden Schlussregeln verwendet, die nicht dargestellt werden, sondern auf – beispielsweise – gemeinsamen Verständnis beruhen. Ja, Störche bringen eben die Kinder, das ist schon seit Generationen bekannt.
Es gibt auch immer etwas, Toulmin nennt dies „rebuttal“, also Gegenrede, die gegen die Argumentation, gegen die Anwendung der Schlussregeln steht. „Im Nachbardorf sind auch vermehrt Störche, ohne dass es zu einer Steigerung der Geburtenrate kam. Ach, das lassen wir mal weg, hat ja für unsere Forschung keine Bedeutung.“ Soweit meine kleine Grundlage, die aber für das Verständnis der empierischen Sozialforschung nach meiner Ansicht (und nach der meines damaligen Professors Dr. Dr. Mans) immens wichtig ist.

Nun aber zur BLIKK Studie. Zur Form. Ich kann hier nur sagen, dass ich es in letzter Zeit ziemlich unerträglich finde, wenn Studienergebnisse der medialen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne die Studie als Grundlage für eine Bewertung der Ergebnisse zugänglich zu machen. Aber hier scheint der Zweck die Mittel zu heiligen (Redensarten-Index). Am 29. Mai 2017 war es soweit. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Pressemeldung heißt es: „Diese Studie ist ein absolutes Novum. Sie zeigt, welche gesundheitlichen Folgen Kinder erleiden können, wenn sie im digitalen Kosmos in der Entwicklung eigener Medienkompetenz allein gelassen werden, ohne die Hilfe von Eltern, Pädagogen sowie Kinder- und Jugendärzten.“ (Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung)

Dazu wurden zwei Häppchen gereicht: Ein Faktenblatt und eine Präsentation, die (wegen Überarbeitung) im Moment nicht abrufbar ist (soll im August wieder online sein). Da mir nur die Präsentation vom 29.Mai 2017 (pdf) vorliegt und ich davon ausgehe, dass die Ergebnisse dort der Wahrheit entsprechen, gehe ich nun auch auf diese Präsentation ein. Leider gibt es von der Pressekonferenz keine Audio- oder Video-Aufzeichnung. Das wäre sicherlich spannend. Falls es abweichende Ergebnisse in den Präsentationen gibt, werde ich ein Update der Bewertung veröffentlichen.

Es wurden in die Befragung 5.573 Kinder und Jugendliche im Rahmen der kinderärztlichen Untersuchungen U3 – U11 einbezogen. Methodisch wurden Eltern befragt und in 79 Praxen Untersuchung durch Kinder-/Jugendärzte durchgeführt. So ganz klar ist es nicht erkennbar, scheinbar wurden mit den Eltern (mit einem/mit beiden? Unklar!) standartisierte Befragungen mit Fragebogen durchgeführt (Fragebogen zum Lebensumfeld, Medienfragebogen, Eltern-/Jugendfragebogen (Papousek/Mannheimer), Untersuchungsbogen). Da die Fragebögen, bis auf den von Mannheimer, mir nicht vorliegen und ich sie auch nirgends gefunden habe, kann ich hier auch leider nicht darauf eingehen. Die Jugendlichen wurden mittels eines standardisierten Evaluationsbogens befragt. Die Schlüsselergebnisse im Wirkung – Ursache Vergleich:

  1. bei Säuglingen (U3 – U6) Fütter- und Einschlafstörungen … wenn die Mutter während der Säuglings-Betreuung parallel digitale Medien nutzt.
  2. bei 2-5 jährigen (U7 – U9) Motorische Hyperaktivität / Konzentrationsstörungen …bei täglicher Smartphone-Nutzung > 30 Min.
  3. Sprachentwicklungs-Störungen in Verbindung mit täglicher digitaler Bildschirmnutzung
  4. 69,5% können sich weniger als zwei Stunden selbständig beschäftigen ohne die Nutzung von digitalen Medien
  5. bei 8-13 jährigen (U10 – J1 ) …motorische Hyperaktivität/ Konzentrationsschwäche in Verbindung mit einer erhöhten digitalen medialen Nutzungsdauer von > 60 Minuten
  6. Erhöhter Genuss von Süßgetränken und Süßigkeiten sowie ein erhöhter BMI bei täglicher digitaler Bildschirmnutzung
  7. bei 13-14 jährigen... Selbstauskunft der Jugendlichen (J1)…Ein nennenswerter Teil der befragten Jugendlichen gab an, Probleme zu haben, die eigene Internetnutzung selbstbestimmt zu kontrollieren und berichtet von negativen Konsequenzen ihrer Internetnutzung im Alltag…. erhöhtes Gefährdungspotential für die Entwicklung einer digitalen Mediensucht für Jugendliche

Die Elternbefragung ergab weitere berichtenswerte Ergebnisse: Auf die Frage…
Haben Sie sich schon einmal über Mediennutzung informiert ? sagten 41% der Eltern NEIN.
Besteht Beratungsbedarf für den Umgang Ihres Kindes/Jugendlichen mit Internet- oder Smartphone-Nutzung? antworten 90% mit NEIN.

Die Autor*innen der Studie führen die Entwicklungs-Auffälligkeiten bei auf eine beschränkte „Digitaler Medien-Nutzungs-Kompetenz“ zurück. Der Stellenwert des Informationsbedarfes zur optimalen Nutzung “Digitaler Medien” wird unterschätzt. Es liegt eine Fehlsteuerung (Dysregulierung) des Medien-Nutzungsverhaltens vor.

Die Forschungsgruppe macht folgende Vorschläge:

  1. Handyfreie Zonen (beispielsweise der Essentisch) und einen digitalen Führerschein. Für wen?
  2. Digitale Mediennutzung ja! Aber mal Pause machen mit …auf Bäume klettern, …kreativ sein, ….Vorbilder
    erleben, …ins Schwimmbad gehen. Mal mit Freundschaft, Abenteuer, Vertrauen, Ausdauer…KICKEN statt
    „Klicken“, BIKEN statt „Liken“ und PADDELN, statt „Daddeln“
  3. Überführung der Studie in eine Langzeitstudie

Soweit die Ergebnisse. Wie beschrieben, eine fundierte Bewertung ist erst dann möglich, wenn die ganze Studie mit ihrem Methodenteil vorliegt. Was die Ergebnisse angeht, so ist hier offen, wie die Forscher*innen zum Ergebnis kamen. Aber, und davon kann ausgegangen werden, die Ergebnisse reproduzieren gesellschaftliche Erwartungen. Leider ist nicht gesagt, welche digitalen Medien die Mütter während des Stillens genutzt haben. Ein Hörbuch? Video on Demand? Haben sie paralell ein Computerspiel gespielt? Was passierte während des Stillens in der Umgebung? Waren die Mütter alleine oder in Gesellschaft? Was ist mit den Vätern? Wichtige, leider unbeantwortete Fragen. Julia Schönborn wählte für ihren Blog-Beitrag zur BLIKK-Studie die Überschrift „Die Mütter sind Schuld. Und die Smartphones. Aber am meisten die Mütter.“

Über die Empfehlungen möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht groß auslassen. Sie führten schon im Netz zu Lachanfällen. Handyfreie Zohnen? Bestimmt meinen sie Smartphones, denn wer hat heute noch ein Handy? Für wen soll der digitale Führerschein sein? Die Eltern? Die Mütter? Die Kinder? Die Großeltern? Welche Inhalte? Wo weden die Punkte eingetragen. In Flensburg? Bei der NAS?

Digitale Nutzung mit Pause. Eine Selbstverständlichkeit. Kreativ sein, auf Bäume klettern, ins Schwimmbad gehen…Super. Ich würde das noch erweitern. Reiten gehen, Doppelkopf spielen (ok, beides nicht für Säuglinge!).  Für die Kleinen ab 2 Jahren würde ich sogar schon „Tempo – Kleine Schnecke“ empfehlen. dann können sie auch gleich erste Regelspiele spielen und gewöhnen sich so an das spätere Regelwerk, dass bestimmt mit digitalen F+ührerschein festgeschrieben ist. Führerschein-Klasse 5 (Bildschirmzeit bis 15 Minuten am Tag), Klasse 4 (Bildschirmzeit bis 30 Minuten/Tag)…bis hin zur Klasse 0 (Pech gehabt, heute nix Bildschirm!).

Das das Forscher*innenteam gerne weiterforschen würde war ja absehbar.

So endet die kleine Zusammenfassung mit dem Statement von Institutsleiter Prof. Dr. Riedel (Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln) dazu: „Als Fazit der Studie ergibt sich, dass der richtige Umgang mit den digitalen Medien, die durchaus einen berechtigt hohen Stellenwert in Beruf und Gesellschaft eingenommen haben, frühzeitig kontrolliert geübt werden soll. Dabei müssen  soziale und ethische Werte wie Verantwortung, reale Kommunikation, Teamgeist und Freundschaft auf allen Ebenen  der Erziehung gefördert werden. Kinder und junge Menschen sollen lernen, die Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt zu nutzen, ohne dabei auf die Erlebnisse mit Freunden im Alltag zu verzichten.“

Da können wir uns doch alle anschließen. Einen lesenswerten, kritischen Artikel zur Studie ist in der TAZ erschienen.

Zu guter Letzt: Ergebnisse von Studien zu veröffentlichen, die politisch wirkmächtig sein wollen und sollen, ohne dass die Studie vorliegt, ist unseriös und dient einzig eigenen Interessen. Denen der Forscher*innen, denen der Drogenbeauftragten. Denen der Presse, die es schon immer gewußt haben. Den Menschen, denen einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge gerade recht kommen. Aber nicht dem öffentlichen Interesse oder gar einer kritischen gesellschaftlichen Würdigung. Hier ist eine soche Vorgehensweise eher kontraproduktiv. Aber vielleicht will sie das ja auch sein.

Beitragsbild: Pixabay