Ein Blick nach China

Am Montag landete ich nach 10 Tagen Peking wieder in Frankfurt, vollgepackt mit Eindrücken, die natürlich nicht einen Eindruck von China widerspiegeln können, da ich mich ausschließlich in Peking aufhielt. Daher nur ein Blick in den  „Mittelpunkt des Reichs der Mitte“. Mein medial vermitteltes Bild von Peking war geprägt von den Bildern der Luftverschmutzung und der historischen Anlagen. Den Platz des himmlichen Friedens nicht vergessen, der in politischen Auseinandersetzungen immer wieder eine Rolle spielte.

Eines vorweg: Die Luft ist wirklich nicht die Beste, am manchen Tagen ist die Belastung mit Feinstaub der Kategorie 2,5 so hoch, dass ich ein 100 Meter entferntes Gebäude nicht mehr deutlich sehen konnte. Aber, auch das gehört dazu, an manchen Tagen war die Luft so klar und ohne nennenswerte Feinstaubbelastung, dass ich kilometerweit klar sehen konnte. Die Hauptursache scheint die Luftbelastung durch die Industrieanlagen und Kraftwerke zu sein, denn es gibt deutliche Unterschiede, je nach Windrichtung. Im Süden von Peking liegen viele dieser Anlagen, nördlich hingegen nur wenige. Dementsprecend war die Belastung bei Südwind besonders hoch. Die Werte innerhalb der 10 Tage lagen in Peking so zwischen 54 und knapp über 300 µg/m³. In Europa gilt ab dem Jahr 2008 der Zielwert von 25  µg/m³ im Jahresmittel. Für das Jahr 2020 ist ein vorläufiger Zielwert von 20 µg/m³ als Jahresmittelwert vorgesehen. In Hessen sind aktuelle Werte hier aufgeführt.  Wen das Thema näher interessiert, Infos gibt es beim Bundesumweltamt. Insgesamt, so meine subjektive Wahrnehmung, tragen nicht sehr viele Leute eine Schutzmaske, ich schätze den Anteil auf <5%. (Das Bild zeigt ein Vergleich an unterschiedlichen Tagen bei ungefähr gleicher Entfernung und unterschiedlicher Blickrichtung).

Das zweite auffällige war die öffentliche Nutzung von Smartphones! In der U-Bahn ist die Nutzung sicherlich bei  über 90%. Fast alle schauen Filme, chatten über Messengerdienste, lesen Nachrichten oder schauen und versenden Fotos. Also fast so wie bei uns, nur eben noch extremer. Die Selfiekultur ist in China auch sehr ausgeprägt, und das nicht nur bei den jungen Leuten, um das mal anzumerken! Übrigens: Wer hier in Deutschland immer mal über Smartphone-Zombies ablästert, der sollte wirklich mal einen Blick nach Peking werfen, da macht das eher einen Sinn, obwohl ich auch dort niemanden gegen eine Laterne, Auto oder Menschen habe laufen sehen. Einmal, aber wirklich nur einmal, habe ich ausweichen müssen. Wenn hier also von Smombies gesprochen wird, dann ist das in meinen Augen eine mediale Inszenierung! Roberto Simanowski hat in der Neuen Züricher Zeitung über seine Überlegungen einen lesenswerten Artikel geschrieben. Er wirft interessante Fragen auf:

„Die «Smombies», so die Kurzform für die «Smartphone-Zombies», sind nicht Untote, die zurückkamen, sondern Abwesende, die ihre Körper zurückliessen. Ist es dies, was uns ärgert (falls es uns ärgert), wenn wir ringsum Menschen in ihre Geräte versunken sehen? Sind wir enttäuscht, dass sie sich so radikal einer Begegnung mit uns entziehen? Hofften wir wirklich auf Gesprächspartner? Oder verstimmt uns nur, mit welcher Frechheit erwartet wird, dass wir aus dem Weg gehen?“

Die Nutzung der Smartphones als digitale Geldbörse „mobile Wallet“ genannt, ist in Peking häufig anzutreffen. Dabei gibt es verschiedene Systeme, die – so meine begrenzten Recherchen – von verschiedenen Unternehmen angeboten werden, aber nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Die Kundin/ der Kunde erfährt den Zahlbetrag, gibt ihn in eine App ein und drückt, nachdem sie/er einen QR-Code des Geschäftes gescannt hat, auf „Senden“. Fertig. Die Sendebestätigung erscheint auf dem Smartphone. Zeigen. Fertig. Oder die Zahlung wird durch ein Lesegerät erfasst. Das funktioniert im Fastfoodschuppen, beim Bäcker, beim „Tante Emma“ Laden und anderswo.

Die häufigste Nutzung des Smartphones als Dienstvermittler ist mir aber beim Fahradverleih begegnet. Überall in Peking stehen Mietfahrräder. Diese sind (bis auf einen Anbieter) nicht an Stationen gebunden, sondern stehen wirklich nur einfach rum. Dort wo die letzte Person das Rad stehen ließ. Smartphone-App starten, den QR Code scannen, bestätigen und los geht es. Nach der Benutzung einfach stehen lassen, erneut scannen – fertig. Die Dauer Nutzung wird registriert und abgerechnet.    „Bike-Sharing on-demand“ wird das in der Fachsprache genannt.Die größten Anbieter sind nach meinen Beobachtungen Ofo und Mobike. Das bestätigt sich auch durch einen Artikel der New York Times. Eine Nutzungsstunde kostet, wenn mir die chinesischen Schriftzeichen richtig übersetzt wurden (wovon ich überzeugt bin!), umgerechnet ungefährt 0,1 Euro, also 10 Cent. Im Sinne einer zukunftstauglichen  Mobilitätsstrategie für Städte ein ernstzunehmendes Angebot, für dessen Verwirklichung die Möglichkeiten der Digitalisierung hervorragend genutzt weden können. Zu beobachten sind auch, ganz anders als bei uns, viele eBikes, eMofas, eMotorroller und eKlein-PKW’s. Benzinkutschen auf zwei Rädern habe ich in Peking selten gesehen. Wie ich finde auch für unsere Städte eine wünschenswerte Alternative zum Verbrennungsmotor, wenn der Strom aus nachhaltiger Produktion stammt.

Ich würde es mir wünschen!