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Kollaboratives Arbeiten – Texte

Schon die Überschrift lässt manche Menschen zusammenzucken. Kollaboration. Ein historisch negativ besetzter Begriff, der im Kriegszustand die Zusammenarbeit mit dem Feind bezeichnet. Im wörtlichen Sinne bezeichnet er aber nichts weiter als Mitarbeit, also zusammenarbeiten. In diesem Sinne wird der Begriff in den fachlichen Diskursen über die Zusammenarbeit über digitale Medien auch genutzt. Auch hier von mir.

Zusammenarbeiten über digitale Medien ist ein gefragtes Thema, dem ich mich auch seit geraumer Zeit widme. Ansatzpunkt war und ist für mich, dass ich neben meinem lokalen Team in einem Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen arbeite, die räumlich nicht nahe genug beieinander sind, um sich „mal kurz“ physisch zusammen zu setzen. Das ist nichts Neues und hat es schon immer gegeben. Neu sind viele Möglichkeiten, die die Digitalisierung hervorgebracht haben. Wir müssen seit Jahrzehnten keine Briefe mehr hin und her schicken, die eMail und Messengerdienste haben die Kommunikationsmöglichkeiten beschleunigt. Telefon kennen und nutzen wir auch inzwischen alle.

Alltag ist es in vielen Arbeitszusammenhängen, dass über eMail Dateien ausgetauscht werden, über die sich entweder schriftlich (Kommentarfunktionen) oder telefonisch ausgetauscht wird. Ich finde das persönlich machbar, habe aber inzwischen auch weniger arbeitsintensive Möglichkeiten kennengelernt. Im Folgenden möchte ich einige der Möglichkeiten aufzeigen und mit meinen eigenen Erfahrungen garnieren. Ich halte mich dabei an meine Praxisfälle und beginne heute mit der Textverarbeitung.

Gemeinsames Bearbeiten von Texten

Wer, wie ich schon des öfteren, gemeinsam an Dateien gearbeitet hat (z.B. Zeitschriftenartikel), kennt möglicherweise das Problem der Versionen. Ist das die aktuelle Version? Wenn ich an der Version arbeite und eine andere Person arbeitet auch gerade daran und wir uns die Dateien gegenseitig zusenden, wie verweben wir dann beide Dokumente? Manchmal gibt es dann eine Person, bei der die verschiedenen Texte zusammenlaufen und die dann eine aktuelle, gemeinsame Version erstellt. Ich interessiere mich für Werkzeuge, die mir ein Versionsmanagement ersparen. Dabei haben alle Personen Zugriff auf ein und dasselbe Dokument. Voraussetzung ist, dass das Dokument „irgendwo zentral“ gespeichert ist und alle darauf Zugriff haben.

In einem ersten Schritt haben wir  Etherpad genutzt. Etherpad ist ein einfacher Texteditor. Wer sich das mal anschauen möchte, hier ein vom Medienpädagogik-Praxisblog bereitgestelltes „Pad“. Beispielhaft habe ich hier eines zum Artike erstellt.

Vorteil: Es ist schnell eingerichtet, einfach zu bedienen und es können viele Personen zeitgleich schreiben, wobei alle alles sofort sehen. Eine Software muss nicht installiert werden, Etherpad läuft auf allen gängigen Browsern. Links können einfach eingefügt werden. Ein weiterer Vorteil ist ein eingebauter Chat, so dass sich schon während des Schreibens schriftlich ausgetauscht werden kann. Hinzu kommt eine Versionsübersicht, die Veränderungen protokolliert, hier könnt ihr euch das einmal beispielhaft ansehen (rechts oben ist der Abspielpfeil). Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass es sich auch selber hosten lässt, die Daten also auf dem eigenen Server liegen.

Nachteil: Es ist kein geschütztes Dokument, jede Person, die die Adresse kennt (oder einfach mal ausprobiert), hat Zugriff. Ein weiterer Nachteil ist die Identifikation der Autor*innen. Wer hat was geschrieben? Es gibt eine Farbmarkierung, die dabei helfen soll, die unterschiedlichen Personen zu kennzeichnen. Diese kann frei gewählt werden. Leider ist möglicherweise die Farbe jedoch beim zweiten Aufruf schon wieder eine andere. Also in meinen Augen nicht wirklich tauglich, wenn unterschieden werden soll. Der dritte Nachteil ist, dass, wenn Mensch das Pad nicht selber betreibt, es auch schnell weg sein kann. Es gibt nämlich keine Speicherfunktion, die das Dokument dauerhaft speichert. So sind schon eine ganze Reihe „meiner Pads“ verschwunden.

Google Docs ist ein Bestandteil der Google-Welt und damit in der Welt der Datenkraake angesiedelt. Es ist ein mächtiges Textverarbeitungswerkzeug mit den gebräuchlichsten Formatierungsmöglichkeiten.

Vorteil: Viele Formatierungsmöglichkeiten für das mit einem Rechtemanagement ausgestattete Dokument, das in allen gängigen Browsern genutzt werden kann. Die Installation einer Software ist nicht nötig. Der Zugriff auf das Dokument kann feinjustiert werden. So können einzelnen Personen (besser Mailadressen!) oder allen, die den Link haben, Erlaubnisse erteilt werden: ansehen, kommentieren, verändern. Es kann aber auch für alle  freigegeben werden, mit den gleichen drei Optionen. Es können auch Rechte zur Rechtevergabe eingestellt werden. So kann ausgeschlossen werden, dass weder Zugriffsrechte noch der berechtigte Personenkreis verändert werden dürfen. Es kann eingestellt werden, dass der Text nicht kopiert, heruntergeladen oder gedruckt werden darf, wobei das aus meiner Sicht nur kosmetischer Natur ist. Die Möglichkeiten des Programmes können durch Add-Ons noch wesentlich erweitzert werden.

Nachteil: Die Erstellung eines Dokuments ist nur mit einem Google-Konto möglich. Hierzu muss die Person eingeloggt sein, was für die Datenkraake informationstechnisch von Interesse ist, da eine direkte personelle Verknüpfung von Daten erfolgt. In der frei verfügbaren(kostenfreien)  Version wohl nicht konform zur Datenschutzgrundverordnung, da kein Vertrag zur Auftragsdatenverarbeitung geschlossen werden kann. Dies ist wohl nur mit der kostenpflichtigen Version G-Suite möglich. Näheres beschreibt Google hier.

Für alle Liebhaber*innen von Microsoft Word gibt es neuerdings (Heise-Artikel) auch eine kostenfreie Lösung: Microsoft Teams. Dabei handelt es sich um eine online Kollaborationsplattform, die eine ganze Reihe von Möglichkeiten beinhaltet, unter anderem ist auch Word integriert.

Vorteil: Microsoft Word in der Onlineversion unterscheidet sich nur unwesentlich vom bekannten Word. Die online erstellten Dateien werden in der Cloud gespeichert und stehen so in der aktuellen Version allen Teammitgliedern zur Verfügung. Dieser Vorteil wird durch einen Nachteil allerdings eingeholt. Die Benutzerverwaltung und die Unterstützung von Browsern ist nicht optimal gelöst. Wobei ich schon beim Nachteil bin. Laut Aussage von Microsoft ist Teams als Bestandteil der 365 Office Version sowie die MS-Cloud DSGVO konform.

Nachteil: Microsoft Teams gibt es in unterschiedlichen Versionen. Da ist die Browserversion, die bei verschiedenen Selbstversuchen nicht mit allen gängigen Browsern funktioniert hat. Am stabilsten hat sich der Microsoft Edge Browser gezeigt, was ja irgendwie zu erwarten war. Neben der Browserversion gibt es noch eine App-Version für den Windows-PC und eine für mobile Endgeräte. Auch hier zeigen sich Schwächen. Auf meinem Arbeits-Laptop mit Windows 7 funktioniert die App nicht, auf meinem Privat-PC mit Windows 10 hingegen wunderbar. Einen weiteren, mir bisher unerklärlichen Schwachpunkt, hat das Programm in der App- sowie der Browserversion. Nutzer*innen können zu einem Team hinzugefügt und mit Rechten ausgestattet werden. Dabei zeigte sich in verschiedenen Versuchen, dass nicht alle Personen über ihre Mailadresse gleichberechtigt eingeladen werden können. Mailadressen von bestimmte Domains können nur eine Einladung als Gast mit wenigen Rechten erhalten, Mails mit anderen Domains können als Gast oder Benutzer eingeladen werden.

Fazit: Je nach Zweck kommen unterschiedliche Lösungen zum Einsatz. Wenn ich eine Besprechung protokolliere, die keine personenbezogenden Daten beinhaltet, so kann ich/ können mehrere Pesonen zum Etherpad greifen. Datenschutzgründe hindern mich, Google Docs in der kostenfreien Version anzuwenden, wenn personenbezogene Daten gespeichert werden.

Ich muss gestehen, das ich als Nicht-Microsoft-Freund schon angetan bin von den Möglichkeiten, die Teams bietet. Ich werde mich da aber noch schlauer machen müssen und in der nächsten Folge, in der ich mich intensiver mit MS-Teams im Vergleich zur Kollaborationsplattform Slack befassen werde, berichten.

Bis dahin alles Gute!

 

Beitragsbild: Pixabay CC0 https://pixabay.com/de/verbinden-verbindung-zusammenarbeit-20333/

 

Wer bewahren will, der muss gestalten.

So lautet ein Satz aus einem Impulstext „Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive„, den der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU e.V.) in Deutschlad e.V. kürzlich veröffentlicht hat. Dieser Arbeitskreis ist ein von ehrenamtlichem Engagement getragenes Netzwerk protestantischer Unternehmer, Manager und Führungskräfte, die ethische Orientierung und fachlichen Austausch suchen, um sich in ihrem unternehmerischen Entscheiden und Handeln zu bestärken. Sie beteiligen sich an der kirchlichen Meinungsbildung zu wirtschafts- und sozialethischen Fragen, um Kirche und Soziale Marktwirtschaft verantwortlich mitzugestalten und bringen ihre Perspektive auch in die gesellschaftliche Diskussion ein. So wie beispielsweise mit diesem Papier.

Darin wird die Digitalisierung als ein Prozess beschrieben, der aucheinen ethischen und ordnungspolitischen Diskurs benötigt. Wie wollen wir leben, was wollen wir zulassen, was nicht? Wie können wir das ordnen?

Diese Fragen stellen sicherlich zentralen Fragen unserer Zeit dar, nicht nur was die Digitalisierung angeht. Sie sind weder neu, noch besonders prickelnd. Aber wichtig. Der Hinweis darauf, dass die Evangelische Kirche den Diskurs nicht verschlafen darf (wie bei der Industriealisierung!), deutet auf die Zielrichtung hin. Evangelische Kirche, so schreit es aus dem Papier, beschäftigt euch damit! Schnell. Endlich. Ihr Schlafmützen.

Was sind die Leitplanken für die Diskussion? Chancen nutzen, Risiken minimieren. Auch gut, auch schon oft gesagt. Die Gestaltungsmöglichkeiten nutzen. Da bin ich auch dafür. Zwei der Leitplanken scheinen mir zentral zu sein. Einmal der Schutz für diejenigen, die durch die Digitalisierung negativ betroffen sind. Hinzu kommt der Maßstab, das die Digitalisierung der gesamten Menschheit dienlich sein muss. Das teile ich alles. Interessant wird es ja bei der Frage, was ihr dienlich ist. Geburtenkontrolle bei pränataler Diagnostik, die von einem Algorithmus gelenkt wird? Dienlich oder nicht? Oder wirkt hier schon der „Digitalisierungsopferschutz“?

Eines, und da finde ich das Papier klasse und hilfreich, ist folgende Aussage: „Vor jeder Gestaltung steht das Begreifen dessen, was ist.“ Der AEU möchte mit seinem Papier den Funktionsträgern der Evangelischen Kirche wirtschaftliche Zusammenhänge zugänglich machen und eine Beschreibung des Ist-Zustandes liefern. Da bin ich gespannt.

1. Punkt: Herausforderungen für die Wirtschaft. Die Macht- und Kapitalkonzentration bei einigen wenigen Unternehmen, nach den vier Großen Google, Amazon, Facebook und Apple auch GAFA-Ökonomie genannt, ist bedenklich. Die schleichende Monopolisierung bzw. Oligopolisierung widerspricht grundsätzlich der Idee des freien Wettbewerbes in der Sozialen Marktwirtschaft. Wichtig sei nun, die zweite Welle der Digitalisierung nicht zu verschlafen, nämlich die Digitalisierung der Industrie. Im Text ist dies mit horizontaler und vertikaler Vernetzung von industriellen Prozessen umschrieben. Es geht um die Fähigkeit, riesige Datenmengen zu analysieren und zu verarbeiten. An dieser Stelle weist der Text in eine Richtung, die beschreibt, dass die Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft als entscheidenden Produktionsfaktor schwinden wird, aber auch „sinnvolle und erfüllende Beschäftigung für den Menschen bestehen und neu entstehen werden, insbesondere in der Mensch-zu-Mensch-Interaktion, wie zum Beispiel im diakonischen Bereich, der durch den demografischen Wandel immer weiter an Bedeutung gewinnen wird.“

An dieser Stelle finde ich den Hinweis doch sehr schwach. Eine Verlagerung von menschlicher Arbeitskraft in den (i.d.R. schlecht bezahlten) diakonischen Bereich kann nicht die Zukunft sein. Zumindest wenn es neben Sinn und Erfüllung auch noch darum geht, eine Familie in einem bezahlbaren Wohnumfeld zu ernähren.

Ein zweiter Punkt ist mir noch wichtig.  Den Wandel hin zu einer zunehmenden Relevanz von Daten und deren Vverarbeitung mittels Algorithmen sehe ich auch. Dass Algortihmen von Menschen gemacht weden und so  Rahmenbedingungen unterliegen, da kann ich auch gut mitgehen. Was dann aber folgt ist eine Konstruktion, mit der ich so meine Probleme habe. Die nächsten beiden Sätze möchte ich hier zitieren.

„Eine Diskussion über den digitalen Wandel, die ausschließlich die Lage, Wünsche, Befindlichkeiten und Perspektiven der deutschen Gesellschaft zum Kern hat, läuft entsprechend an den Treibern der Digitalisierung vorbei und somit ins Leere. Vielmehr gilt es, zumindest eine asiatische und eine nordamerikanische Perspektive in den Diskurs einzubinden und die dortigen religiösen Voraussetzungen miteinzubeziehen, da die sozialen Prozessstrukturen, die sich durch die Digitalisierung verändern, erheblich von den individuellen Denkmustern der Programmierer und Softwareentwickler beeinflusst sind, die qua Herkunft religiös und ethisch nicht christlich geprägt sind.“

Eine Diskussion über den digitalen Wandel muss natürlich mehr sein als eine Diskussion über die deutsche Gesellschaft. Hier geht es um einnen globalen Prozess, der weltweite Wirkungsmacht entfaltet. Dennoch gibt es auch eine deutsche Perspektive, nämlich die eingangs aufgeworfene Frage, wie wir hier leben wollen, welche Regelungen bei uns gelten sollen. Es geht also um beides. Um die große weite  Welt und um unseren kleinräumige Sozialraum. Nationale und hoffentlich europäische Regelungen, die entspechende Rahmenbedingungen festlegen, die sich durchaus von asiatischen oder nordamerikanischen Regelungen unterscheiden dürfen, werden benötigt. Eine Weltregierung gibt es nicht. Noch befremdlicher aber ist der zweite Satz des zitierten Abschnittes. Es geht hier um die „individuellen Denkmuster der Programmierer und Softwareentwickler“ die, so der Text, die „qua Herkunft“ nicht christlich geprägt sind. Da ist für mich eine rote Linie überschritten, da hier möglicherweise nicht nur eine Bildung von Stereotypen möglich ist (was unterscheidet einen christlich geprägten Softwareentwickler aus Deutschland von einem Softwarentwickler aus Asien?), sondern auch schon mit einer Wertung einhergeht. Die Herkunft. Wir hier, die mit (guten) christlich geprägten und die Nordamerikaner oder die Asiaten, die mit nicht christlich geprägten Programmierern und Softwareentwickler arbeiten.

An dieser Stelle möchte ich die Kommentierung beenden, da noch viel zu sagen wäre und mein Text aus meiner Überzeugung heraus zu lang für einen Blogbeitrag wäre.

Es gibt noch weitere, sehr interessante Punkte in dem Papier, das es nicht nur lesenswert macht, sondern auch eine kritische kirchliche wie nichtkirchliche Öffentlichkeit interessieren dürfte.

In diesem Sinne…

Bildhinweis: Von der Homepage des AEU e.V. „geliehen“