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Martin Luther trifft Darth Vader

Eines Morgens saß eine kleine Playmobilfigur (Martin Luther) auf meinem Monitor. Beim herunternehmen fiel ihm sein Buch aus der Hand und landete fast neben der kleinen Figur von Darth Vader, die ich einmal für meine Unterstützung eines Kinderfilmprojektes der Kindertagesstätte Feuerwache erhalten habe. Die kleine Figur von Darth Vader verbirgt übrigens einen USB-Speicherchip, auf dem sich der wunderbare Film „STAR WARS VIII – Flucht von Endor“ befindet. (Trailer) Aber das nur am Rande!

Darth Vader schaute also Martin Luther tief in die Augen (oder war es umgekehrt?) und ich fragte mich, was beide miteinander verbindet. Klar, da sind schon mal äußerliche Gemeinsamkeiten: der schwartze Umhang und beide tragen eine Kopfbedeckung. Beide sind aus Kunststoff, beiden bin ich „real“ nie begegnet. Ich bin ihnen aber virtuell begegnet. Ich möchte ehrlich sein: Für mich macht das nur einen kleinen Unterschied, denn ich teile einen Gedanken, den Dr. Michael Klein, Direktor des Instituts für Neue Medien (INM), mit vireal beschrieben hat. Virtuelle Begegnungen lösen real etwas in mir aus. So wie Darth Vader und Martin Luther. Mit beiden kann ich mich nicht „real“ austauschen. Aber warum auch? Meine Haltung, mein Denken entwickelt sich im Rahmen meiner Möglichkeiten eben in der Auseinandersetzung mit den virtuell-realen Quellen, die beide hinterlassen haben. Auch wenn Darth Vader selber keine hinterlassen hat, er selbst ist ja auch nur ein Kunstprodukt. Aber zurück zum Kern.

Immer wieder begegnet mir im meinem Arbeitsalltag die Unterscheidung von real und virtuell, wobei ersteres als „gut“ und „richtig“, zweiteres als minderwertig, eben „nicht wirklich“ betrachtet wird. Eine „gute“ Kommunikation könne nur von Angesicht zu Angesicht erfolgen, nur dann sei sie „echt“ (kritische Anmerkungen siehe hier und hier). In kirchlichen Kreisen scheint diese Zweiteilung besonders beliebt. Da wird alles hin und her gebogen, bis es passt. Gerade las ich einen Beitrag eines Pastoralreferenten, der – wenn ich ihn richtig vestanden habe – ebenso argumentiert. Natürlich mit Bibelstellen und deren Auslegung (Exergese). Für mich dabei interessant: Kritische Positionen, die ich in vielen Punkten teile, treffen auf – wie ich finde – haarsträubende Positionen. Einerseits wird das Medium „Internet“ stark gemacht. Kirche muss das nutzen, die Chancen wahrnehmen und sich nicht wegducken in der Hoffnung, dass das alles vorbeigehe. Da bin ich in wesentlichen Punkten bei ihm. Dann aber konstruiert er einen Gegensatz, den ich so garnicht wahrnehme. Der mir aber vielerort auch begegnet. Das Internet ist NUR das Medium, eine vermittelnde Instanz!

Wird es denn andes wahrgenommen? Er schreibt an zentraler Stelle „Die mediale Form der Briefe dienen der Ankündigung von Besuchen oder der Beantwortung von Fragen; sie ersetzen aber die konkrete Begegnung nicht.“

Ich frage mich, ob das jemand behauptet? Es geht doch nicht darum, dass Medien konkrete „echte“ Begegnungen ersetzen. Es geht darum zu erkunden, wo der Einsatz von Medien Sinn macht. Eine Chatseelsorge kann wirken, auch wenn keine „reale“ Begegnung (ich persönlich halte Chats doch für ganz schön real!) stattfindet. Auch ein Brief kann diese Wirkung haben. Auch ein Buch. Auch die Bibel. Keiner der Autor*innen muss anwesend sein, wenn ich aus einem Text beispielsweise Erkenntnisse gewinne. Selbst eine Geschichte, die ich lese, kann frei erfunden sein…und trotzdem muss ich weinen, wenn ich sie lese. Wirken Filme nicht dann ganz besonders, wenn wir als Zuschauer*innen uns mit Personen identifizieren können? Wenn Themen angesprochen werde, die uns berühren?

So ist es auch mit Darth Vader. Zuerst übelst böse mit seinem Atemgeräusch, das so umnenschlich, so „virtuell“ wirkt. Dann sein Verhalten. Bekämpft den Sohn, der ihm dann nach 1:48 Minuten Kampf eine Hand abtrennt. Dath Vader stellt sich dann doch noch an die Seite seines Sohnes und wird letzten Endes wieder Mensch mit „richtigem“ Atem. Er wirkt wieder menschlich, so als ob er einer wäre. Bedenke: Wir sehen nur einen Film mit Schauspieler*innen.

Also, letzten endes geht es nicht um „virtuell – künstlich“ und um „real – wirklich“ sondern darum, wie etwas wirkt. Wenn jemand Trost braucht, dann spendet Trost. Wie auch immer. Wenn jemand einen Segen möchte, dann segnet. Wie auch immer. Wenn jemand Hilfe benötigt, dann helft.

Nun gibt es wieder einen lesenswerten Text, der die Überforderung der Menschen durch die Digitalisierung beschreibt. (Quelle)

Die evangelische Theologin Friederike Erichsen-Wendt, die als Pfarrerin in Windecken wirkt, hat ihre Gedanken dazu in ihrem Blog veröffentlicht. Ebenfalls lesenswert! Dieses „Ding“ mit der Digitalisierung

Da bleibt mir, der in theologischen Fragen keine großen Kompetenzen hat, nur den Hut zu ziehen. Als Mensch, der sich mit der Wirkung der Digitalisierung auseinandersetzt, eine Quelle neuer Erkenntnisse.

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Smartphones machen Säuglinge und Kinder krank

Zu viele Bücher Comics Walkmans Fernsehen Smartphones machen Kinder krank. Hinter Überschriften wieWie Smartphones schon Säuglinge und Kinder krank machen“ (Augsburger Allgemeine) und „Smartphones machen Kinder krank“ (Neue Züricher Zeitung und diagnose-funk.org) stehen Meldungen über die Ergebnisse der sogenannten BLIKK-Studie. Dabei handelt es sich um eine Studie im Rahmen eines Projektes, das sich auf der Homepage folgendermaßen beschreibt:

„Das Institut für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung der RFH Köln (iMöV) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) haben gemeinsam das Projekt „BLIKK-Medien – Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz und Krankheiten – Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien“ entwickelt. Der Deutschen Kinderschutzbund und die Deutsche Sportjugend wurden als Kooperationspartner in das Projekt integriert. Mit der Übernahme der Schirmherrschaft durch die Drogenbeauftragte des Bundes bekundet auch die Politik den hohen Stellenwert des Projektes. Es soll nach nachweisbaren Zusammenhängen zwischen den Mediennutzungszeiten und möglichen psychischen sowie physischen Auffälligkeiten im Rahmen der Früherkennungsuntersuchungen U3-J1 gesucht werden.“

Als Forschungsfragen werden an gleicher Stelle definiert:

  1. Wie lässt sich ein normaler oder ein erhöhter Mediengebrauch definieren?
  2. Welche Auswirkungen hat ein erhöhter Mediengebrauch auf die körperliche, geistige, soziale und schulische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen?
  3. Haben frühzeitige Beratungs- und Informationsgespräche einen positiven Einfluss auf das Medienverhalten von Familien, Kindern- und Jugendlichen?
  4. Welche Auswirkungen haben ein erhöhtes Medienverhalten und deren gesundheitlichen Folgen auf die Gesundheitsausgaben von morgen?

Eine wichtige Fragestellung, wie ich als Sozialwissenschaftler, Fachreferent, Vater und Opa finde.

Bevor ich zu einer Einordnung der ersten Ergebnisse was Form und Inhalt angeht eingehe, einige grundlegende Erläuterungen zu wissenschaftlichen Methoden empirischer Sozialforschung. Wichtig ist mir dies wegen der Bedeutung, die Forschung und deren Ergebnisse für die öffentliche Debatten und das politisches Handeln haben. Studienergebnisse werden (vor allem hier in Deutschland) gerne genutzt, um politische Handlungen zu begründen.

Forschung besteht aus mindestens drei Schritten, dem Forschungsinteresse sowie der Erhebung und Bewertung von Daten. Beides, die Erhebung wie die Bewertung (Intrerpretation) sind geleitet von einem Erkenntnisinteresse. Das dient sozusagen als „Katalysator“. Ein kleines Beispiel:

Ich zähle die Neugeburten in einem Dorf. Seit drei Jahren steigend! Ich zähle die im Dorf nistenden Störche. Steigend. Bewertung: Weil im Dorf mehr Störche nisten, gibt es mehr Kinder. Das Ganze wird, natürlich mit einer schönen Grafik versehen, veröffentlicht. Die Daten stimmen. Der „Katalysator“ ist dabei die verschiedenen Vorannahmen, die in die Forschung einfließen:

  1. Störche und Kinder haben etwas miteinander zu tun.
  2. Es sind nicht die Anzahl der Wühlmäuse, die im gleichen Zeitraum auch gestiegen ist

Stephen Toulmin hat für die Analyse von Argumenten in seinem Werk The Use of Argument, 1958 ein Schema entwickelt, das hier (ein OER Bildungsserver!) sehr gut dargestellt ist und das ich als Grundlage meiner Bewertungen von Forschungsergebnissen nutze. Im Falle unseres Storch-Kinder-Beispiels ist es nicht logisch begründet, dass Störche und Kinder etwas miteinander zu tun haben. Dieses „Wissen“ basiert auf alten Erzählungen, nach denen die Störche die Kinder bringen. Das Wühlmäuse (oder andere Dinge) keine Bedeutung für die Interpretation der Zahlen haben ist damit begründet, dass das ja nix damit zu tun hat. Oder hast du davon schon mal was gehört?

Toulmin nennt dies nicht „Katalysator“, sondern „Schlussregel“. Die sollte, muss aber nicht, immer begründet sein. Oftmals werden Schlussregeln verwendet, die nicht dargestellt werden, sondern auf – beispielsweise – gemeinsamen Verständnis beruhen. Ja, Störche bringen eben die Kinder, das ist schon seit Generationen bekannt.
Es gibt auch immer etwas, Toulmin nennt dies „rebuttal“, also Gegenrede, die gegen die Argumentation, gegen die Anwendung der Schlussregeln steht. „Im Nachbardorf sind auch vermehrt Störche, ohne dass es zu einer Steigerung der Geburtenrate kam. Ach, das lassen wir mal weg, hat ja für unsere Forschung keine Bedeutung.“ Soweit meine kleine Grundlage, die aber für das Verständnis der empierischen Sozialforschung nach meiner Ansicht (und nach der meines damaligen Professors Dr. Dr. Mans) immens wichtig ist.

Nun aber zur BLIKK Studie. Zur Form. Ich kann hier nur sagen, dass ich es in letzter Zeit ziemlich unerträglich finde, wenn Studienergebnisse der medialen Öffentlichkeit präsentiert werden, ohne die Studie als Grundlage für eine Bewertung der Ergebnisse zugänglich zu machen. Aber hier scheint der Zweck die Mittel zu heiligen (Redensarten-Index). Am 29. Mai 2017 war es soweit. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. In der Pressemeldung heißt es: „Diese Studie ist ein absolutes Novum. Sie zeigt, welche gesundheitlichen Folgen Kinder erleiden können, wenn sie im digitalen Kosmos in der Entwicklung eigener Medienkompetenz allein gelassen werden, ohne die Hilfe von Eltern, Pädagogen sowie Kinder- und Jugendärzten.“ (Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung)

Dazu wurden zwei Häppchen gereicht: Ein Faktenblatt und eine Präsentation, die (wegen Überarbeitung) im Moment nicht abrufbar ist (soll im August wieder online sein). Da mir nur die Präsentation vom 29.Mai 2017 (pdf) vorliegt und ich davon ausgehe, dass die Ergebnisse dort der Wahrheit entsprechen, gehe ich nun auch auf diese Präsentation ein. Leider gibt es von der Pressekonferenz keine Audio- oder Video-Aufzeichnung. Das wäre sicherlich spannend. Falls es abweichende Ergebnisse in den Präsentationen gibt, werde ich ein Update der Bewertung veröffentlichen.

Es wurden in die Befragung 5.573 Kinder und Jugendliche im Rahmen der kinderärztlichen Untersuchungen U3 – U11 einbezogen. Methodisch wurden Eltern befragt und in 79 Praxen Untersuchung durch Kinder-/Jugendärzte durchgeführt. So ganz klar ist es nicht erkennbar, scheinbar wurden mit den Eltern (mit einem/mit beiden? Unklar!) standartisierte Befragungen mit Fragebogen durchgeführt (Fragebogen zum Lebensumfeld, Medienfragebogen, Eltern-/Jugendfragebogen (Papousek/Mannheimer), Untersuchungsbogen). Da die Fragebögen, bis auf den von Mannheimer, mir nicht vorliegen und ich sie auch nirgends gefunden habe, kann ich hier auch leider nicht darauf eingehen. Die Jugendlichen wurden mittels eines standardisierten Evaluationsbogens befragt. Die Schlüsselergebnisse im Wirkung – Ursache Vergleich:

  1. bei Säuglingen (U3 – U6) Fütter- und Einschlafstörungen … wenn die Mutter während der Säuglings-Betreuung parallel digitale Medien nutzt.
  2. bei 2-5 jährigen (U7 – U9) Motorische Hyperaktivität / Konzentrationsstörungen …bei täglicher Smartphone-Nutzung > 30 Min.
  3. Sprachentwicklungs-Störungen in Verbindung mit täglicher digitaler Bildschirmnutzung
  4. 69,5% können sich weniger als zwei Stunden selbständig beschäftigen ohne die Nutzung von digitalen Medien
  5. bei 8-13 jährigen (U10 – J1 ) …motorische Hyperaktivität/ Konzentrationsschwäche in Verbindung mit einer erhöhten digitalen medialen Nutzungsdauer von > 60 Minuten
  6. Erhöhter Genuss von Süßgetränken und Süßigkeiten sowie ein erhöhter BMI bei täglicher digitaler Bildschirmnutzung
  7. bei 13-14 jährigen... Selbstauskunft der Jugendlichen (J1)…Ein nennenswerter Teil der befragten Jugendlichen gab an, Probleme zu haben, die eigene Internetnutzung selbstbestimmt zu kontrollieren und berichtet von negativen Konsequenzen ihrer Internetnutzung im Alltag…. erhöhtes Gefährdungspotential für die Entwicklung einer digitalen Mediensucht für Jugendliche

Die Elternbefragung ergab weitere berichtenswerte Ergebnisse: Auf die Frage…
Haben Sie sich schon einmal über Mediennutzung informiert ? sagten 41% der Eltern NEIN.
Besteht Beratungsbedarf für den Umgang Ihres Kindes/Jugendlichen mit Internet- oder Smartphone-Nutzung? antworten 90% mit NEIN.

Die Autor*innen der Studie führen die Entwicklungs-Auffälligkeiten bei auf eine beschränkte „Digitaler Medien-Nutzungs-Kompetenz“ zurück. Der Stellenwert des Informationsbedarfes zur optimalen Nutzung “Digitaler Medien” wird unterschätzt. Es liegt eine Fehlsteuerung (Dysregulierung) des Medien-Nutzungsverhaltens vor.

Die Forschungsgruppe macht folgende Vorschläge:

  1. Handyfreie Zonen (beispielsweise der Essentisch) und einen digitalen Führerschein. Für wen?
  2. Digitale Mediennutzung ja! Aber mal Pause machen mit …auf Bäume klettern, …kreativ sein, ….Vorbilder
    erleben, …ins Schwimmbad gehen. Mal mit Freundschaft, Abenteuer, Vertrauen, Ausdauer…KICKEN statt
    „Klicken“, BIKEN statt „Liken“ und PADDELN, statt „Daddeln“
  3. Überführung der Studie in eine Langzeitstudie

Soweit die Ergebnisse. Wie beschrieben, eine fundierte Bewertung ist erst dann möglich, wenn die ganze Studie mit ihrem Methodenteil vorliegt. Was die Ergebnisse angeht, so ist hier offen, wie die Forscher*innen zum Ergebnis kamen. Aber, und davon kann ausgegangen werden, die Ergebnisse reproduzieren gesellschaftliche Erwartungen. Leider ist nicht gesagt, welche digitalen Medien die Mütter während des Stillens genutzt haben. Ein Hörbuch? Video on Demand? Haben sie paralell ein Computerspiel gespielt? Was passierte während des Stillens in der Umgebung? Waren die Mütter alleine oder in Gesellschaft? Was ist mit den Vätern? Wichtige, leider unbeantwortete Fragen. Julia Schönborn wählte für ihren Blog-Beitrag zur BLIKK-Studie die Überschrift „Die Mütter sind Schuld. Und die Smartphones. Aber am meisten die Mütter.“

Über die Empfehlungen möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht groß auslassen. Sie führten schon im Netz zu Lachanfällen. Handyfreie Zohnen? Bestimmt meinen sie Smartphones, denn wer hat heute noch ein Handy? Für wen soll der digitale Führerschein sein? Die Eltern? Die Mütter? Die Kinder? Die Großeltern? Welche Inhalte? Wo weden die Punkte eingetragen. In Flensburg? Bei der NAS?

Digitale Nutzung mit Pause. Eine Selbstverständlichkeit. Kreativ sein, auf Bäume klettern, ins Schwimmbad gehen…Super. Ich würde das noch erweitern. Reiten gehen, Doppelkopf spielen (ok, beides nicht für Säuglinge!).  Für die Kleinen ab 2 Jahren würde ich sogar schon „Tempo – Kleine Schnecke“ empfehlen. dann können sie auch gleich erste Regelspiele spielen und gewöhnen sich so an das spätere Regelwerk, dass bestimmt mit digitalen F+ührerschein festgeschrieben ist. Führerschein-Klasse 5 (Bildschirmzeit bis 15 Minuten am Tag), Klasse 4 (Bildschirmzeit bis 30 Minuten/Tag)…bis hin zur Klasse 0 (Pech gehabt, heute nix Bildschirm!).

Das das Forscher*innenteam gerne weiterforschen würde war ja absehbar.

So endet die kleine Zusammenfassung mit dem Statement von Institutsleiter Prof. Dr. Riedel (Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln) dazu: „Als Fazit der Studie ergibt sich, dass der richtige Umgang mit den digitalen Medien, die durchaus einen berechtigt hohen Stellenwert in Beruf und Gesellschaft eingenommen haben, frühzeitig kontrolliert geübt werden soll. Dabei müssen  soziale und ethische Werte wie Verantwortung, reale Kommunikation, Teamgeist und Freundschaft auf allen Ebenen  der Erziehung gefördert werden. Kinder und junge Menschen sollen lernen, die Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt zu nutzen, ohne dabei auf die Erlebnisse mit Freunden im Alltag zu verzichten.“

Da können wir uns doch alle anschließen. Einen lesenswerten, kritischen Artikel zur Studie ist in der TAZ erschienen.

Zu guter Letzt: Ergebnisse von Studien zu veröffentlichen, die politisch wirkmächtig sein wollen und sollen, ohne dass die Studie vorliegt, ist unseriös und dient einzig eigenen Interessen. Denen der Forscher*innen, denen der Drogenbeauftragten. Denen der Presse, die es schon immer gewußt haben. Den Menschen, denen einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge gerade recht kommen. Aber nicht dem öffentlichen Interesse oder gar einer kritischen gesellschaftlichen Würdigung. Hier ist eine soche Vorgehensweise eher kontraproduktiv. Aber vielleicht will sie das ja auch sein.

Beitragsbild: Pixabay

Digitale Patientenakte

Nachdem ich in den letzten Woche verschiedene Arztbesuche erledigen musste, ist mir wieder aufgefallen, wie sehr mich manche Dinge ärgern. Nach den Gesprächen im Wartezimmer und den Gesprächen mit den Ärzten habe ich mich nochmal schlau gemacht, welche Entwicklungen es gesellschaftlich gibt.

Der Hintergrund: Immer wieder, diese Erfahrungen musste ich auch jetzt wieder machen, muss ich meine nicht allzu umfangreiche Krankengeschichte in den wesentlichen Punkten erläutern: Wegen welcher Krankheiten werden oder wurden Sie behandelt? Welche Operationen hatten sie? Haben Sie Allergien und Unverträglichkeiten? Nehmen Sie regelmäßig Medikamente, wenn ja, welche? Gibt es familiäre Vorerkrankungen? Mir ist bewusst, dass die Beantwortung der Fragen unter Umständen für die behandelnden Mediziner*innen von Bedeutung sein können. Ich würde mir ja wünschen, ich müsste nicht immer wieder in meinem Gedächtnis nachforschen, welche Antworten ich geben soll. War 1979 die Hoden- und Leistenbruch-OP? 1985 Nasenpolypen-OP. Oder war das 1986? 1988? Ich weiß es nicht mehr.

Warum gibt es bis heute im Zeitalter digitaler Technologien keine elektronische Patient*innenakte, in der diese wesentlichen (oder unwesentlichen?) Daten für die registrierten Ärzte abrufbar sind?

Auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums heißt es: „Es gibt kaum eine Innovation, die unser Leben in den letzten 20 Jahren so verändert hat wie das Internet und die damit verbundene Digitalisierung unserer Gesellschaft. Auch im Gesundheitswesen ist die digitale Revolution angekommen. Fast alle Praxen und Krankenhäuser nutzen umfassend digitale Datenverarbeitung. Bei der Übermittlung dieser Daten stecken wir aber noch im analogen Zeitalter von Brief und Fax. Jetzt wollen wir die Chancen der Digitalisierung für eine bessere medizinische Versorgung endlich nutzen.“

Das mit den Briefen, die ich zwischen des Arztpraxen hin und her transportiter habe, kann ich nur so bestätigen. Aber was ist in der Bundespolitik geschehen, um das zu verbessern?

Mein erster Besuch galt der Homepage des Bundestages. Im Legislaturbericht Digitale Agenda 2014 bis 2017 (pdf) heißt es: „Mit dem Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen sowie zur Änderung weiterer Gesetze (E-Health-Gesetz) wurden die Rahmenbedingungen für die Nutzung moderner, digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien für die medizinische Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten nachhaltig verbessert.“ (Seite 23)

Der Besuch der entsprechenden Seite auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums brachte folgende Erkenntnis: „Ein modernes Stammdatenmanagement (Online-Prüfung und Aktualisierung von Versi­chertenstammdaten) sorgt für aktuelle Daten in der Arztpraxis und schützt vor Leis­tungsmissbrauch zu Lasten der Beitragszahler. Diese erste Online-Anwendung der elekt­ronischen Gesundheitskarte soll nach erfolgreichem Probelauf bis Mitte 2018 flächende­ckend eingeführt werden.“

OK, dache ich mir. Da wird es möglicherweise 2018 soweit sein, dass meine Versichertenstammdaten elektronisch auf dem neusten Stand abrufbar sind. Dabei scheint es aber garnicht so sehr um mich zu gehen, sondern um die Eindämmung eines missbräuchlichen Verhaltens. Laut einer Schätzung des statistischen Bundesamtes waren in Deutschland im Jahr 2015 ca. 80.000 Menschen nicht krankenversichert.

Weiter heißt es: „Die Versicherten erwarten zu Recht, dass medizinische Daten immer dann zur Verfügung stehen, wenn sie für ihre Behandlung benötigt werden. Und das unter Beachtung von Datensicherheit und Datenschutz.“

Na da kann ich nur voll zustimmen. Weiter im Text: „Voraussetzung hierfür ist die Einführung einer digitalen Datenautobahn, die Telematikinfrastruktur. (…) Zuständig für die Einführung der Datenautobahn sind die Organisationen der Selbstverwaltung.“ Ohje, denke ich mir, digitale Datenautobahn hört sich ja super an und ein Blick auf den Breitbandatals des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zeigt mir, das kann noch dauern! Wenn das also eine Voraussetzung ist, dann gute Nacht. Denke ich mir so.

Aber möglicherweise geht das ja auch fix (*ungläubiges Kopfschütteln*). Nun gut, also 2018 können die aktuellen Stammdaten digital abgeglichen werden. Und dann? „Das E-Health-Gesetz enthält einen Fahrplan zur digitalen Vernetzung für die Selbstverwaltung und für die weiteren Schritte mit nutzbringenden Anwendungen.“ Na den Fahrplan im E-Health-Gesetz schaue ich mir mal genauer an. In meinen Worten:

  1. 1. Januar 2015: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) gilt als alleiniges Einlassticket in die Krankenversorgung.
  2. 1. Oktober 2016: Wer mindestens drei verordnete Medikamente anwendet, hat Anspruch auf einen Medikationsplan in Papierform. Darin wird dokumentiert, welche Arzeneimittel verordnet wurden sowie solche, die ohne Verschreinbung angewendet werden. Papierform?
  3. 31. Dezember 2016: Bis zu diesem Tag hat die GEMATIK (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH – eine Firma, die das ganze Vorhaben managen soll und die von den Krankenkassenverbänden und den Ärzteverbänden gegründet wurde) zu prüfen, inwieweit Patient*innen mit Smartphones, die heute zur Standardausstattung gehören, auf die Daten der eGesundheitskarte zugreifen können.
  4. 1. Juli 2017: Videosprechstunden werden nun vergütet. Hier wird die sicherlich sinnvolle telemedizinisch gestützte Betreuung von Patienten, mit der die ansonsten
    wiederholte persönliche Vorstellung in der Arztpraxis ersetzt werden kann, gefördert.
  5. 01. Januar 2018: Allen Versicherten soll die Möglichkeit eingeräumt werden, notfallrelevante Informationen (Diagnosen, Medikation, Allergien, Unverträglichkeiten etc.) freiwillig auf ihre eGK eintragen zu lassen.
  6. 1. Juli 2018: Alle Vertragsärzte müssen an die Infrastruktur angeschlossen sein und das Versichertenstammdatenmanagement durchführen, sonst droht ihnen eine Honorarabzug von 1%.
  7. 01.01.2019. Die Versicherten haben Anspruch auf eine ePatientenakte, in der wichtige elektronische Dokumente wie Arztbriefe, Medikationsplan, Notfalldatensatz, Impfausweis etc. aufbewahrt werden können. Zugriff haben Ärzte mit einem eArztausweis. Der Inhalt wird in ein sogenanntes elektronisches Patientenfach gespiegelt (kopiert), auf das ich als Patient dann Zugriff haben soll. Über die Daten der ePatientenakte hinaus, soll ich auch die Möglichkeit erhalten, persönliche Gesundheitsdaten einzutragen (Ernährung, Bewegung, Daten von „Fitnesstrackern“ etc.).

Soweit grob der Fahrplan.Wer sich die Bundestagsdebatte der letzten Lesung des Gesetzes anschauen möchte, das Protokoll gibt es hier (pdf). Eine knappe Erklärung ist im Youtube-Video von Dr. Overkamp zu sehen.

Praktisch sind einige Fisten allerdings schon verstrichen. So ist in der Ärzte-Zeitung zu lesen, dass die Frist für den Anschluss der Ärzte an das Versichertenstammdatenmanagement erst zum 1. Januar 2019 endet.

Grund dafür dürften die Probleme bei der Technik sein. Wie die FAZ und andere Quellen berichteten, stehen die Geräte, die einen sicheren Zugang zum System bieten müssen, nicht bereit.

Probleme machet auch die Anbindung der Endgeräte an das System (siehe Fahrplan Punkt 3). Wie die GEMATIK in ihrem Bericht (pdf) formuliert, bestehen Sicherheitsprobleme, die sie nicht lösen können. Im Ergebnis bedeutet dies: „Die Geräte der Versicherten sind keine Geräte der Telematikinfrastruktur. Das bedeutet insbesondere, dass diese Geräte nicht durch die gematik zugelassen werden und damit kein Nachweis ihrer funktionalen und sicherheitstechnischen Eignung erfolgt. Die Versi-cherten tragen notwendigerweise selbst die Verantwortung für diese Geräte. (…) In diesem Zusammenhang kann nur auf allgemeine Verhaltensregeln für die Versicherten im Umgang mit ihren Geräten und eine sichere Konfiguration ihrer Geräte verwiesen wer-den, welche die Wahrscheinlichkeit einer Kompromittierung der Geräte einhergehend mit Verlust des Schutzes der darauf gespeicherten oder verarbeiteten Daten senken. Die Versicherten sind jedoch für eine Einhaltung dieser Verhaltensregeln und die Konfigurati-on ihrer Geräte selbst verantwortlich.“ (Seite 8)

Während die neuen Regelungen in einem Artikel der ZEIT gefeiert wurden, fehlte es an kritischen Anmerkungen nicht.

Eine zentrale Kritik trifft des Datenschutz. Sensible Daten, dazu zählen auf jeden Fall meine Gesundheitsdaten, sind 100% zu sichern. Aber geht das? Der Chaos Computer Club hat so seine Zweifel und hier Stellung bezogen.

Datenschutzgründe und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung führt der Verein Patientenrechte und Datenschutz e.V. ins Feld und macht vor allem auf die wirtschaftlichen Interessen an eben diesen Daten aufmerksam. Ein sehr interessanter Blog!

Das verschiedene Firmen ein Interesse an den Daten haben, dürfte klar sein. Der Gesundheitsbereich ist ein lohnenedes Geschäft. Apple will beispielsweise gerne die Gesundheitsdaten seiner Nutzer*innen sammeln und verwerten. Ein Artikel dazu ist hier. Dazu passend hat Apple ein Startup gekauft, das sich auf die Sammlung  von Gesundheitsdaten spezialisiert hat.

Das auch Versicherungen ein Interesse an den Daten haben, dürfte nicht überraschen. So werden individualisierte Versicherungsprämien noch präziser möglich. Generali, ein Versicherungskonzern, der in einigen Bereichen auf individualisierte Prämienmodelle setzt, ist hier auch am Werk und setzt mit ihrem Angebot auf die digitale Selbstvermessung, ich nenne es auch gerne die „körperliche Buchführung“.

Auch für die Kirche ist dies ein Thema. Der Mensch ist mehr als die Ansammlung von Daten, er ist mehr als ein Objekt, das vermessen und bewertet werden kann. Einen schönen Artikel dazu gibt es auf der Homepage unserer Landeskirche.

Außerdem bin ich ein Anhänger des solidarischen Prinzips. Ich wäre für eine Bürgerversicherung.

Um am Ende auf den Anfang zurück zu kommen: Ja, ich bin ein Befürworter des digitalisierten Gesundheitsmanagements. Ich würde meine Blutgruppe, meine Allergien (Birkenpollen & Salicylate) und meine Medikamente (die ich bisher nicht habe), eintragen. Ich befüworte auch ein ePatientenfach. Allerdings sind meine Sicherheitsvorstellungen schon ziemlich hoch. Ich würde den Zugriff darauf, ebenso wie ich das seit Jahrzehnten mit dem Onlinebanking handhabe, nur über meinen gesicherten PC vornehmen. Zudem müsste die Infrastruktur zwischen meinem Endgerät und dem Datenserver hundertprozentig sicher sein. Ob das im Zeitalter von Sicherheitslücken machbar ist? Ich hoffe es und machbar ist es. Da bin ich mir sicher.

Meinungsfreiheit?

Ab und zu gibt es ja einen Beitrag in den sozialaen Netzwerken, die mich eine ganze Zeit lang beschäftigen und anregen, mir über einzelne Fragen intensiver Gedanken zu machen. Jetzt hat es mich mal wieder „erwischt“.

Ein geschätzter Kollege postete den obigen Beitrag mit einer Mischung aus Empörung und Erstaunen, dass Facebook ein solches Posting nicht „beanstandet“. Auch wenn das nicht explizit in seinem Beitrag stand, ich denke, er meinte damit, Facebook hätte ihn löschen müssen. Daraufhin postete ich, dass mir diese Aussage durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei. Denn nach meinen Kenntnissen der Rechtsprechung ist er  nicht strafrechtlich relevant. Aber ich kann mich täuschen. Es trugen noch andere geschätzte Kolleg*innen ihre Meinung bei und es zeigte sich eine sehr unterschiedliche juristische Bewertung. Inhaltlich, da sind sich alle Beteiligten einig: „Indiskutabel+unterirdisch“.

Warum beschäftig mich das so? Nun, als Hintergrund ist es ganz entscheidend, dass meine Haltung zum §5 Grundgesetz durch meine bisherigen Lebensereignisse bestimmt ist.  Daher einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit.

Mein Vater war Insasse des Jungendkonzentrationslagers Moringen, in dem von 1940 bis 1945 Jugendliche zwischen 13 und 22 Jahren aus unterschiedlichen Gründen inhaftiert wurden. Bei vielen der Jugendlichen lag der Einweisungsgrund in der Haltung und ob diese in den NS-Staat passte. Menschen wie mein Vater oder Günter Discher, die ich noch persönlich kennenlernen durfte, erzählten mir über den barbarischen Umgang des NS-Staates mit Menschen, die nicht ins Bild passten. „Undeutsch“, „eindeutschungsfähig“, „entartet“ oder „gemeinschaftsfremd“ waren die dazugehörigen Schlagworte.

Hinzu kam, dass ich in meiner Zeit als Schulsprecher und später Jugendvertreter lernen musste mit Menschen respektvoll umzugehen, die gänzlich andere Auffassungen als ich hatten.

Eine noch ganz wichtige Erfahrung war meine Zeit bei der Bundeswehr. Meinungsfreiheit und das System „Befehl und Gehorsam“ sind nicht zwingend Gegensätze, da der (GG Art. 5) auch in der Kaserne gilt. Hinzu kommt, dass die Würde des Menschen (GG Art. 1) auch dort unantastbar ist (rechtlich – faktisch habe ich auch anderes kennengelernt). Als ich einen Befehl für offensichtlich „unsinnig und gegen die Menschenwürde“ nicht nur verweigerte sondern auch andere Soldaten (es waren alles Männer) aufforderte, sich mir anzuschließen und sich am Beginn des nächsten Tages alle Mannschaftsdienstgrade dem Befehl verweigerten, musste ich zum MAD (Millitärischer Abschirmdienst). Auch ein weiteres Ereigniss in der Kaserne, in dem es um das Recht auf freie Meinungsäußerung (ich hatte eine andere Meinung als meine Vorgesetzten) ging, brachte mir ein erneutes „Gespräch“ ein. Das Ergebnis: Der MAD stufte mich als „entschiedener Bürger in Uniform, der seine Rechte wahrnimmt“ ein. Damit entging ich einer Bestrafung.

Soweit der hier maßgebliche Hintergrund.

Am 30. Juni 2017 verabschiedete der Bundestag das NetzDG, das zur schnelleren Löschung von „Hasskriminalität und andere strafbare Inhalte“ führen soll und das wegen der möglichen Wirkung sehr umstritten ist (siehe beispielsweise Reporter ohne Grenzen). Ich hatte ja bereits einen Artikel dazu geschrieben.

In wieweit ist der obige Beitrag nun Hasskriminalität oder ein anderer strafbarer Inhalt? In der Auseinandersetzung kamen in Beiträgen verschiedene Straftatbestände auf den Tisch:  Aufruf zu zwei strafbaren Handlungen: Körperverletzung („Eine geklatscht…“ und Freiheitsberaubung („Hinter den Herd“). Dazu kommt der Aufruf, die Grundrechte der Frauen abzuschaffen, ein Angriff auf den Gleichheitsgrundsatz des GG und sicher verfassungswidrig. Hinzu kommt, dass dem Beitrag abgesprochen wird, eine „Meinung“ zu sein.Letzteres kann ich nicht nachvollziehen. In meinem Studium der Soziologie habe ich „Meinung“ kennengelernt als  eine von individuellen Wertvorstellung und Gefühlen auf einen bestimmten Sachverhalt geprägte Einstellung und Haltung. Das erscheint mir hier eindeutig der Fall zu sein. Von daher ist das für mich eine Meinung, die zu 100% nicht meiner entspricht.

Wir alle sine keine Jurist*innen, sondern bringen in die Auseinandersetzung unsere Positionen ein. Ich sprach mich gegen eine Löschung aus, da ich keine strafrechtliche Relevanz sehen konnten. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil einmal festgestellt: „Geschützt sind damit von Art. 5 Abs. 1 GG auch Meinungen, die auf eine grundlegende Änderung der politischen Ordnung zielen, unabhängig davon, ob und wie weit sie im Rahmen der grundgesetzlichen Ordnung durchsetzbar sind. Das Grundgesetz vertraut auf die Kraft der freien Auseinandersetzung als wirksamste Waffe auch gegen die Verbreitung totalitärer und menschenverachtender Ideologien (Quelle)“

Eine Anfrage bei der Cybercrime Hessen bestätigte meine Auffassung, dass keine strafrechtliche Relevanz vorliegt.

Dieses Beispiel zeigt mir, wie schwierig es ist, eine genaue Einstufung einer solchen Meldung vorzunehmen. Die Meinungsfreiheit ist für mich eines der höchsten Rechte. Damit sollte Politik nicht leichtfertig umgehen. Diese Einschätzung im Zeitalter der Digitalisierung (faktische alltagsrelevante Ausweitung der Pressefreiheit) Mitarbeiter*innen sozialer Netzwerke zu überlassen, ist für mich eine politische Bankrotterklärung.

Wie stehst du dazu?

 

Beitragsbild: Von Unbekannt – Wikileaks, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6512765