Archiv für den Monat: Mai 2017

WhatsApp, Datenschutz und die Menschen

Es scheint so, als sei das Thema so ziemlich abgearbeitet, die Positionen ausgetauscht. Doch wie die Diskussion eines Gerichtsurteiles heute im AK Medien Rhein-Main zeigte, ist die Diskussion hochaktuell.

Es gibt diejenigen, die WhatsApp nutzen, weil alle anderen es tun und nur so die Möglichkeit besteht, sich auf einer gemeinsamen Plattform auszutauschen. Manchmal tun sie das mit gewissen Bauchschmerzen, da WhatsApp ja nach eigenen Aussagen alle Telefonnummern (?) zum Datenabgleich auf den Server nach Amerika schickt. Ist eine abgeglichene Telefonnummer nicht bereits mit einem WhatsAppaccount verknüpft, so würde diese nach 30 Tagen gelöscht. WhatsApp schaut auch immer wieder einmal auf dem Smartphone nach, ob neue Telefonnummern hinzugekommen sind und überträgt diese auf ihre Server. Ich nenne sie die „Bauchschmerznutzer*innen“. Dazu zählen nach meiner Erfahrung viele Menschen, die im Rahmen sozialer Arbeit in pädagogischer Verantwortung mit Menschen  arbeiten.

Die zweite Gruppe sind diejenigen der „achtlose Nutzer*innen“. Dazu zählen gewiss die meisten Menschen, im Feld der sozialen Arbeit vor allen Dingen die Kinder und Jugendlichen.

Die dritte Gruppe, zu der ich zähle, verwendet kein WhatsApp, da die Anwendung nicht Datenschutzkonform ist. Ich nenne sie die „Widerständler*innen“.

Doch worin bestehen nun bei der WhatsApp Nutzung die Bauchschmerzen?

Im Rahmen der Installation von WhatsApp auf einem Smartphone wird dieser Abgleich der Kontaktdaten automatisch durchgeführt, nachdem man der Installation zugestimmt hat. Ohne Zustimmung kein WhatsApp. So müsste ich also zustimmen, dass ohne die Zustimmung der anderen Telefonnummerinhaber*innen deren Nummern übertragen werden. Nach meinem Datenschutzverständnis kann ich dem nicht zustimmen.

WhatsApp schreibt in seinen Nutzungsbedingungen:

Adressbuch. Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp-Nutzern und deinen sonstigen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Telefonnummern zur Verfügung zu stellen, damit wir unsere Dienste anbieten können.“ (Quelle)

Nun gibt es ein beachtenswertes Urteil des Amtsgericht Fulda (Amtsgericht Bad Hersfeld
Beschl. v. 20.03.2017, Az.: F 111/17 EASO) , die sich genau diesen Punkt näher angeschaut haben.

„Wer durch seine Nutzung von „WhatsApp“ diese andauernde Datenweitergabe zulässt, ohne zuvor von seinen  Kontaktpersonen aus dem eigenen Telefon-Adressbuch hierfür jeweils eine Erlaubnis eingeholt zu haben, begeht gegenüber diesen Personen eine deliktische Handlung und begibt sich in die Gefahr, von den betroffenen Personen kostenpflichtig abgemahnt zu werden.“ (Quelle)

Auch wenn einige, wie hier Prof. Burgstaller, die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Klagen und Strafen möglich wären, ist die Abmahnwahrscheinlichkeit sehr gering, denn die Beweislast, dass in mein Persönlichkeitsrecht eingegriffen wurde, läge bei mir. Näheres dazu hier.

Die Frage, die mich viel mehr beschäftigt ist, welche Haltung ich als Person, die auch mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, einnehme. Und da sind wir wieder bei den Bauchschmerzen.

Ich denke, die Bauchschmerzen lassen sich vermeiden. Dazu habe ich heute im AK Medien Rhein-Main unterschiedliche Szenarien in die Diskussion eingebracht.

Fall A: „Ich kann auf WhatsApp nicht verzichten, weil ich das Klientel nicht mehr anders erreiche!“ Lösung: Ein Handy ohne Kontaktdaten, auf denen nur diejenigen eingepflegt werden, von denen eine schriftliche Zustimmung – im Falle minderjähriger der Eltern – vorliegt. Das Gerät muss dir natürlich der Arbeitgeber zur Verfügung stellen, wenn du das für die Arbeit benötigst. Vorteil: Du bist rechtlich auf der sicheren Seite und gibtst gleichzeitig mit deiner professionellen Haltung Denkanstöße. Nachteil: Dieser Aufforderung werden nicht alle folgen. Dann kannst du deine Nachrichten an diejenigen schicken, von denen die die Erlaubnis hast, mit der Bitte um Weiterleitung.

Fall B: „Ich nutze es, Recht hin oder her. Nur so ist es alltagstauglich!“ Vorteil: Du hast keinen Ärger. Nachteil: Du nimmst keine professionelle Rolle ein und kommst deinem Auftrag nicht nach, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. (SGB VIII §1). Ein Schritt hin zu einer Lösung könnte sein, mit den Kindern und Jugendlichen das Dilemma zu kommunizieren. Altersgerecht. Wie das Urteil auch zeigt, ist das eine Herausforderung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (und deren Eltern!).

Fall C: „Ich etabliere einen anderen Messenger!“ Wenig Erfolg verspricht der Ansatz, eine Alternative zu etablieren. Alternativen gibt es, aber die Bereitschaft der Kinder und Jugendlichen – EXTRA WEGEN DIR! – eine weitere App zu installieren, scheint nicht sonderlich hoch. Dies würde, so meiner Einschätzung nach, nur gelingen, wenn vorher ein Problembewusstsein gewachsen ist. Im Fall B wird das aber nicht wachsen. Vermeindung fördert nie einen Kompetenzgewinn!

FAZIT: Wenn ich den Auftrag habe, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern, dann gehört heute auch die Mediennutzung dazu, auf jeden Fall dort, wo Bauchweh entsteht.

Die Herausforderung für die (Medien-) Pädagogik besteht darin, altersgerechte Settings zu schaffen, in denen es Lust und Freude macht, das Bauchweh zu thematisieren. Denn darauf haben Menschen auch einen Anspruch!

Hat jemand Lust daran mitzuwirken?

P.S. Das Gerichtsurteil ist auch in einem weiteren Punkt interessant: Der Erziehungsauftrag der Eltern. Auch hier ist die (Medien-) Pädagogik aufgefordert, Settings zu entwickeln, die Eltern in ihrem Erziehungsauftrag wirksam unterstützen und das zumindest ab dem Grundschulalter.

 

In Zeiten des Hasses ist Liebe eine Revolution

Letzte Woche hatte ich in meinem Blogbeitrag ja bereits geschrieben, wie mich die Überwältigung erwischt hat. Heute nun inhaltlich zu dem, was ich im Rahmen der re:publica erleben durfte. Ich habe das jetzt mal chronoligisch sortiert nach Sessions sortiert, die ich besucht habe (oder bei denen ich gehindert wurde). Damit das Ganze aber nicht so bruchstückhaft rüberkommt, der Versuch einer Einordnung.

Ich fuhr zur re:publica, um einmal die Stimmung einzufangen, mich mit Leuten zu unterhalten und mich von Inputs inspirieren zu lassen. Dabei spielte das Thema „Manipulation“ für mich ein großes Thema, denn das ist aus meiner Sicht der Hintergrund der Debatte um „Fake-News“, „Social-Bots“ und dem „ehernen Journalismus“, der Fakten und Qualität verspricht.

Ein zweites Thema war die Frage der Grundrechte. Ich hatte mich ja bereits zur Charta geäußert und wollte nun einmal hören, was aus der ganzen Diskussion der letzten Monate geworden ist. Ich wünschte mir also eine Zusammenfassung, markierte aber in meiner Planung, dass ich auch die Sessions „Diskussion der Charta“ und „wie weiter mit der Charta“ besuchen wollte.

Das Sahnehäubchen war dann das Angebot, das für mich nicht unter einem bestimmten Interesse stand.

Ich habe die Titel der verschiedenen Sessions mal den drei Bereichen zugeordnet und bunt eingefärbt. Zum Thema Manipulation = rot, Grundrechte = grün, die Sahnehäubchen = pink. Unter den jeweiligen Veranstaltungen dann eine kurze Kommentierung, wenn vorhanden, dann mit dem zur Verfügung stehenden Session-Video. Wer Lust und Zeit hat, kann ja mal reinschauen, es lohnt sich!

Montag

12:15 – 12:45 Lobby-Schlacht um Brüssel: Ende mit Tracken oder Tracken ohne Ende? (Ingo Dachwitz) https://www.youtube.com/watch?v=l5SwOS5lXTc Ingo Dachwitz erläuterte die Hintergründe der ePrivacy-Verordnung. Erfrischend, kompetent, aber leider zum Ende hin zu knapp. Ich werde mal ein Interview mit ihm organisieren, denn das ist schon eine der zentralen Grundrechtsfragen.

12:45 – 13:15 Make life easy (again)!? Was wollen wir uns von Technologie abnehmen lassen und zu welchem Preis? (Jan Möller, Martin Schallbruch) https://www.youtube.com/watch?v=If7PjzJq7Oo Auf jeden Fall brachten beide mich gut zum Nachdenken. Es geht letzten Endes um die Auseinandersetzung, welche Verantwortung wir Menschen für unser (teils unreflektiertes) Handeln und welche Verantwortung die Anbieter von Technik und Dienstleistungen haben. Sie haben das ganz gut als Zwiegespräch organisiert, in dem beide unterschiedliche Haltungen zeigen.

13:30 – 14:00 Die Lehren von der Reformation bis zur Aufklärung für das Netz von heute (Johanna Haberer, Kai Schächtele) https://www.youtube.com/watch?v=gZIX7HOvOPM Ich hatte ja schon mit Johanna Haberer eine Veranstaltung für Landtagsabgeordnete und ihre Mitarbeiter*innen in Mainz, in der wir beide als Referent*in auftraten, ich habe sie auf dem Medienkonzil gehört und ihr Buch „Digitale Theologie“ gelesen und mit Kolleg*innen besprchen, von daher erwartete ich nichts Neues, wollte aber eine „Auffrischung“. Die mediale Prägung unseres Denken und Handeln kam nochmal schön zum Ausdruck. Nochmal Haberer deutlich aus christlicher Perspektive, die ich teile: Es hat jeder nicht nur das Recht, sich in den Diskurs um das Zusammenleben einzubringen, mit der „Demokratisierung der Kommunikation“ ist auch eine Verantwortung verbunden. Die Verantwortung eine Haltung einzunehmen. Es braucht aber auch eine Ethik der Kommunikation!

14:00 – 14:30 WTF – Katholische Kirche will Netzpolitik mitgestalten?! (Kristin Narr, Saskia Esken, Andreas Büsch) ab 32:12 https://www.youtube.com/watch?v=gja6Ce8_UsE Andreas Büsch, mit dem ich ja ab und zu das Vergnügen des gemeinsamen Kaffeetalks habe (unsere Büros sind 10 Minuten voneinander entfernt), stellte das lesenswerte Papier „Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit“ vor, das von Saskia Esken wohlwollend rezensiert wurde. Sie ging dabei nicht auf alle Punkte des Papiers ein, würdigt erst einmal, dass die Kirche sich hier engagiert zeigt, dass sie als Glaubensgemeinschaft sich mit dem gesellschaftlichem Wandel und den Auswirkungen auf unser Gesellschaft beschäftigt und dabei auch die eigenen Hausaufgaben benennt.

16:00 – 17:00 Netzgemeindefest (Ingo Dachwitz) (kein Video) Ein Treffen von netzaffinen Leuten aus „der Kirche“. Christ*innen, aus welchen Bereichen auch immer, die gemeinsam ins Gespräch kamen. Jede*r sollte sich Leute suchen, die nicht schon zu den Bekannten gehörten. Das war ein sehr lebendiger Austausch, leider unter keinen so guten räumlichen Bedingungen. Die offene Sitzgruppe waren nicht auf Kommunikation in größeren Gruppen angelegt, dazu waren die Umgebungsgeräusche zu laut. Aber für einen ersten Austausch in der Runde war es ok. Unter den Twitter-Hashtag #DigitaleKirche zeigten wir schon mal das Interesse, gemeinsam weiter am Austausch über das Thema „Digitalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln“ zu bleiben. Vielleicht gibt es ja auch bald ein bundesweites Treffen? Hier ist für die Evangelische Kirche die EKD gefragt.

In kleiner Runde erschien uns das Format des Barcamps als ziemlich geeignet, um eben den unterschiedlichen Themen, Fragestellungen und Herausforderungen einen Platz geben zu können.

17:15 – 18:15 Werden Wahlen im Netz entschieden? (Prof. Dr. Birgit Stark, Julius van de Laar, Dr. Ursula Weidenfeld, Robert Heinrich, Martin Hoffmann, Tobias Nehren) https://www.youtube.com/watch?v=qVSyzfp_aR8 Martin Hoffmann erklärt zu Beginn, was Bots sind, dass sie gut oder böse sein können und wie sie sich unterscheiden. Was sie zumindest können? Trends setzen, Diskurse unmöglich machen, sie können Propaganda machen und – zentral – sie können den Eindruck erwecken, dass da ganz viele Leute beispielsweise hinter einer Meinung stehen. Über deren Wirkung wissen wir aber wenig, denn es gibt kaum qualitative Forschung darüber. Die Diskussionsteilnehmer*innen tauschen sich dann auch über die Eingangsfrage aus, mit unterschiedlichen Ansichten.

18:30 – 19:00 Hacking Karlsruhe: Klagen für die Freiheit (Ulf Buermeyer, Nora Markard) https://www.youtube.com/watch?v=xuo95Yr9aZM Beide stellen den Verein „Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF)“ vor und erläutern, wie sie auf rechtlicher Ebene für Freiheitsrechte eintreten. Unterstützer*innen sind gerne gesehen. Machen ja auch einen wichtigen Job.

TAG 2

10:00 – 11:00 Anonymous.Kollektiv & Migrantenschreck: Warum wir bei Rechten geklingelt haben (Kai Biermann, Simon Hurtz, Karolin Schwarz, Max Hoppenstedt, Günther Strauß) https://www.youtube.com/watch?v=3r9rbHWbIW4 (ab Minute 5:55) Da gab es doch tatsächlich auf einer Internetseite ein Waffenangebot aus Ungarn, das dazu beitragen sollte, sich in der „Flüchtlingsfrage“ ein wenig sicherer zu fühlen. Kai Biermann hat die Kund*innen besucht. Eine nette Erzählung. Simon Hurtz war mit dabei und berichtet hier in einem Interview. Als Gegenbewegung gegen Hetze und Falschmeldungen/ Fake-News verstehen sich Günther Strauß und Karolin Schwarz. Sie initiierte die Seite www.hoaxmap.org und hat sich damit auf die Seite derer positioniert, die Fake-News mit Richtigstellungen begegnen, die „Watchseitenbewegung“ – hauptsächlich auf Facebook unterwegs – kümmert sich mit gleicher Intention (Aufklärung) um ein breites Themenspektrum und dort beobachtbare Unwahrheiten.

11:15 – 12:15 #DigitalCharta – Brauchen wir Grundrechte für das digitale Zeitalter? (Johnny Haeusler, Heinrich Wefing, Christoph Kucklick, Jeanette Hofmann, Daniel Opper, Jan Philipp Albrecht) https://www.youtube.com/watch?v=GHBND8OUeyw Ich dachte ja, es gäbe etwas Neues. Fehlanzeige. Christoph Kucklick, Chefredakteur der Zeitschrift GEO war als einziger auf der Bühne, der sich an der Charta nicht beteiligte und seine Kritik ab Minute 16 erläutert. Der Verlauf der Debatte spricht für sich.

12:30 – 13:30 „Lügenpresse™“ meets Hydraulikpresse: Eine Gameshow über Fake News (Max Hoppenstedt, Theresa Locker) (kein Video) Einfach ein nettes Quiz, in dem es galt, Meldungen als „Irreführend“ oder „Falsch“ zu bestimmen.

13:45 – 14:45 Die Hälfte aller Spieler ist weiblich. Doch wie vielfältig ist die deutsche Spieleindustrie? (Sabine Hahn) (kein Video)

15:00 – 16:00 Will there be a shared vineyard in the smart city? (Bettina Ludolf, Ralf Lamberti) (kein Video) Eine Veranstaltung der Daimler AG, in der beide ein städtisches Zukunftsszenario (Mobilität) vorstellten. Ein eigenes Thema, das ich bald in einem eigenen Blogbeitrag beleuchten werde.

16:45 – 17:15 Die Anachronistin – mehr als nur Geschichte (Nora Hespers) (kein Video) Bemerkenswert. Da hört die Enkelin eines Widerstandskämpfers gegen den NS Staat seine Geschichte und fängt an zu recherchieren. Sie macht daraus einen Blog und einen Podcast. Toll!

17:30 – 18:00 Die Emanzipation der Gutmenschen (Kübra Gümüşay) ab 7:34:40! Einfach nur sehenswert. Prädikat „besonders wertvoll“!

TAG 3

10:00 – 11:00 Leider zu spät angemeldet: Feinstaubsensor basteln – der einfache Bausatz, Daten messen und zeigen (Frank Riedel, Jan Lutz)

10:00 – 10:30 Macht Algorithmus Staat (Mike Weber) https://www.youtube.com/watch?v=8A1hQGRaj2k

10:30 – 11:00 Der Source Code der AfD (Katharina Nocun) https://www.youtube.com/watch?v=ttAjkEu-CYE Gut anzusehen, geht auch schön runter wie Öl, mir aber doch etwas (methodisch) zu billiges „bashing“. Das ist mal einen eigenen Blogartikel wert, gerade wenn es darum geht, Menschen die anders sind, zu verstehen. Das hier trägt dazu nicht bei.

11:15 – 12:15 (leider zu voll!) Das Auge liest mit: Multimediales Storytelling ohne Code und Kohle (Daniela Späth, Michel Penke)

12:30 – 13:30 Hands-on Verifikation: Social-Media-Inhalte überprüfen (Fiete Stegers, Wolfgang Wichmann) (kein Video) Super! Ein toller Workshop, der Lust gemacht hat, einfach mal was methodisch auszuprobieren. Das werde ich auf jeden Fall mal als Veranstaltung anbieten. Nicht für Menschen aus der Öffentlichkeitsarbeit, die sollten das schon können. Für Menschen, die ein Interesse daran haben, wie Menschen Meldungen/Bilder verifizieren können. Von Hand!

13:45 – 14:45 Etwas Empirie: Was wir wirklich über Filterblasen, Fake-News und die digitale Öffentlichkeit wissen (Konrad Lischka, Christian Stöcker) ab 3:50:08 https://www.youtube.com/watch?v=VXB0zhaCiN0

16:45 – 17:15 Loving Mondays since 1817 (Jörn Hendrik Ast) https://www.youtube.com/watch?v=4CCcAUM8zoM

17:30 – 18:30 Leider ausgefallen: Glück und Geld: Zeichne dein Leben – mit Marina Weisband (Jana Gioia Baurmann, Marina Weisband , Jens Tönnesmann)

Somit endete für mich die re:publica mit interessanten Inputs, anregenden Gesprächen und Ideen für zukünftige Projekte und Themen. Auf jeden Fall ist das Thema „Kommunikation“ bei mir ganz oben auf der ToDo-Liste. Als Mitarbeiter der Kirche sehen ich mich auch in der Rolle, meine Haltung nach außen darzustellen, als christ, als Mensch. Denn eines haben mir die Sessions und Gespräche der re:publica 2017 auch gezeigt. Wir sind keine Opfer einer Kommunikationsindustrie, eines Staates. Wir sind handelnde Menschen, die ihre Handlungsspielräume in gesellschaftlichen Diskursprozessen bestimmen. Die das Miteinander, das sich nicht „automatisch“ regelt, aushandeln.

Wichtig auch die Trennung von Mensch als Mensch und die Meinung, die jemand vertritt. Der Mensch ist mehr als seine Meinung.

In Zeiten des Hasses ist Liebe eine Revolution, schrieb Edward Snowden. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Love out loud

So lautete das Motto der re:publica 2017, an der ich von Montag – Mittwoch teilnahm.Die re:publica ist sowas wie eine große Ideen-Messe, Vortrags-Messen, Workshop-Messe. Sie ist das größte Digitalkonferenz Europas. Über 8.000 netzaffine Menschen trafen sich drei Tage in einem ehemaligen Bahnhof aus dem 19 Jahrhunder und hatten dabei die Wahl-Möglichkeit zwischen unzähligen Veranstaltungen in verschiedenen Formaten in den untrschiedlichen Themenfeldern: Politik & Gesellschaft, Gesundheit, Kultur, Mobilität & Städte, Lernen, Geschäft & Arbeit, Bloggen, Unterwasserwelten, und schließlich Love out loud.

Meine Eindrücke sind mit einem Wort ausgedrückt: Überwältigend! Das trifft nicht auf viele der Sessions zu, die ich besucht habe. Erstmal war schlicht die Anzahl der Sessions überwältigend.  Über 200 Vorträge waren im Angebot, dazu kamen 66 Workshops, 121 Diskussionsveranstaltungen, 48 Thementreffen, 34 Kurzvorträge und 13 Aktionen. Also rundherum Programm. Etwas interessantes, spannendes schien es permanent zu geben. Von morgens bis abends. Also war ich schon am ersten Tag überfordert. Hast du schon mal versucht 10 Vorträge, 3 Diskussionsveranstaltungen, 2 Workshops und 1 Thementreffen an einem Tag zu schaffen? Ich schon! Scheitern inbegriffen. So gab ich mich dem zweiten Tag mit einem wesentlich abgespeckten Plan hin, wohl wissend, dass sich auch dieser über den Tag nicht wird halten können. Tag drei war dann recht entspannt, jegliche Planung wurde weggelegt und ich schaute nur noch bei Zeit, Lust und Laune danach, was als nächstes angeboten würde. So lässt es sich re:publicen!

Hinzu kommen natürlich, wie soll es anders sein, die anderen re:publicaner*innen mit der eigenen Planung (oder Planlosigkeit?). Also stell dir mal vor, du willst zu einer interessanten Veranstaltung, die von 14:30 – 15:00 Uhr im Raum „MediaCube“ stattfindet. Ca. 30 Sitzplätze. 30 Stehplätze mit Sicht auf die Referent*in.  Von den 8.000 Besucher*innen wollen 100 genau dorthin. Hast du den Fehler erkannt? Ich auch, drehte mich um und ging einen Kaffee trinken – oder was anderes suchen. Oder mit Leuten quatschen, denen es genau so ging wie mir. Gemeinsames Schimpfen mit Ausblick auf ein nettes Gespräch über die Beweggründe, warm man hinwollte, was einen da beschäftigt. Also mit entsprechendem Entspannungslevel gut auszuhalten. Gelernt: Wenn du was wirklich willst – WIRKLICH – dann gehe frühzeitig hin und meide Veranstaltungen, die erst dann enden, wenn deine Wahlveranstaltung beginnt. Oder eben die Strategie, der ich auch begegnete (aber nicht selber angewendet habe!) 10 Minuten vor Schluss gehen, um rechtzeitig da zu sein.

Ich denke, du hast einen gewissen Eindruck davon, was ich mit überwältigend meinte! Manche Angebote waren aber auch inhaltlich überwältigend. Da noch nicht alle Videos verfügbar sind, möchte nich hier nur – sozusagen als Appetithäppchen, nur einige wenige empfehlen.

Der Schwerpunkt der re:publica 2017 war, wie es der Titel schon zeigt, die Kommunikation und die Liebe. Gegen den Hass, gegen die Hetze im Netz und in der Welt. Viele der Beiträge beschäftigten sich dann auch mit „Fake-News“ aus den unterschiedlichsten Perspektiven.

Einfach überwältigend! war Kübra Gümüşay, die über die Die Emanzipation der Gutmenschen sprach (Video von 7:34:40 – 8:02:40).

Auch Katharina Nocun war mit ihrem Vortrag Der Source Code der AfD, in dem sie die AfD-Programme auf ihre Kerngedanken hin untersuchte, ein sehr bewegender Vortrag (Video liegt noch nicht vor). Aber meine kritische Anmerkung, das es methodisch nicht ganz sauber sein, Zitate aus ganz unterschiedlichen Veröffentlichungen unterschiedlicher Quellen aus dem Zusammenhang zu reißen und zu einem zentralen Kern zu verdichten, mussten nur Freunde auf Facebook zur Kenntnis nehmen. Dazu aber mehr, wenn das Video verfügbar ist.

Von einigen weiteren Sessions möchte ich nächste Woche berichten, nachdem ich mir nochmal die Aufzeichnungen angeschaut habe, die es nun teilweise (und bis nächste Woche hoffentlich noch mehr!) bei Youtube gibt.

Wenn du deine Erlebnisse teilen möchtest, so kannst du das hier gerne in den Kommentaren tun. Oder du hast einen eigenen Blog ode eine andere Plattform, dann kannst du gerne den Link in die Kommentare setzen.

In diesem Sinne Love out loud!

Die #re:publica 17 (Vorschau)

Nächste Woche, vom 8. – 10 Mai findet die re:publica 17 in Berlin statt. Meine erste re:publica und ich bin sehr gespannt auf die vielen interessanten Beiträge und Gespräche. Ich habe mir im Vorfeld schon eine Liste der Vorträge, Diskussionen und Workshops gemacht, die ich gerne besuchen möchte. Manchmal ist es der Ankündigungstext, der mich anspricht, mal das Thema oder ich will mir einfach mal die Leute anschauen. Da ich ja auch Veranstaltungen im Themenfeld organisiere, bin ich natürlich immer auch als „Headhunter“ unterwegs.

Es wirkt leider eines der Veranstaltungsgesetze, dass bei vielen Paralellveranstaltungen immer Prioritäten gesetzt werden müssen. So trifft es auch mich, manches muss ich wohl oder übel verpassen. Ich hoffe dann einfach darauf, dass sich Leute finden, die dort waren und berichten können, wenn es nicht sowieso eine Dokumentation gibt. Die von den vorhergegangenen re:publicas auf Youtube verfügbaren Videos versprechen aber einen kleinen Rückblick.

Den erste Tag habe ich mir schon als „Kirchentag“ vorgemerkt, hier finden verschiedene Veranstaltungen statt, die ich gerne besuchen möchte, denn der Besuch der re:publica ist beruflicher Natur.

12:15 – 12:45 Lobby-Schlacht um Brüssel: Ende mit Tracken oder Tracken ohne Ende? mit Ingo Dachwitz auf Stage 2 dazu leider parallel Gleiches Web für alle – Ist meine Webseite eigentlich barrierefrei?“ Eine auch durchaus spannende Frage, mit der ich mich beschäftige. Noch ist hier nichts entschieden. Ingo Dachwitz ist nicht nur Jugenddelegierter der 12. Synode der EKD, er arbeitet auch bei Netzpolitik.org, eine Organsiation, die ich auch unterstütze und die eine super Arbeit leisten!

12:45 – 13:15 Make life easy (again)!? Was wollen wir uns von Technologie abnehmen lassen und zu welchem Preis? mit Martin Schallbruch und Jan Möller auf Stage 4. Ein wie ich finde ganz zentraler Punkt im Rahmen der Digitalisierung. „Der Talk geht der Frage nach, welche Strategien es gibt, ein gesellschaftliches und persönliches Gleichgewicht zwischen individueller Selbstbestimmung und den Chancen und Vorteilen komplexer digitaler Infrastrukturen zu erhalten.“ Auch dieser Punkt wir innerkirchlich oftmals thematisiert.

13:30 – 14:00 Die Lehren von der Reformation bis zur Aufklärung für das Netz von heute mit Kai Schächtele, Johanna Haberer auf Stage 8, leider zeitgleich mit aula – Schule gemeinsam gestalten, ein Projekt, das ich ja auch gerne unterstütze (siehe hier) Auch hier ist noch nichts entschieden, wobei ich Johanna Haberer ja schon von einer Veranstaltung kenne, auf der wir beide Referent*in waren. Zudem habe ich sie auf dem Medienkonzil gehört und das Buch „Digitale Theologie“ durchgearbeitet und mit Kollegen besprochen. Andererseits kenne ich das AULA-Projekt auch schon recht gut. Ich denke aber eher, dass ich ersteres besuche, da ja das Publikum und die Diskussionen hier für meinen beruflichen Kontext interessant sind.

14:00 – 14:30 WTF – Katholische Kirche will Netzpolitik mitgestalten?! mit Kristin Narr, Saskia Esken, Andreas Büsch auf Stage 8 ist glücklicherweise bei mir konkurrenzlos. Mit Kristin Narr verbindet mich mindestens die gemeinsame Vorbereitung des #mppb17, die ja im vollen Gange ist und mit Andreas Büsch treffe ich mich eh ab und zu auf einen Kaffeeplausch.

14:45 – 15:15 „Is there anybody alive out there?“ This is edufunk.fm! mit Jöran Muuß-Merholz, Kristin Narr, Ralf Appelt, Blanche Fabri, Guido Brombach hat jetzt bei mir den „nice2have“ Status. Möglicherweise bin ich aber durch die Fülle der Beiträge schon gesättigt und brauche eine Pause. Die wäre dann hier bis um

16:00 – 17:00 Netzgemeindefest mit Ingo Dachwitz. Hier wird es sicherlich ein Zusammentreffen von netzaktiven Kirchenleuten geben, worauf ich mich sehr freue, bevor dann von

17:15 – 18:15 Datenschatz VS Datenschutz? mit Jan Philipp Albrecht, Ingo Dachwitz, Susanne Dehmel auf Stage 5 stattfindet. Von 

18:30 – 19:00 Hacking Karlsruhe: Klagen für die Freiheit mit Ulf Buermeyer, Nora Markard. Sie stellen das Konzept der GFF (Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V) vor und erläutern, wie sich Menschen aus der Zivilgesellschaft einbringen können.

Wenn ich dann noch nicht komplett platt sein sollte, dann interessiert mich noch Vom Reden im Netz. mit Sascha Lobo, der von 19:45 – 20:45 auf Stage 1 von seiner Recherche zur Diskurskultur im WWW erzählen wird.

Dienstag und Mittwoch werden ebenfalls zeitlich und inhaltlich voll gefüllt sein. Veranstaltungen wie Tracking und Targeting: Einblicke in die Gegenwart und Zukunft der Online-Werbung mit Erik Sy interessieren mich dabei genauso wie die spannende Frage #DigitalCharta – Brauchen wir Grundrechte für das digitale Zeitalter? Ich hatte mich ja in einem Blogbeitrag bereits positioniert und bin auf die Diskussion hier #DigitalCharta – Die Diskussion (Workshop) gespannt.

Ob Philipp Müller und Annett Witte im Meetup „Was tun gegen Fake News?“ über das hinausgehen, was ich von ihm bereits kenne? Ich bin gespannt. Oder eben doch zur Paralellveranstaltung Data for the People mit Andreas Weigend auf Stage 1? Immerhin ein Kenner der Szene, über die in diesen Tagen so viel geschrieben und gesprochen wird. Oder doch zu Bildern der smarten City, wenn es heißt Will there be a shared vineyard in the smart city? mit Bettina Ludolf und Ralf Lamberti von der DAIMLER AG? Auf jeden Fall möchte ich mir gegen Ende der re:publica noch Diskutieren lernen – Wie die Gesellschaft im post-medialen Zeitalter über ihre Konflikte ins Gespräch kommt mit Christoph Kappes anhören, da die Kommunikationskultur in sozialen Netzwerken für die gesellschaft und damit auch für zivilgesellschaftliche Akteure wichtig  ist.

„Nebenbei“ treffe ich mich natürlich auch mit tollen Menschen, mit denen ich im Vorfeld schon (digitalen) Kontakt hatte.

Wer Lust, Laune und Zeit hat, kann mich gerne ansprechen. Ihr wisst ja jetzt, wo ihr mich zumindest zeitweise findet. Dazu pasend mein Konfirmationsspruch „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen“.