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Süßigkeitenalgorithmen

Auf Spiegel Online wurde am Sonntag eine lesenswerter Meinungsbeitrag von Prof. Christian Stöcker veröffentlicht, der einen genaueren Blick auf den Algorithmus von YouTube zum Inhalt hat. Genauer: Was der Algorithmus  mit uns macht.

Der Hintergrund
Schaut sich jemand ein Youtubevideo an, tauchen auf der Seite neben Werbung auch weitere Videos auf, die – falls Mensch das nicht abstellt – auch automatisch abgespielt werden. Der Kolumnist vergleicht das mit einer Kindheitserinnerung. Er und ein Freund in einem Süßigkeitslager. Sie aßen, bis ihnen schlecht wurde. So funktioniert auch Youtube. Es verleitet zum weiterschauen. Er schreibt:

„Plattformen wie YouTube oder Facebook sind wie skrupellose Nannys, die uns ein Gummibärchen nach dem anderen reichen, ein mundgerechtes Häppchen nach dem anderen servieren. Ihr Ziel ist nicht, dass wir gesünder, fitter, kräftiger werden – sondern dass wir nicht aufhören zu essen. Und darin werden sie immer besser, denn sie lernen.“

Der Algorithmus registiert und verarbeitet dann, was Mensch sich anschaut. Und liefert nach. So passiert folgendes: „Die Wechselwirkung algorithmisch optimierter „Iss weiter!“-Plattformen mit unseren ungesunden Medienvorlieben bringt im Zweifel unsere schlimmsten Abgründe zum Vorschein.“

Ziel von Youtube ist es, uns so lange wie möglich auf der Plattform zu binden. Das ist das Geschäftsmodell. Wir sind nicht die Kunden. Die Kunden sind die Werbetreibenden. Wir sollen nur schauen. Und neues Stoff liefern, damit neugierige Augen sekündlich neue Angebote bekommen. Schauen bis zum Erbrechen.
Die Wechselwirkung zwischen den Sehinteressen der Zuschauer*innen und dem diese verstärkenden Algorithmen führt unweigerlich einer ungesunden Nutzung des Mediums. „Die digitalen Medienkonsum-Nannys der großen Plattformbetreiber füttern uns mit dem, was wir augenscheinlich wollen – und führen uns so die Abgründe der Menschheit vor Augen. Gesund ist das nicht.“

Soweit der Hintergrund.
In mir hat das ebenfalls eine Kindheitserinnerung wachgerufen. Allerdings eine mit meinem Sohn. Süßigkeiten! Lecker lecker…mehr. Unsere typische Elternreaktion: Wegschließen. Feinstens rationieren. Ergebnis: Lecker lecker…mehr. Verweigerung, so eine unserer Erkenntnisse, hat zu keinem kompetenteren Umgang geführt. Also füllten wir ein Einmachglas bis oben mit Süßigkeiten und stellten es hin. Ruckzuck war es leer. Doch nicht auf Dauer. Süßigkeiten verloren ihren besonderen Stellenwert und wurden so in einem – wie ich heute, 30 Jahre später sagen kann – gesunden Maß ins Leben integiert. So beobachte ich es auch in der Nutzung von Medien. Youtube ist in einer bestimmten Altersphase interessant, kann sogar den Alltag neben der Schule bestimmen. Manchmal auch in einer Art und Weise, die sich negativ auf die Schulnoten auswirkt. Wenn die Wahl besteht zwischen „für die Schule lernen oder Youtube schauen“, dann fällt die Wahl manchen Menschen nicht schwer.

Verstärkt wird die Hinwendung durch die Reaktion der Erwachsenenwelt. Äuserungen wir „Du und dein sch*** Computer“, „Du verschwendest deine Zeit“ fördern den Heißhunger aus zwei Quellen. Endlich mal etwas, mit dem ein junger Mensch sich von der Erwachsenenwelt abgrenzen kann („früher waren das Klamotten, Haare und Musik. Das funktioniert heute nicht mehr.“) und zweitens werden hier peergruppenmäßig Identifikationsflächen geboten. Nicht umsonst sind Musikvideos das am meisten betrachtete Format.

Laut der aktuellen JIM-Studie nutzen 73% der Jungs und 53% der Mädels die „Videofutterquelle Youtube“ täglich. Schaut Mensch sich das in den Altersgruppen an, so machen die Zahlen sichtbar, dass das Alter es ein Faktor ist. 60% der 12-13 jährigen, 71% der 14-15 jährigen, 64% 16-17 jährigen und 58% der 18-19 jährigen nutzen Youtube täglich. (JIM 2017, S.43)

Die statistischen Daten, Berichte von Kolleg*innen und meine persönlichen Erfahrungen aus Veranstaltungen mit Jugendlichen bestätigen zweierlei: Das klassische Fernsehen verliert als Unterhaltungsmedium an Bedeutung und  Youtube ist für Jugendliche heute ein normales Unterhaltungsmedium, das allerdings mit zunehmendem Alter an Bedeutung verliert. Oder, wie es Jan Karres, der einmal selber Teil der Youtube-Videoproduzenten-Szene war (Link zu seinem Youtubekanal SoBehindert), gestern in einem tollen Beitrag über sein neues Projekt sinngemäß formulierte: Irgendwann hat Mensch nicht mehr die Zeit. Eben eine Frage der Prioritäten. Und die setzt nicht Youtube, sondern das ist ein Prozess, der bei den meisten Menschen in einen „normalen Medientag“ führt. Gesund dürfte auch der nicht sein.

Ich frage mich als pädagogischer Soziologe ja auch immer, welchen Beitrag wir – die Erwachsenenwelt – leisten können, damit Lernprozesse unterstützt werden. Dazu zählt auch die Mediennutzung. Unterstützen wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene bei diesen Lernprozessen, in dem wir auf unterschiedlichen Ebenen Beiträge leisten. Als Kirche Räume schaffen, wo wir das thematisieren können, ohne den erwachsenen Zeigefinger zu heben, denn wir sind nicht besser! Thematisieren wir altersgemäß Algorithmen, Medienwirkung und Mechanismen der Werbung. Dann werden wir auch resistenter gegen Süßigkeiten. Denn wir sind keine Organismen, die nach einem einfachen Reiz-Reaktionsschema reagieren. Wir sind lernfähig.

In diesem Sinne…

Bildquelle: Pixabay

Wer bewahren will, der muss gestalten.

So lautet ein Satz aus einem Impulstext „Die digitale Revolution gestalten – eine evangelische Perspektive„, den der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU e.V.) in Deutschlad e.V. kürzlich veröffentlicht hat. Dieser Arbeitskreis ist ein von ehrenamtlichem Engagement getragenes Netzwerk protestantischer Unternehmer, Manager und Führungskräfte, die ethische Orientierung und fachlichen Austausch suchen, um sich in ihrem unternehmerischen Entscheiden und Handeln zu bestärken. Sie beteiligen sich an der kirchlichen Meinungsbildung zu wirtschafts- und sozialethischen Fragen, um Kirche und Soziale Marktwirtschaft verantwortlich mitzugestalten und bringen ihre Perspektive auch in die gesellschaftliche Diskussion ein. So wie beispielsweise mit diesem Papier.

Darin wird die Digitalisierung als ein Prozess beschrieben, der aucheinen ethischen und ordnungspolitischen Diskurs benötigt. Wie wollen wir leben, was wollen wir zulassen, was nicht? Wie können wir das ordnen?

Diese Fragen stellen sicherlich zentralen Fragen unserer Zeit dar, nicht nur was die Digitalisierung angeht. Sie sind weder neu, noch besonders prickelnd. Aber wichtig. Der Hinweis darauf, dass die Evangelische Kirche den Diskurs nicht verschlafen darf (wie bei der Industriealisierung!), deutet auf die Zielrichtung hin. Evangelische Kirche, so schreit es aus dem Papier, beschäftigt euch damit! Schnell. Endlich. Ihr Schlafmützen.

Was sind die Leitplanken für die Diskussion? Chancen nutzen, Risiken minimieren. Auch gut, auch schon oft gesagt. Die Gestaltungsmöglichkeiten nutzen. Da bin ich auch dafür. Zwei der Leitplanken scheinen mir zentral zu sein. Einmal der Schutz für diejenigen, die durch die Digitalisierung negativ betroffen sind. Hinzu kommt der Maßstab, das die Digitalisierung der gesamten Menschheit dienlich sein muss. Das teile ich alles. Interessant wird es ja bei der Frage, was ihr dienlich ist. Geburtenkontrolle bei pränataler Diagnostik, die von einem Algorithmus gelenkt wird? Dienlich oder nicht? Oder wirkt hier schon der „Digitalisierungsopferschutz“?

Eines, und da finde ich das Papier klasse und hilfreich, ist folgende Aussage: „Vor jeder Gestaltung steht das Begreifen dessen, was ist.“ Der AEU möchte mit seinem Papier den Funktionsträgern der Evangelischen Kirche wirtschaftliche Zusammenhänge zugänglich machen und eine Beschreibung des Ist-Zustandes liefern. Da bin ich gespannt.

1. Punkt: Herausforderungen für die Wirtschaft. Die Macht- und Kapitalkonzentration bei einigen wenigen Unternehmen, nach den vier Großen Google, Amazon, Facebook und Apple auch GAFA-Ökonomie genannt, ist bedenklich. Die schleichende Monopolisierung bzw. Oligopolisierung widerspricht grundsätzlich der Idee des freien Wettbewerbes in der Sozialen Marktwirtschaft. Wichtig sei nun, die zweite Welle der Digitalisierung nicht zu verschlafen, nämlich die Digitalisierung der Industrie. Im Text ist dies mit horizontaler und vertikaler Vernetzung von industriellen Prozessen umschrieben. Es geht um die Fähigkeit, riesige Datenmengen zu analysieren und zu verarbeiten. An dieser Stelle weist der Text in eine Richtung, die beschreibt, dass die Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft als entscheidenden Produktionsfaktor schwinden wird, aber auch „sinnvolle und erfüllende Beschäftigung für den Menschen bestehen und neu entstehen werden, insbesondere in der Mensch-zu-Mensch-Interaktion, wie zum Beispiel im diakonischen Bereich, der durch den demografischen Wandel immer weiter an Bedeutung gewinnen wird.“

An dieser Stelle finde ich den Hinweis doch sehr schwach. Eine Verlagerung von menschlicher Arbeitskraft in den (i.d.R. schlecht bezahlten) diakonischen Bereich kann nicht die Zukunft sein. Zumindest wenn es neben Sinn und Erfüllung auch noch darum geht, eine Familie in einem bezahlbaren Wohnumfeld zu ernähren.

Ein zweiter Punkt ist mir noch wichtig.  Den Wandel hin zu einer zunehmenden Relevanz von Daten und deren Vverarbeitung mittels Algorithmen sehe ich auch. Dass Algortihmen von Menschen gemacht weden und so  Rahmenbedingungen unterliegen, da kann ich auch gut mitgehen. Was dann aber folgt ist eine Konstruktion, mit der ich so meine Probleme habe. Die nächsten beiden Sätze möchte ich hier zitieren.

„Eine Diskussion über den digitalen Wandel, die ausschließlich die Lage, Wünsche, Befindlichkeiten und Perspektiven der deutschen Gesellschaft zum Kern hat, läuft entsprechend an den Treibern der Digitalisierung vorbei und somit ins Leere. Vielmehr gilt es, zumindest eine asiatische und eine nordamerikanische Perspektive in den Diskurs einzubinden und die dortigen religiösen Voraussetzungen miteinzubeziehen, da die sozialen Prozessstrukturen, die sich durch die Digitalisierung verändern, erheblich von den individuellen Denkmustern der Programmierer und Softwareentwickler beeinflusst sind, die qua Herkunft religiös und ethisch nicht christlich geprägt sind.“

Eine Diskussion über den digitalen Wandel muss natürlich mehr sein als eine Diskussion über die deutsche Gesellschaft. Hier geht es um einnen globalen Prozess, der weltweite Wirkungsmacht entfaltet. Dennoch gibt es auch eine deutsche Perspektive, nämlich die eingangs aufgeworfene Frage, wie wir hier leben wollen, welche Regelungen bei uns gelten sollen. Es geht also um beides. Um die große weite  Welt und um unseren kleinräumige Sozialraum. Nationale und hoffentlich europäische Regelungen, die entspechende Rahmenbedingungen festlegen, die sich durchaus von asiatischen oder nordamerikanischen Regelungen unterscheiden dürfen, werden benötigt. Eine Weltregierung gibt es nicht. Noch befremdlicher aber ist der zweite Satz des zitierten Abschnittes. Es geht hier um die „individuellen Denkmuster der Programmierer und Softwareentwickler“ die, so der Text, die „qua Herkunft“ nicht christlich geprägt sind. Da ist für mich eine rote Linie überschritten, da hier möglicherweise nicht nur eine Bildung von Stereotypen möglich ist (was unterscheidet einen christlich geprägten Softwareentwickler aus Deutschland von einem Softwarentwickler aus Asien?), sondern auch schon mit einer Wertung einhergeht. Die Herkunft. Wir hier, die mit (guten) christlich geprägten und die Nordamerikaner oder die Asiaten, die mit nicht christlich geprägten Programmierern und Softwareentwickler arbeiten.

An dieser Stelle möchte ich die Kommentierung beenden, da noch viel zu sagen wäre und mein Text aus meiner Überzeugung heraus zu lang für einen Blogbeitrag wäre.

Es gibt noch weitere, sehr interessante Punkte in dem Papier, das es nicht nur lesenswert macht, sondern auch eine kritische kirchliche wie nichtkirchliche Öffentlichkeit interessieren dürfte.

In diesem Sinne…

Bildhinweis: Von der Homepage des AEU e.V. „geliehen“

Ein Ausblick

Nachdem 2018 nun schon ganze drei Tage alt ist und mich die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung wieder voll im Griff hat, einige Vorüberlegungen für das Jahr 2018.

Im großen Teich der Themen, mit denen ich mich in diesem Jahr beschäftigen möchte, gab es ein paar, die besonders herausragen und die ich hier benennen möchte. Verbunden mit einer Einladung an alle Interesent*innen, die sich mit auf die Suche nach Antworten machen möchten. Einfach melden: m.grunewald[ät]zgv.info

Thema Disruption
Es gibt keine allgemeingültige Definition des Begriffes, gemeinsam haben aber die verschiedenen Ansätze, dass sie einen Veränderungsprozess beschreiben, in dem eine Technologie durch eine Neue (fast bis komplett) verdrängt wird und dabei traditionelle Geschäftsmodelle zersetzen. Als Beispiele dienen Postkutsche -> Automobil, Schreibmaschine -> Computer, Kleinbildkamera -> Digitalkamera, Musik CD -> MP3. Ich möchte gerne Beispiele sammeln und eine Vorstellung entwickeln, was uns in Zukunft an Disruptionen erwartet.

Thema SmartLive
Vieles scheint smart zu werden, wir nutzen Smartphones, manche nutzen smarte Uhren, smarte Armbänder und so manches Wohnumfeld wird versmartet. Auch hier beschäftigt mich die Frage, welche Technologien unser Leben durchdringen werden. Darüber hinaus beschäftigt mich die Frage, wo die Durchdringung unser Leben besser macht (ja, das kann durchaus subjektiv sein – da gibt es kein wahr/unwahr) und wo wir zugunsten unseres Lebens Einschränkungen des technisch möglichen möchten.

Thema Algorithmen:
Algorithmen bilden den unsichtbaren Hintergrund so mancher Entscheidung. Bekomme ich einen Kredit? Wieviel wir mich der neue Kühlschrank kosten? Oder der Flug nach Berlin? Aus Gründen der Nachhaltigkeit nutze ich persönlich die Bahn, Algorithmen scheinen aber dafür herhalten zu müssen, wenn Menschen keine Verantwortung übernehmen möchten. Dabei werden sie nicht von Gott geschrieben, wie Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, der Süddeutschen Zeitung sagte. Ich möchte der Frage nachgehen, wie Algorithmen unser Leben verbessern und wo sie zum Nachteil (für wen?) eingesetzt werden. Brauchen wir einen Algorithmen-TÜV, wie unter anderem der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert?

Thema Meinungsbildung:
„Fake-News“, „Filterblasen“ sind die wohl am häufigsten genannten Begriffe, wenn es um Meinungsbildung und Digitalisierung geht. Hinzu kommt das seit drei Tagen real anwendbare Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), dass helfen soll, die öffentliche Kommunikation in den sozialen Netzwerken von offensichtlich strafbaren Inhalten „zu säubern“. Ich möchte mich näher mit der Frage beschäftigen, wie es sich mit der Meinungsbildung über das Internet tatsächlich verhält und wie eine Stärkung der kommunikativen Kompetenzen erreicht werden kann. Da ist dann auch ein Blick auf Disruptionstendenzen sinnvoll. Denn eines scheint in der Tendenz eindeutig: die klassische (gedruckte) Zeitung verliert an Bedeutung, während uns die Digitalausgabe die Artikel anders wahrnehmen lässt.

Thema Partizipation:
Die Teilhabe der Menschen an der Gestaltung der Gesellschaft ist für mich eines der höchsten Güter. Nicht die (technische) Teilhabemöglichkeit. Möglichkeiten der Teilhabe gibt es sehr viele, jedoch werden sie meiner Wahrnehmung nach nur von wenigen Menschen genutzt. Das muss kein schlechtes Zeichen sein, denn es gibt verschiedene Wege, an der Gestaltung Anteil zu nehmen. Was mich interessiert ist die Frage, wie die Teilhabe verbessert werden kann, welche technisch-sozialen Konzepte wo zu welchen Ergebnissen führt. Da fallen Stichworte wie OpenData und digitale Beteiligungsplattformen. Dazu gehören aber auch Onlinekurse, Wikis, Blogs und andere Dienste.

Thema Aufmerksamkeitsökonomie:
Viele Menschen erleben in unserer digitalisierten Welt eine „Informationsflut“, die zur Überforderung führen kann. Noch nie in der Geschichten der Menschheit stand so viel Wissen auf Abruf bereit, bekamen wir so viel Informationsangebote, die um unsere Aufmerksamkeit „kämpfen“. Gleichzeitig „kämpfen“ auch wir: Ich persönlich, meine Kirche, meine Kolleg*innen, meine Mitstreiter*innen um Aufmerksamkeit für unsere Sache. Meine Fragen knüpfen sich daran an: Wie können wir unseren „Aufmerksamkeitswert“ erhöhen? Im Moment geht gerade rum „macht Videos“. Das ist mir zu eng gedacht, es geht auch darum zu schauen, welche Formate für was geeignet erscheinen. Ein Erfahrungsaustausch wirkt hier Wunder.

Thema Digitale Souveränität:
Eines meiner Herzensthemen. Im Zeitalter von gesetzlicher Zwangsdigitalisierung, freiwilligem und unfreiwilligem Tracking, auf dem mir (fast) jede Seite im Internet entgegenschreit: „Erlaube mir Daten zu sammeln, ich tue das nur für dein Bestes!“ ist es in meinen Augen eine Notwendigkeit, sich Gedanken über den Umgang mit den eigenen Daten zu machen. Was will ich von mir aus preisgeben? Welchen Datenschnorrern kann und will ich mich widersetzen? Oft werde ich gefragt: „Wie geht das, was muss ich da tun?“ Edward Snowden hat gerade wieder die Frage nach einem sicheren Messenger angesprochen, ohne eine konkrete Empfehlung zu nennen. Denn das ist nicht so einfach. Das Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hat sich in dieser Frage 2015 engagiert. Es ist eine Studie und Handlungsempfehlungen entstanden, die deutlich machte, dass da noch viel zu tun ist. Ich möchte gerne eine aktuelle, online verfügbare Handlungsanregung erstellen, die, mit einer CC0 Lizenz versehen ist.

Ja, das sind eine Menge Themen. Bei jedem dieser Themen geht es mir auch um die individuelle und gesellschaftliche Verantwortung. Die Digitalisierung ist ein Prozess, den es zu gestalten gilt, wobei die Gestaltung nicht ökonomischen Interessen unterzuordnen ist, sondern die Frage im Zentrum steht: Wollen wir (als Gesellschaft) das?

In diesem Sinne wünsche ich ein wundervolles Neues Jahr.

 

Bild: Jahresplanung 2018 live, ZGV, Mainz

Ein Rückblick

Das Jahr nähert sich seinem Ende, Zeit auch für mich einen Blick auf die letzten 12 Monate zu werfen.

48 Beiträge, 47 von mir und einen von meiner geschätzten Kollegin Annika Gramoll. Vielen Dank dafür, Annika!

Mit den statistischen Daten ist das ja so ein Ding, wenn ich aus Gründen des Datenschutzes und der Datensparsamkeit keine großen Analysewerkzeuge einsetzte. Da mein Blog aber auf einem angemieteten Server läuft und der Dienstleister mir ein Serverprotokoll für den Blog liefert, kann ich natürlich auch einige Daten auswerten. Zusätzlich nutze ich ein WordPress Zusatzprogramm, das die Zugriffe zählt und mir ausgiebt, wie oft eine Seite direkt aufgerufen wurde. Dazu kommen noch Angaben, die einen allgemeinen Rückschluss auf die Quellen der Zugriffe erlauben. Hier ist sehr deutlich sichtbar, dass die meisten Besucher*innen über Facebook kommen. Eine wichtige Anmerkung: über die Facebook-App auf den mobilen Endgeräten. 66,8% der Aufrufe. Ich halte das für ein wichtiges Signal, zeigt es doch, dass die Aufmerksamkeitsökonomie (ein Thema für 2018!) eines einzigen Konzerns eine marktbeherrschende Rolle einzunehmen scheint. Es gibt auch Menschen, die den Block über eine sehr bekannte Suchmaschine finden, immerhin 13%. Übrigens stammen 1% der Aufrufe über einer Sonderseite bei evangelisch.de, einer  beachtenswerte Zusammenstellung zum Thema #DigitaleKirche.

Nun, 48 Beiträge sind 48 Wochen Ideenfindung, Recherche und schreiben, schreiben, schreiben. Ich muss es gestehen, der Druck, wöchentlich – am Besten Mittwochs – einen Beitrag zu veröffentlichen, ist nicht zu unterschätzen. Aber auch hier die Anmerkung: Den Druck habe ich mir selbst gemacht. Als Experiment. Neben dem „Alltagsgeschäft“ kaum zu schaffen. Erkenntnis: Kommunikative Arbeit im Netz braucht Zeit. Nicht zu wenig! (Merke: 4 Stunden/Woche im Schnitt).

Noch paar staristische Daten für 2017: Insgesammt – bis einschließlich gestern – gab es 24.418 Aufrufe. Da ich keine Artikelaufrufe zähle (merke: das sollte ich vielleicht ändern!), sondern immer 4 Artikel auf der Startseite stehen, kann ich nicht wirklich sagen, welche Artikel wie oft aufgerufen wurden. Die meisten direkten Aufrufe bekam übrigens der Artikel „Der digitalisierte Mensch, die mediale Welt und die reformatorische Freiheit„, was mich sehr freut, da mir das Thema sehr wichtig ist. Nicht weil ich der Gläubigste unter den Gläubigen bin. Der reformatorische Freiheitsbegriff schließt für mich den eigenverantwortlichen, auf die Gemeinschaft hin ausgerichteten (politischen) Menschen zentral mit ein. Wenn ich mir gesellschaftliche Entwicklungen anschaue, dann scheint es mir eher so, dass wir…ich nutze an dieser Stelle gerne einen von Goethe formulierten Gedanken:
„Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bißchen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden.“

Ja, ich mache mir Sorgen. Auch wenn der Gedanke an Freiheit aus meiner Sicht in unserer Gesellschaft irgendwie mit Konsum verbunden zu sein scheint, so gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es noch andere tragende Werte gibt, die es hochzuhalten gilt. Aber ich will heute (eigentlich!) nicht mein Gedankenflimmern mit euch teilen.

Einen letzen Einblick in statistische Daten:

Laut meinem Server-Dienstleister hatte ich im Monat November pro Tag durchschnittlich 331 Sessions (ganz vereinfacht gesagt: unterschiedliche Zugangsquellen), laut meinem WordPress Zusatzprogramm waren es 194 Sessions. Das ist halt der Unterschied, wenn Sessions von bekannten Bots rausgerechnet werden. Also ich bin sehr zufrieden, als ich mit dem Blog im Januar begann waren es bereinigt 13 Sessions pro Tag.

An dieser Stelle sei all denjenigen Menschen gedankt, die Beiträge gelesen haben. Ein besonderer Dank geht an diejenigen, die eine Rückmeldung gegeben haben. Auch das ist eine Erkenntnis: Die Rückmeldungen kommen in den seltesten Fällen auf dem Blog selber, die meisten Rückmeldungen kamen über persönliche Ansprache und eMail. Und noch eine Erkenntnis: Manchmal kommt zu einem Artikel nichts. Garnichts. Aber wie gesagt, das Schreiben der Beiträge hilft Gedanken zu formulieren und ist daher für mich persönlich ein Gewinn.

Der Blog wird sich im nächsten Jahr verändern, von wöchentlichen Beiträgen möchte ich auf monatliche Beiträge umstellen. Neu hinzukommen sollen kurze Filmbeiträge und Buchbesprechungen zum Thema. Ich bin selber gespannt, wie er sich entwickeln wird.

In diesem Sinne wünsche ich eine frohe Weihnachtszeit und eineen wunderbaren Beginn des neuen Jahres.

Bildvorlage von Pixabay