Archiv für den Monat: Mai 2017

Love out loud

So lautete das Motto der re:publica 2017, an der ich von Montag – Mittwoch teilnahm.Die re:publica ist sowas wie eine große Ideen-Messe, Vortrags-Messen, Workshop-Messe. Sie ist das größte Digitalkonferenz Europas. Über 8.000 netzaffine Menschen trafen sich drei Tage in einem ehemaligen Bahnhof aus dem 19 Jahrhunder und hatten dabei die Wahl-Möglichkeit zwischen unzähligen Veranstaltungen in verschiedenen Formaten in den untrschiedlichen Themenfeldern: Politik & Gesellschaft, Gesundheit, Kultur, Mobilität & Städte, Lernen, Geschäft & Arbeit, Bloggen, Unterwasserwelten, und schließlich Love out loud.

Meine Eindrücke sind mit einem Wort ausgedrückt: Überwältigend! Das trifft nicht auf viele der Sessions zu, die ich besucht habe. Erstmal war schlicht die Anzahl der Sessions überwältigend.  Über 200 Vorträge waren im Angebot, dazu kamen 66 Workshops, 121 Diskussionsveranstaltungen, 48 Thementreffen, 34 Kurzvorträge und 13 Aktionen. Also rundherum Programm. Etwas interessantes, spannendes schien es permanent zu geben. Von morgens bis abends. Also war ich schon am ersten Tag überfordert. Hast du schon mal versucht 10 Vorträge, 3 Diskussionsveranstaltungen, 2 Workshops und 1 Thementreffen an einem Tag zu schaffen? Ich schon! Scheitern inbegriffen. So gab ich mich dem zweiten Tag mit einem wesentlich abgespeckten Plan hin, wohl wissend, dass sich auch dieser über den Tag nicht wird halten können. Tag drei war dann recht entspannt, jegliche Planung wurde weggelegt und ich schaute nur noch bei Zeit, Lust und Laune danach, was als nächstes angeboten würde. So lässt es sich re:publicen!

Hinzu kommen natürlich, wie soll es anders sein, die anderen re:publicaner*innen mit der eigenen Planung (oder Planlosigkeit?). Also stell dir mal vor, du willst zu einer interessanten Veranstaltung, die von 14:30 – 15:00 Uhr im Raum „MediaCube“ stattfindet. Ca. 30 Sitzplätze. 30 Stehplätze mit Sicht auf die Referent*in.  Von den 8.000 Besucher*innen wollen 100 genau dorthin. Hast du den Fehler erkannt? Ich auch, drehte mich um und ging einen Kaffee trinken – oder was anderes suchen. Oder mit Leuten quatschen, denen es genau so ging wie mir. Gemeinsames Schimpfen mit Ausblick auf ein nettes Gespräch über die Beweggründe, warm man hinwollte, was einen da beschäftigt. Also mit entsprechendem Entspannungslevel gut auszuhalten. Gelernt: Wenn du was wirklich willst – WIRKLICH – dann gehe frühzeitig hin und meide Veranstaltungen, die erst dann enden, wenn deine Wahlveranstaltung beginnt. Oder eben die Strategie, der ich auch begegnete (aber nicht selber angewendet habe!) 10 Minuten vor Schluss gehen, um rechtzeitig da zu sein.

Ich denke, du hast einen gewissen Eindruck davon, was ich mit überwältigend meinte! Manche Angebote waren aber auch inhaltlich überwältigend. Da noch nicht alle Videos verfügbar sind, möchte nich hier nur – sozusagen als Appetithäppchen, nur einige wenige empfehlen.

Der Schwerpunkt der re:publica 2017 war, wie es der Titel schon zeigt, die Kommunikation und die Liebe. Gegen den Hass, gegen die Hetze im Netz und in der Welt. Viele der Beiträge beschäftigten sich dann auch mit „Fake-News“ aus den unterschiedlichsten Perspektiven.

Einfach überwältigend! war Kübra Gümüşay, die über die Die Emanzipation der Gutmenschen sprach (Video von 7:34:40 – 8:02:40).

Auch Katharina Nocun war mit ihrem Vortrag Der Source Code der AfD, in dem sie die AfD-Programme auf ihre Kerngedanken hin untersuchte, ein sehr bewegender Vortrag (Video liegt noch nicht vor). Aber meine kritische Anmerkung, das es methodisch nicht ganz sauber sein, Zitate aus ganz unterschiedlichen Veröffentlichungen unterschiedlicher Quellen aus dem Zusammenhang zu reißen und zu einem zentralen Kern zu verdichten, mussten nur Freunde auf Facebook zur Kenntnis nehmen. Dazu aber mehr, wenn das Video verfügbar ist.

Von einigen weiteren Sessions möchte ich nächste Woche berichten, nachdem ich mir nochmal die Aufzeichnungen angeschaut habe, die es nun teilweise (und bis nächste Woche hoffentlich noch mehr!) bei Youtube gibt.

Wenn du deine Erlebnisse teilen möchtest, so kannst du das hier gerne in den Kommentaren tun. Oder du hast einen eigenen Blog ode eine andere Plattform, dann kannst du gerne den Link in die Kommentare setzen.

In diesem Sinne Love out loud!

Die #re:publica 17 (Vorschau)

Nächste Woche, vom 8. – 10 Mai findet die re:publica 17 in Berlin statt. Meine erste re:publica und ich bin sehr gespannt auf die vielen interessanten Beiträge und Gespräche. Ich habe mir im Vorfeld schon eine Liste der Vorträge, Diskussionen und Workshops gemacht, die ich gerne besuchen möchte. Manchmal ist es der Ankündigungstext, der mich anspricht, mal das Thema oder ich will mir einfach mal die Leute anschauen. Da ich ja auch Veranstaltungen im Themenfeld organisiere, bin ich natürlich immer auch als „Headhunter“ unterwegs.

Es wirkt leider eines der Veranstaltungsgesetze, dass bei vielen Paralellveranstaltungen immer Prioritäten gesetzt werden müssen. So trifft es auch mich, manches muss ich wohl oder übel verpassen. Ich hoffe dann einfach darauf, dass sich Leute finden, die dort waren und berichten können, wenn es nicht sowieso eine Dokumentation gibt. Die von den vorhergegangenen re:publicas auf Youtube verfügbaren Videos versprechen aber einen kleinen Rückblick.

Den erste Tag habe ich mir schon als „Kirchentag“ vorgemerkt, hier finden verschiedene Veranstaltungen statt, die ich gerne besuchen möchte, denn der Besuch der re:publica ist beruflicher Natur.

12:15 – 12:45 Lobby-Schlacht um Brüssel: Ende mit Tracken oder Tracken ohne Ende? mit Ingo Dachwitz auf Stage 2 dazu leider parallel Gleiches Web für alle – Ist meine Webseite eigentlich barrierefrei?“ Eine auch durchaus spannende Frage, mit der ich mich beschäftige. Noch ist hier nichts entschieden. Ingo Dachwitz ist nicht nur Jugenddelegierter der 12. Synode der EKD, er arbeitet auch bei Netzpolitik.org, eine Organsiation, die ich auch unterstütze und die eine super Arbeit leisten!

12:45 – 13:15 Make life easy (again)!? Was wollen wir uns von Technologie abnehmen lassen und zu welchem Preis? mit Martin Schallbruch und Jan Möller auf Stage 4. Ein wie ich finde ganz zentraler Punkt im Rahmen der Digitalisierung. „Der Talk geht der Frage nach, welche Strategien es gibt, ein gesellschaftliches und persönliches Gleichgewicht zwischen individueller Selbstbestimmung und den Chancen und Vorteilen komplexer digitaler Infrastrukturen zu erhalten.“ Auch dieser Punkt wir innerkirchlich oftmals thematisiert.

13:30 – 14:00 Die Lehren von der Reformation bis zur Aufklärung für das Netz von heute mit Kai Schächtele, Johanna Haberer auf Stage 8, leider zeitgleich mit aula – Schule gemeinsam gestalten, ein Projekt, das ich ja auch gerne unterstütze (siehe hier) Auch hier ist noch nichts entschieden, wobei ich Johanna Haberer ja schon von einer Veranstaltung kenne, auf der wir beide Referent*in waren. Zudem habe ich sie auf dem Medienkonzil gehört und das Buch „Digitale Theologie“ durchgearbeitet und mit Kollegen besprochen. Andererseits kenne ich das AULA-Projekt auch schon recht gut. Ich denke aber eher, dass ich ersteres besuche, da ja das Publikum und die Diskussionen hier für meinen beruflichen Kontext interessant sind.

14:00 – 14:30 WTF – Katholische Kirche will Netzpolitik mitgestalten?! mit Kristin Narr, Saskia Esken, Andreas Büsch auf Stage 8 ist glücklicherweise bei mir konkurrenzlos. Mit Kristin Narr verbindet mich mindestens die gemeinsame Vorbereitung des #mppb17, die ja im vollen Gange ist und mit Andreas Büsch treffe ich mich eh ab und zu auf einen Kaffeeplausch.

14:45 – 15:15 „Is there anybody alive out there?“ This is edufunk.fm! mit Jöran Muuß-Merholz, Kristin Narr, Ralf Appelt, Blanche Fabri, Guido Brombach hat jetzt bei mir den „nice2have“ Status. Möglicherweise bin ich aber durch die Fülle der Beiträge schon gesättigt und brauche eine Pause. Die wäre dann hier bis um

16:00 – 17:00 Netzgemeindefest mit Ingo Dachwitz. Hier wird es sicherlich ein Zusammentreffen von netzaktiven Kirchenleuten geben, worauf ich mich sehr freue, bevor dann von

17:15 – 18:15 Datenschatz VS Datenschutz? mit Jan Philipp Albrecht, Ingo Dachwitz, Susanne Dehmel auf Stage 5 stattfindet. Von 

18:30 – 19:00 Hacking Karlsruhe: Klagen für die Freiheit mit Ulf Buermeyer, Nora Markard. Sie stellen das Konzept der GFF (Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V) vor und erläutern, wie sich Menschen aus der Zivilgesellschaft einbringen können.

Wenn ich dann noch nicht komplett platt sein sollte, dann interessiert mich noch Vom Reden im Netz. mit Sascha Lobo, der von 19:45 – 20:45 auf Stage 1 von seiner Recherche zur Diskurskultur im WWW erzählen wird.

Dienstag und Mittwoch werden ebenfalls zeitlich und inhaltlich voll gefüllt sein. Veranstaltungen wie Tracking und Targeting: Einblicke in die Gegenwart und Zukunft der Online-Werbung mit Erik Sy interessieren mich dabei genauso wie die spannende Frage #DigitalCharta – Brauchen wir Grundrechte für das digitale Zeitalter? Ich hatte mich ja in einem Blogbeitrag bereits positioniert und bin auf die Diskussion hier #DigitalCharta – Die Diskussion (Workshop) gespannt.

Ob Philipp Müller und Annett Witte im Meetup „Was tun gegen Fake News?“ über das hinausgehen, was ich von ihm bereits kenne? Ich bin gespannt. Oder eben doch zur Paralellveranstaltung Data for the People mit Andreas Weigend auf Stage 1? Immerhin ein Kenner der Szene, über die in diesen Tagen so viel geschrieben und gesprochen wird. Oder doch zu Bildern der smarten City, wenn es heißt Will there be a shared vineyard in the smart city? mit Bettina Ludolf und Ralf Lamberti von der DAIMLER AG? Auf jeden Fall möchte ich mir gegen Ende der re:publica noch Diskutieren lernen – Wie die Gesellschaft im post-medialen Zeitalter über ihre Konflikte ins Gespräch kommt mit Christoph Kappes anhören, da die Kommunikationskultur in sozialen Netzwerken für die gesellschaft und damit auch für zivilgesellschaftliche Akteure wichtig  ist.

„Nebenbei“ treffe ich mich natürlich auch mit tollen Menschen, mit denen ich im Vorfeld schon (digitalen) Kontakt hatte.

Wer Lust, Laune und Zeit hat, kann mich gerne ansprechen. Ihr wisst ja jetzt, wo ihr mich zumindest zeitweise findet. Dazu pasend mein Konfirmationsspruch „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“.