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Ein Ausblick

Nachdem 2018 nun schon ganze drei Tage alt ist und mich die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung wieder voll im Griff hat, einige Vorüberlegungen für das Jahr 2018.

Im großen Teich der Themen, mit denen ich mich in diesem Jahr beschäftigen möchte, gab es ein paar, die besonders herausragen und die ich hier benennen möchte. Verbunden mit einer Einladung an alle Interesent*innen, die sich mit auf die Suche nach Antworten machen möchten. Einfach melden: m.grunewald[ät]zgv.info

Thema Disruption
Es gibt keine allgemeingültige Definition des Begriffes, gemeinsam haben aber die verschiedenen Ansätze, dass sie einen Veränderungsprozess beschreiben, in dem eine Technologie durch eine Neue (fast bis komplett) verdrängt wird und dabei traditionelle Geschäftsmodelle zersetzen. Als Beispiele dienen Postkutsche -> Automobil, Schreibmaschine -> Computer, Kleinbildkamera -> Digitalkamera, Musik CD -> MP3. Ich möchte gerne Beispiele sammeln und eine Vorstellung entwickeln, was uns in Zukunft an Disruptionen erwartet.

Thema SmartLive
Vieles scheint smart zu werden, wir nutzen Smartphones, manche nutzen smarte Uhren, smarte Armbänder und so manches Wohnumfeld wird versmartet. Auch hier beschäftigt mich die Frage, welche Technologien unser Leben durchdringen werden. Darüber hinaus beschäftigt mich die Frage, wo die Durchdringung unser Leben besser macht (ja, das kann durchaus subjektiv sein – da gibt es kein wahr/unwahr) und wo wir zugunsten unseres Lebens Einschränkungen des technisch möglichen möchten.

Thema Algorithmen:
Algorithmen bilden den unsichtbaren Hintergrund so mancher Entscheidung. Bekomme ich einen Kredit? Wieviel wir mich der neue Kühlschrank kosten? Oder der Flug nach Berlin? Aus Gründen der Nachhaltigkeit nutze ich persönlich die Bahn, Algorithmen scheinen aber dafür herhalten zu müssen, wenn Menschen keine Verantwortung übernehmen möchten. Dabei werden sie nicht von Gott geschrieben, wie Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, der Süddeutschen Zeitung sagte. Ich möchte der Frage nachgehen, wie Algorithmen unser Leben verbessern und wo sie zum Nachteil (für wen?) eingesetzt werden. Brauchen wir einen Algorithmen-TÜV, wie unter anderem der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert?

Thema Meinungsbildung:
„Fake-News“, „Filterblasen“ sind die wohl am häufigsten genannten Begriffe, wenn es um Meinungsbildung und Digitalisierung geht. Hinzu kommt das seit drei Tagen real anwendbare Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), dass helfen soll, die öffentliche Kommunikation in den sozialen Netzwerken von offensichtlich strafbaren Inhalten „zu säubern“. Ich möchte mich näher mit der Frage beschäftigen, wie es sich mit der Meinungsbildung über das Internet tatsächlich verhält und wie eine Stärkung der kommunikativen Kompetenzen erreicht werden kann. Da ist dann auch ein Blick auf Disruptionstendenzen sinnvoll. Denn eines scheint in der Tendenz eindeutig: die klassische (gedruckte) Zeitung verliert an Bedeutung, während uns die Digitalausgabe die Artikel anders wahrnehmen lässt.

Thema Partizipation:
Die Teilhabe der Menschen an der Gestaltung der Gesellschaft ist für mich eines der höchsten Güter. Nicht die (technische) Teilhabemöglichkeit. Möglichkeiten der Teilhabe gibt es sehr viele, jedoch werden sie meiner Wahrnehmung nach nur von wenigen Menschen genutzt. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, denn es gibt verschiedene Wege, an der Gestaltung Anteil zu nehmen. Was mich interessiert ist die Frage, wie die Teilhabe verbessert werden kann, welche technisch-sozialen Konzepte wo zu welchen Ergebnissen führt. Da fallen Stichworte wie OpenData und digitale Beteiligungsplattformen. Dazu gehören aber auch Onlinekurse, Wikis, Blogs und andere Dienste.

Thema Aufmerksamkeitsökonomie:
Viele Menschen erleben in unserer digitalisierten Welt eine „Informationsflut“, die zur Überforderung führen kann. Noch nie in der Geschichten der Menschheit stand so viel Wissen auf Abruf bereit, bekamen wir so viel Informationsangebote, die um unsere Aufmerksamkeit „kämpfen“. Gleichzeitig „kämpfen“ auch wir: Ich persönlich, meine Kirche, meine Kolleg*innen, meine Mitstreiter*innen um Aufmerksamkeit für unsere Sache. Meine Fragen knüpfen sich daran an: Wie können wir unseren „Aufmerksamkeitswert“ erhöhen? Im Moment geht gerade rum „macht Videos“. Das ist mir zu eng gedacht, es geht auch darum zu schauen, welche Formate für was geeignet erscheinen. Ein Erfahrungsaustausch wirkt hier Wunder.

Thema Digitale Souveränität:
Eines meiner Herzensthemen. Im Zeitalter von gesetzlicher Zwangsdigitalisierung, freiwilligem und unfreiwilligem Tracking, auf dem mir (fast) jede Seite im Internet entgegenschreit: „Erlaube mir Daten zu sammeln, ich tue das nur für dein Bestes!“ ist es in meinen Augen eine Notwendigkeit, sich Gedanken über den Umgang mit den eigenen Daten zu machen. Was will ich von mir aus preisgeben? Welchen Datenschnorrern kann und will ich mich widersetzen? Oft werde ich gefragt: „Wie geht das, was muss ich da tun?“ Edward Snowden hat gerade wieder die Frage nach einem sicheren Messenger angesprochen, ohne eine konkrete Empfehlung zu nennen. Denn das ist nicht so einfach. Das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat sich in dieser Frage 2015 engagiert. Es ist eine Studie und Handlungsempfehlungen entstanden, die deutlich machte, dass da noch viel zu tun ist. Ich möchte gerne eine aktuelle, online verfügbare Handlungsanregung erstellen, die, mit einer CC0 Lizenz versehen ist.

Ja, das sind eine Menge Themen. Bei jedem dieser Themen geht es mir auch um die individuelle und gesellschaftliche Verantwortung. Die Digitalisierung ist ein Prozess, den es zu gestalten gilt, wobei die Gestaltung nicht ökonomischen Interessen unterzuordnen ist, sondern die Frage im Zentrum steht: Wollen wir (als Gesellschaft) das?

In diesem Sinne wünsche ich ein wundervolles Neues Jahr.

 

Bild: Jahresplanung 2018 live, ZGV, Mainz

14 Tage ohne

Auch ich mache mal Arbeitspause. 14 Tage, genauer 346 Stunden ohne Internet. Keine Mails, keine Postings. Kein Threema, Signal oder Hangout. Offline. Ein seltsames Gefühl. Das Gefühl, etwas zu verpassen. Gleich nach der Landung der Maschine den Zugang zum Internet aktiviert. 190 Nachrichten, Twitter, Facebook und Messenger buhlen um meine Aufmerksamkeit. Ich lösche sie alle. Ungelesen. Fast. Private Nachrichten lösche ich nicht. Wissen, worauf es ankommt. Auswählen. Mich verweigern können. Das will gelernt sein. Ich kann es. Fast.

Die Versuchung, in Ägypten ein Datenvolumen zu kaufen, ist groß. 12 GB für 7 Euro, dazu noch eine SIM-Karte für 5 Euro. 12 Euro für 12 GB mit HSDPA Bandbreite. Wahnsinn! Hier in Deutschland bekomme ich für den Preis gerade mal vergleichbare 2-5 GB.

Die Digitalisierung hat auch in Ägypten weiter Einzug gehalten. In meinem engen Wahrnehmungsfeld, das tiefe Einblicke nicht zulässt, ist eines offensichtlich: Die Kommunikation mit entfernten Freunden und Familienangehörigen hat stark zugenommen. Die meisten der Bediensteten in der Ferienanlage am Roten Meer stammen aus den Regionen Kairo und Alexandria. Kein Wunder, wohnen doch 20 % der 100.000 Millionen Einwohner*innen in den beiden Großregionen.

Zurück im Büro. Auch hier. Eine lange Liste ungelesener eMails. Offensichtlich wichtige raussuchen, den Rest schnell löschen.

Wir haben einen neuen Dienstwagen. Einen Ampera-E. Kein Zündschloss. Das Auto erkennt den Schlüssel auch, wenn er in der Hostentasche ist. Welche Datenübertragung sich dahinter verbirgt? Ich weiß es noch nicht.

Das Auto hat kein eigenes Navi, das Display des eigenen Smartphones wird gespiegelt. Also wird das eigene Smartphone zum Navi für die Fahrt. Dazu braucht es Volumen. Ob Offlinekarten funktionieren? Ich muss es noch testen. Allerdings wären dann die Verkehrsdaten nicht aktuell. Nicht so dolle. Also mal schauen, wieviel Datenvolumen so eine 100 km Fahrt benötigt. Ich werde berichten.

Das Auto ist vollgepackt mit Sensorik, das Licht soll sich entsprechend selbstständig an die Situation anpassen. OnStar, das ist übrigens nicht aktiviert. OnStar? 365 Tage und rund um die Uhr…Beratung – soweit die Netzabdeckung reicht. Ob da auch Seelsorge mit inbegriffen ist? Eher nicht. Aber ein Hotel kann über booking.com gebucht werden, wobei OPEL nicht verantwortlich für die Dienstleistungen ist. Das ist ein General Moters Unternehmen namens OnStar Europe Ltd. Aber eben auch nicht für die Buchung. Also alles ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ob ich das brauchen werde? Eher nicht.
Das Smartphone als Fernbedienung? Mit OnStar und der myOPEL App könnte ich das Fahrzeug lokalisieren, die Türen öffnen und schließen, die nächste Aufladestation finden und die Klimaanlage oder Heizung bedienen. Für mich ist da bisher nix brauchbares dabei. Spielerei.
Bei Geschwindigkeiten zwischen 8 und 80 km/h messen Sensoren kontinuierlich den Abstand zu potenziellen Risiken, verbunden mit einer automatischen Gefahrenbremsung. Wenn ich nicht auf die Warnung reagiere, bremst das System für mich. Technik > Mensch? Ich denke ja. Aber schauen wir mal….

In diesem Sinne ein „Willkommen zurück“ auf meinem Wochenblog. Urlaubsende = Blogfortsetzung.

Youtube gesünder als Instagram

Ist Youtube das gesündeste unter den großen sozialen Netzwerken?

Laut einer Studie der renomierten „Royal Society for Public Health“ ist dies so. Das ist auch ein Anlass, mich mit der Plattform zu beschäftigen, auf der mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden pro Tag Videos geschaut werden.

Da ich ja aus der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Multiplikatoren komme, stelle ich die Zielgruppe auch mal in den Mittelpunkt des heutigen Blogartikels. Zu Beginn werde ich einige Sozialdaten liefern, die seit 2010 den Hintergrund meines Engagements in unterschiedlichen Projekten mit Youtube-Nutzung bilden. Anschließend werde ich Handlungsfelder für die praktische Arbeit umreißen, um dann einige (hoffentlich anregende) Youtube-Videos und -Kanäle zu nennen, mit denen man ganz gut arbeiten kann.

Ohne Zweifel, Youtube ist bei Jugendlichen, aber zunehmend auch bei Kindern, ein beliebtes soziales Netzwerk. Wie in der KIM-Studie 2016 ausgeführt, schauen 17% der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren, die das Internet nutzen, sich täglich/fast täglich Videos auf Youtube an. 33% nutzen die Möglichkeit einmal/mehrmals in der Woche. Lediglich 1/3 der Kinder schauen keine Videos auf Youtube. Mit zunehmendem Alter nimmt dabei die Nutzung zu. Im Focus steht dabei vor allem die Unterhaltung. „Lustige“ Videos und Musikvideos zählen zu den meist genutzten Angeboten. Im Mittelfeld finden sich Beauty und Lifestyle Angebote, besonders von den beliebten YouTuberinnen Bianca Heinicke (BibisBeautyPalace – 4.472.100 Abonennt*innen) und Dagmar Ochmanczyk (DagiBee – 3.486.002 Abonent*innen), wobei hier ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern sichtbar wird. Mädchen sehen sehr viel häufiger als Jungen Mode-/Beautyvideos an (51 %, Jungen: 11 %). Bei den Jungs dominieren Sportvideos (52 %, Mädchen: 14 %) und Let’s-play-Videos (28 %, Mädchen: 13 %).

Für diejenigen, die mit Kindern in der Altersgruppe arbeiten, dürfte eine Erkenntnis zentral, wenn auch nicht überraschend sein: Die Nutzung von Musik-, Beauty- und Lifestyle-Videos nimmt mit steigendem Alter zu. Wie sehr Youtube auch ein Medium für die Identitätsbildung sein kann, kann sich jede*r denken. Wer sich tiefer damit auseinandersetzen möchte: Elisabeth Jäcklein, heute beim JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, hat sich bereits 2009 in ihrer Masterarbeit (pdf-Datei) mit dem Themenfeld auseinandergesetzt.

Schaut man auf die Youtube-Nutzung bei Jugendlichen zwischen 12-19 Jahren, die in der JIM-Studie 2016 beschrieben wird, so zeigt sich folgendes Bild: Die mehrmalige Nutzung von Youtube geben 86% an, 56 % nutzen Youtube täglich. Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang, dass die regelmäßige Nutzung mit zunehmendem Alter aber leicht zurückgeht (12-13=89%, 14-15=88%, 16-17=87%, 18-19=78%). Inhaltlich unterscheidet sich die Nutzung von denen der Kinder nicht besonders. Musik, „lustige“ Videos sind von größtem Interesse. Auch die geschlechtsspezifische Nutzung setzt sich fort, wobei Jungs inzwischen mehr die Let’s-play-Videos als die „lustigen“ Videos anschauen. Aber auch hier zeigt sich eine Altersentwicklung. Let’s-play-Videos verlieren mit zunehmendem Alter deutlich an Attraktivität (schau ich regelmäßig: 12-13 Jahre: 44 %, 18-19 Jahre: 21 %). Gleiches zeichnet sich bei Mädchen ab. Das Thema Mode-/Beauty verliert mit zunehmendem Alter an Bedeutung (12-13 Jahre: 23 %, 18-19 Jahre: 11 %).

Youtube wird als Plattform für die Veröffentlichung eigener Videos allerdings nur von wenigen genutzt (KIM-Studie 7%, JIM-Studie 2%).

Soweit ein kleiner sozialwissenschaftlicher Überblick. Interessant sollte dies spätestens dann werden, wenn man Kinder und Jugendliche auf ihrem Lebensweg begleitet, privat oder beruflich.

Gestern hatten wir zu Youtube eine Fortbildung für Multiplikator*innen aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der es nicht nur um die Hintergründe von Youtube (Entstehung, Geschäftsmodell und aktuelle Entwicklungen) ging, sondern auch um die Möglichkeiten der pädagogischen Intervention. Bei der pädagogischen Intervention geht es darum, die Handlungskompetenzen zu verbessern. In meinem Verständnis der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist das eine zentrale Aufgabe.  (Präsentation als pdf)

Wie aber lassen sich Handlungskompetenzen bei Kindern und Jugendlichen erhöhen? Ich sehe hier mindestens drei zentrale Schwerpunkte: Identität, Partizipation und gesellschaftliche Mitverantwortung.

Identität: Wie schon oben beschrieben, spielt Youtube für viele Kinder und Jugendliche bei der Identitätsbildung eine wichtige Rolle. Auf der Ebene der Handlungskompetenz wäre wichtig, Rollenbilder und Werte ebenso zu thematisieren wie Formen der medialen Inszenierung. Dazu gibt es eine Reihe von Clips, die sich direkt anbieten würden (Auswahl). Wie sie sich für welche Zielgruppe eigenen würden, einfach mal überlegen:

BibisBeautyPalace: Der 10kg Speck weg Gürtel Beitrag (ab Minute 9:00)

Dagi Bee: Schönheitswahn

Marie Meinmberg: Ich bin nicht eure Freundin

Gronkh: Wahre Schönheit kommt von Innen

Galileo: Was tun deutsche Männer alles, um gut auszusehen?

Sarazar: BATTLEGROUNDS – DER BESTE ANFANG EVER

 Partizipation: Youtube bietet durch seine große Bekanntheit und die einfache Bedienbarkeit eine geeignete Plattform, um eigene Videos online zu präsentieren, zu bewerben und kommentierbar zu machen. So können Partizipationsprojekte einfach in eine Social-Media-Kommunikation eingebunden werden. Einige Beispiele:

Parabol in Nürnberg: YouTube barcamp Nürnberg 2017 und der Kanal CiTyVee

Kooperationsprojekt: Partizipation im Sozialraum

Kooperationsprojekt: Projektseite Shape the Future (Beispiele auf Youtube mit Minecraft und Sims)

Projekte des Galluszentrum in Frankfurt/M.: Kanal Gallusvideos

Mesh Collective: Projektseite und der Kanal auf Youtube

Gesellschaftliche Mitverantwortung: Unter gesellschaftliche Mitverantwortung verstehe ich, sich mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen und seine eigene Verantwortung anzunehmen. Da zählen dann beispielsweise auch die Themen „Recht am eigenen Bild“, „Urheberrecht (Bilder, Musik)“, „Datenschutz“, „Algorithmen“, „Werbung (Produktplacement/Influencer Marketing/virales Marketing)“, „BigData (Googles Video-Analyse)“, „Umgang mit Kommentaren (Hate-Speech und Erwiderungspraxis)“, Vertragsrecht (Partnerprogramm, Agenturverträge) und die politischen Regularien (Parteien/NGOs/Lobbyismus/Gesetze und Verordnungen…)…

Simon Unge: über seinen „Knebelvertrag“ und #freiheit

Philipp Collin: Youtube Analytics

watchyourweb.de: ein abgeschlossenes Projekt der „IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.“  zum Thema Datenschutz/ Privatsspäre Projektseite und YT-Kanal

Productplacement: Report (Mainz) Beitrag

Kooperationsprojekt: Ingelheimer Youtubecamp 2015 und 2016

Dies sind nur einige ausgewählte Ansätze. Zu Youtube gäbe es noch vieles zu schreiben, ich will es heute aber einmal bei dem Teil belassen.

Wenn du noch weitere Projektideen, Anmerkungen oder eigene Erfahrungen teilen möchtest, dann ist das ausdrücklich erwünscht.

Und was Youtube und die Gesundheit angeht. Einen „gesunden Umgang“ mit sozialen Netzwerken lernt man durch eine Auseinandersetzung mit ihnen. Absinenz bringt keinen Kompetenzgewinn.

Mein (digitaler) Alltag

Am Ende jede Woche mache ich mir Gedanken darüber, welches Thema ich in der nächsten Woche aufgreifen werde. Die Liste der Themen, die ich mir vorgenommen habe, umfasst momentan sieben Einträge, angefangen von „Barbie, Siri, Echo & Co“ bis hin zu „Wahlbeeinflussung durch Camebridge Analytics“. Heute morgen (13. März) jedoch war ich so in der Beobachterrolle, dass ich einmal meine Wahrnehmung der Verändung im Alltag thematisieren möchte – so wie ich sie erlebe.

Angefangen hat mein Tag heute um 4:40, aufstehen, waschen, anziehen. Mein erster Blick auf das Smartphone und die App, die mir zeigen soll, ob meine Nahverkehrssystem heute „läuft“. Ok, Bus fährt, Bahn fährt, S-Bahn fährt und den Rest gehe ich zu Fuß, falls die Straßenbahn nicht innerhalb von 5 Minuten kommt, nachdem ich in Mainz eingetroffen bin.

Bevor meine Reise ins Büro beginnt, kaufe ich mir über meine Smartphone App erst einmal eine Fahrkarte. Das erspart mir die Kleingeldsucherei, denn meinen 50 Euro-Schein muss der Busfahrer nicht annehmen und genügend Kleingeld habe ich nicht. Dem Busfahrer zeige ich meinen digitalen Fahrschein und setze mich. Neben mir zwei junge Frauen, Smartphone in der Hand, Kopfhörer im Ohr und am Messenger (beide Whatsapp) checken. Ich erinnere mich an die Zeit meiner Jugend und daran, wie wichtig Musik für mich war und welches Glück es bedeutete, einen Walkman mein eigen zu nennen. In dem tragbaren Cassettenrekorder war selbstverständlich eine Musikzusammenstellung nach meinem Geschmack. Liebevoll in Handarbeit zusammengeschnitten aus einer Mischung vom Schallplattenspieler und Radio. Heute braucht es sowas nicht mehr. Das Smartphone oder der MP3 Spieler bieten die Möglichkeit, sehr viele Musikstücke zu speichern und sich daraus das jeweils passende auszusuchen. Ohne Vor- oder zurückspulen. Vielleicht kommt auch ein Streamingdienst zum Einsatz, bei dem die Musikstücke garnicht mehr auf dem eigenen Gerät gespeichert sind, sondern von einem entfernten Server über das Internet auf das Smartphone übertragen werden. Eines der Hauptmerkmale der Digitalisierung, die schier endlose Kopierbarkeit von Daten bei gleichbleibender Qualität und die Möglichkeit, die Daten in Sekundenbruchteilen von jedem beliebigen Ort zu einem anderen Ort zu senden, kommen hier zum Einsatz.

Der Wechsel vom Bus in den Zug geht problemloser als gedacht, denn meine App zeigte eine Verspätung des Zuges um drei Minuten. Die hatte er aber nicht, was mir (wieder einmal) bestätigte, dass die Zeitangaben nicht immer stimmen. Im Zug angekommen sitzen drei Frauen mit mir in der 4er-Sitzecke. Alle sind ungefähr in meinem Alter, alle haben ein Smartphone. Zwei der drei Frauen beginnen die digitale Ausgabe ihrer Tageszeitung zu lesen, sie unterhalten sich über die gelesenen Nachrichten. Auch hier wird ein Trend sichtbar, denn die „E-Paper-Auflagen“ sind nach Angaben des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) von 2005 bis 2016″ von 21.121 auf 977.156 verkaufte Exemplare gestiegen. (Quelle pdf-Datei) Mein Eindruck: Dieser Trend wird sich noch verstärken, mit jeder Generation „Onlineleser*innen“ wird das gedruckte Exemplar hinfälliger. Die dritte Frau ist am Chatten (Google Hangout).

Zwei gehörlose Jungs gebärden miteinander, beide haben ein Smartphone und sind auch am chatten. Hier ist die Technik eine Befreiung. denn eine solche Möglichkeit miteinander zu kommunizieren, gab es vorher so nicht. Die analoge Technik und zu Beginn auch die digitale Version der Videotelefonie war durch die geringen Übertragungsraten einfach grauenhaft.

In Frankfurt angekommen bewege ich mich erst einmal in die DB-Lounge, denn ich habe 15 Minuten Zeit. Das reicht für einen Kaffee. Im Eingangsbereich der DB-Lounge muss ich meine Bahncard durch ein Lesegerät ziehen, das durch ein grünes Licht signalisiert, dass ich berechtigt bin, die DB-Lounge kostenfrei zu nutzen. Als das System 2016 eingeführt wurde, fragte ich mich, welcher Zweck damit erfüllt werden sollte und welche Daten von mir gespeichert werden. Der Scanner kann ja erfassen, welche Bahncard zu welchem Zeitpunkt durch die Öffnung geführt wird. Ich werde hier nach § 34 Bundesdatenschutzgesetzes einmal Auskunft verlangen, welche personenbezogenen Daten von mir gespeichert werden. Laut Aussagen keine.

Die Fahrt in der kameraüberwachten S-Bahn bis Mainz verlief dann wie gewohnt. Die digitale Zeitanzeige, die die Abfahrtszeiten der Busse und Straßenbahnen in Mainz anzeigt, funktionierte heute. Manchmal ist diese Anzeige ein Zeugnis digitalen Grauens, wenn der angeblich in einer Minute kommende Bus, auf den ich warte, plötzlich von der Anzeige verschwindet um dann Sekundenbruchteile später als „in 12 Minuten ankommend“ wieder zu erscheinen. Tatsächlich kommt dann der Bus drei Minuten später. Diese Erfahrung mache ich glücklicherweise nur 2-3 Mal im Jahr.

In der Straßenbahn hoch zur Uni ein interesantes Gespräch mit zwei Studentinnen, die „Opfer“ eines Prankerteams (Prank = Verarschung) geworden sind. Eines der beiden Frauen wurde von einem Typ angesprochen, was denn das ILY in einer SMS zu bedeuten hätte, er kenne das nicht. Daraufhin die korrekte Antwort der Studentin „Ich liebe dich“ (I Love You). Der Typ „ging dann voll ab, umarmte mich und sagte, dass bei ihm auch das gleiche Gefühl kam, als er mich erblickte“. Es ging hin und her, indem beide Studentinnen ihm erklären wollten, dass das nur die Übersetzung und nicht Ausdruck ihres Gefühles sei, was er partout nicht wahrhaben wollte. Kurzum, zwei Freunde haben das ganze gefilmt und fragten dann anstandsweise, ob die Studentinnen einer Veröffentlichung auf Youtube zustimmen würden, was sie verneinten. Beide hoffen, dass es auf dem Kanal nicht zu sehen sein wird. Interessant war, dass beide davon sprachen, dass sie das total doof finden, selbst aber doch gerne auf Youtube so Videos ansehen. „Wir sind voll krank“ waren ihre abschließenden Worte.

Im Büro angekommen iMehls checken, von 10 – 11 Uhr Videokonferenz mit dem #mppb17 Team über die gemeinsame Veranstaltung am 7/8. September 2017 in Mainz über die Plattform appear.in und den Rest des Tages wieder mit Mails und Themen-Recherche verbracht, hauptsächlich für ein Actionbound-Projekt im Rahmen des #mppb17. Bei dem Projekt soll es um die Universität Mainz und die NS-Zeit gehen. Einige Recherchen haben interessantes zu Tage gebracht, obwohl es in dieser Zeit keine Mainzer Uni gab! Bei diesen Recherchen war über das Internet wenig zu erfahren, allerdinges wurden Kontakte aufgezeigt, die dann auch über iMehl eine Menge interessanter Informationen lieferten.

Dazwischen noch einen theologischen Arbeitskreis zu „Luther und die Reformation“, in dessen Rahmen wir uns zur Zeit über die Bedeutung der Reformation für unser Arbeitsfeld austauschen.
Auf einem Projektrechner habe ich dann noch Ubuntu installiert. Läuft!

Noch ein schneller Blick auf den aktuellen Stand der finanziellen Unterstützung des Aula-Projektes, das ich ebenfalls unterstütze:
aula Projekt Hamburg: 675 von 1650 Euro
aula Projekt Jena: 1565 von 1650 Euro
aula Projekt Nottuln: 893 von 1650 Euro
aula Projekt Freiburg: 1250 von 1650 Euro

Crowdfunding ist auch eine schöne Sache, die ohne die digitalen Plattformen des Internets zwar auch möglich, aber wesentlich schwieriger umzusetzen sind. Man muss ja mit dem Projekt, für das man Unterstützer*innen sucht, erstmal bekannt werden. In der Regel geschah dies analog im näheren sozialen Umfeld, heute hat sich der Kreis erweitern.

Der vorletzte Teil des Arbeitstages bestand noch aus einer Recherche über die http://www.webgrrls.de/, die am 14.3 eine auch für Männer offene Veranstaltung in Frankfurt anbieten, die ich besucht werde. Ich hoffe dort auf zwei Kolleginnen zu treffen, mit denen ich Projekte besprechen möchte. Auch hier hat das Internet mit seiner HypertextArchitektur vieles einfacher gemacht.

Ein Blick in die veröffentlichten Ergebnisse einer neuen Drogenaffinitätsstudie (Teilband Computerspiele und Internet) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der DAK-Gesundheit am Ende meines Arbeitstages zeigt mir, dass ich mir die komplette Studie anschauen muss, um darüber eine fachliche Einschätzung abgeben zu können. Das muss daher noch ein bisschen warten, mir wurde aber von einem Kollegen aus dem Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters zugesagt, dass ich nach der Freigabe der Publikation in einer Fachzeitschrift ein Exemplar erhalten werde. Dann werde ich auch hier darüber berichten.

Kurz vor Ende meines Arbeitstages erreichte mich noch der Hinweis über eine Langzeitstudie, die den Zusammenhang zwischen dem Spielen von Computerspielen mit gewalthaltigen Spielhandlungen und realer Gewaltbereitschaft oder Gewaltakzeptanz untersucht hat. (Quelle) Auch dieser Studie werde ich mich zwischendurch widmen, denn als Jugendmedienschutzsachverständiger muss ich auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Debatte sein. Zudem ist das ein Thema, das in vielen Zusammenhängen der Nutzung der digitalen Welt durch Jugendliche auftaucht.

Wer Fragen, Kritik oder Anregungen hat, kann dies gerne in den Kommentaren veröffentlichen.