Jugendarbeit im digitalen Wandel – Zur Diskussion gestellt

Mit dem Aufruf zur Blogparade der merz | medien und erziehung ist dieser Beitrag jetzt der erste von folgenden Gastbeiträgen bei Gedankenflimmern, wie aufregend! 🙂

Die Blogparade richtet sich an Menschen, die sich mit dem Thema „Jugendarbeit im digitalen Wandel“ beschäftigen, als Unterstützung gibt es von Niels Brüggen und Klaus Lutz einen kleinen Fragenkatalog an dem sich die Autor*innen orientieren können (weitere Infos auf dem Medienpädagogik Praxis-Blog).

Los geht es mit der Frage, warum sich Jugendarbeit mit digitalen Medien auseinandersetzen setzen sollte?
Warum nicht? Digitale Medien sind Teil der Lebenswelt junger Menschen und das auch schon seit langem. In der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (mpfs) wurde 1998 erhoben, dass 9% der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren das Internet mindestens einmal pro Woche nutzen. Mittlerweile beschäftigen sich 96% dieser Zielgruppe in ihrer Freizeit mehrmals pro Woche im Internet (JIM-Studie 2016). Aufgrund dessen ergibt sich für mich daraus ein Auftrag für die Kinder- und Jugendarbeit sich mit dem Thema unbedingt auseinander zu setzen. Dies ist Teil der Medienpädagogik, in der Heranwachsende auf ihrem Entwicklungsweg zu einem bewussten, reflektierten Umgang mit digitalen Medien begleitet werden.

Wie kann nun die Medienpädagogik zur positiven Gestaltung des „digitalen Wandels“ beitragen?
In dem sie dazu ermutigt, am Thema zu arbeiten, zu forschen, auszuprobieren, Fehler zu machen, daraus zu lernen und Erfahrungen zu sammeln und zu reflektieren. Weiter, in dem sie sichtbar macht, dass es viele Möglichkeiten gibt, die sich sehr gut eignen um digitale Medien in der Kinder- und Jugendarbeit anzuwenden. Also eine Vielzahl an Programmen, Tools oder ähnlichem, die ein Vehikel für Inhalte wie Persönlichkeitsentwicklung, politische Bildung und den vielen weiteren Themen aus dem Arbeitsfeld darstellen.
Darüber wünsche ich mir, dass die Medienpädagogik mit ihrer Expertise stärker auf den politischen Bereich einwirkt und von dieser Seite am „digitalen Wandel“ mitwirkt.

Was sollte im Zuge der sogenannten Digitalisierung nicht passieren?
Wichtig wäre mir, dass die Medienpädagogik/ Medienbildung nicht auf bestimmte Hard- oder Software reduziert wird, sondern der Umgang mit und innerhalb digitaler Medien im Vordergrund liegt. Natürlich macht es Spaß neue Gadgets oder Netzwerke auszuprobieren, der Schritt der dabei für mich wichtig ist, ist die Umgangsform mit und Haltung zu digitalen Medien. Ganz deutlich wird das zum Beispiel bei den sog. sozialen Netzwerken. Eine riesige Stärke derer, sind die recht niedrigen Zugangshürden. Das Bewusstsein darüber zu schaffen, welche Interessen dahinter stehen könnten und was dies im Zusammenhang mit dem Recht an persönlichen Daten bedeuten kann, ist als Aufgabe der Medienbildung gerade in der Kinder- und Jugendarbeit zu verstehen. Neben einer uneingeschränkten Begeisterung für digitale Medien halte ich ebenfalls die Verteufelung von oder Abschottung zu digitalen Medien für nicht geeignet. Ich wünsche mir also, einen bewussten und positiven Umgang in diesem Prozess.

Wie soll mit dem Dilemma umgegangen werden, dass wir für unsere Arbeit kommerzielle Produkte nutzen, die Jugendlichen nicht ermöglichen, ihre privaten Daten ausreichend zu schützen?
Die Herausforderung liegt für mich darin, passende Wege für die pädagogische Arbeit zu finden. Kommerzielle Dienste die keinen ausreichenden Schutz für private Daten bieten werden ebenfalls von Jugendlichen genutzt, genau aus dem Grund sehe ich darin eine weitere Aufgabe der Medienpädagogik, Heranwachsende darin zu begleiten, die Bedeutung dessen wahrzunehmen und Umgangsmöglichkeiten zu entwickeln. Darauf aufbauend finde ich es wichtig auch Produkte zu nutzen, die den Datenschutz erlauben, um so Handlungsalternativen vorschlagen zu können. Spätestens an diesem Thema wünsche ich mir, dass die Medienpädagogik ihren Fokus auf die politische Jugendbildung und die Politik verstärkt. So könnte diesem Dilemma neben der konkreten Handlungsebene auf einer gesellschaftspolitische Ebene entgegengewirkt werden.

Sind medienfreie Angebote für Jugendliche in einer von Medien dominierten Welt notwendig?
Kurz gesagt: Ja!
Etwas weiter ausgeholt: Grundsätzlich geht es für mich darum eine Haltung im Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln. Deswegen die Frage: Warum überall digitale Medien einsetzen? Es gibt viele analoge Möglichkeiten die Spaß machen und Erlebnisse generieren, genauso wie es viele digitale Möglichkeiten gibt, die Freude bereiten und Lernerfahrungen liefern. Im Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen ist für mich wichtig, dass sie ganzheitlich wachsen können. Also von allem etwas bekommen.

Als letzte Frage der Bezug zum Berufsfeld: Wie sieht der Arbeitsalltag in der Jugendarbeit in fünf Jahren aus?
Wahrscheinlich gar nicht stark verändert. Bestimmt wird es neue Tools und Technik geben, jedoch ändert sich vermutlich (oder hoffentlich?) nichts im Grundauftrag junge Menschen im Heranwachsen zu begleiten.

Damit endet mein erster Gastbeitrag auf Gedankenflimmern.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich über Kommentare!

Annika Gramoll

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