Archiv für den Monat: März 2017

Digitale Souveränität – Offene Daten, freie Lizenzen

„Offenen Daten, freie Lizenzen“ war der Titel einer Tagung am vergangenem Mittwoch in Köln. Veranstaltet wurde sie im Rahmen des Reformationsjubiläums von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Annerkennend, dass sich eine Landeskirche so diesen Themas der Digitalisierung annimmt und verschiedene Facetten beleuchtet. Wir in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau tun dies mit unseren Social-Media-Tagen (Infos 2016) in einer ähnlichen Weise. Auch für dieses Jahr wird gerade für den September ein Fachtag geplant.

Worum ging es also: Als erstes wurde von Prof. Dr. Andreas Mühling, Honorarprofessor für evangelische Kirchengeschichte an der Uni Trier die Reformation auch als mediales Ereignis dargestellt. Ohne mediale Verbreitungswege keine Reformation. Der Buchdruck alleine war es aber nicht, der die Reformation vorantrieb. Hinter dem Buchdruck verbargen sich auch wirtschaftliche und politische Interessen, denn kaum ein Drucker druckte aus Vergnügen. So wurden die Schriften entweder gesponsert (heute möglicherweise eine Art Crowdfunding?) oder es konnte damit Geld verdient werden. Andreas Mühling räumte damit ein wenig mit der romantischen Vorstellung auf, die Verbreitung wäre alleine aus Glaubensgründen – für die gute Sache – erfolgt. Was mich persönlich aber noch mehr an seinem Vortrag begeisterte war, dass er die Reformation als dialogischen Prozess versteht. Da ist also nicht ein Typ (Luther), der mal so ein paar Texte hinhaut, vielleicht einen Zettel an die Tür nagelt und dann springt der Bewegungsmotor an. Nein, es war ein langer, eben meist medial vermittelter Prozess, denn die Diskusionen liefen über Briefe und Besuche, Gespräche und Flugschriften, Bücher und Debatten in verschiedenen Zentren des deutschsprachigen Raumes. Im Blick auf unsere heutigen Medienlandschaft unvorstellbar. Für die damalige Zeit natürlich auch hauptsächlich eine Debatte unter Menschen mit einem hohen Bildungsstand, denn der Großteil der Bevölkerung konnte nicht lesen. Die Reformation war keine Verkündigung einer Glaubenslehre, sondern eine diskursive Auseinandersetzung. Luther stellte seinen 95 Thesen dann auch folgenden Satz voraus:

„Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen.“ (Quelle)

Viele der Aussagen wünsche ich mir auch für unsere heutige Diskussionskultur! Ergründung der Wahrheit, gemeinsame Suche nach Antworten. Disput, Streitgespräch! Wer nicht vor Ort sein kann und mitreden möchte, soll Medien nutzen, Ideen und Positionen teilen. Übringens gab es da noch kein Urheberrecht, sonst wäre das wohl auch nix mit der Reformation geworden!

Möglich, dass manche Menschen – auch dies war in der anschließenden Diskussion Thema – den kirchlichen Verkündigungsauftrag auch eher eingeschränkt verstehen. Verkündigung ist nicht „die Wahrheit verkünden“, sondern eher als „in einen Dialog mit den Mitmenschen treten“ zu verstehen. Eine nachdenkliche Runde in Köln. Vielen Dank dafür!

Der Vortrag ist komplett hier zu sehen, ab Minute 18:59 geht es los. Der Ton ist nicht optimal, da sollte noch an der Technik gefeilt werden. Ich persönlich bin ja eher für eine technisch bearbeitete Version, also ohne Vorlauf und mit besserem Ton. Aber das ist sicherlich auch eine Frage der technischen und zeitlichen Möglichkeiten. Wenn die EKiR den Film als Datei zur Verfügung stellen würde, ich könnte mich daran versuchen, ganz im Sinne der Reformation!

In einem zweiten Input wurde es dann schon mehr um Technik und Produktionsbedingungen. Dipl. Theologe Ulrich Berens von LUKI e.V. (Homepage), Linux-User im kirchlichen Bereich, referierte über die Vorteile freier Software wie beispielsweise Linux. Diese entspräche in vielen Punkten auch den christlichen Idealen einer nachhaltigen Beschaffung:

  • dezentrale Erstellung
  • ohne (wesentliche) Hirarchien produziert
  • kollektivber Nutzen
  • kooperativer und freier Wissensaustausch
  • uneigennütziges Schaffen von öffentlichen Gütern
  • Entschärfung der (sozioökonomisch bedingten) „digitalen Kluft“ (Wikipedia)

Die Nutzung proprietärer Software (Wikipedia) steht dem entgegen. Dennoch wird in weiten Bereichen der Gesellschaft diese Software genutzt. Kirchliches Beschaffungswesen könnte und sollte sich mit dem Thema einmal auseinandersetzen. Hier gilt es verschiedene Argumente abzuwägen. Den Vortrag gibt es hier zu sehen, ab Minute 7:15 geht es los.
Ein Hinweis für alle Interessierten: Die 5. Fachkonferenz des Entwicklungspolitischen Landesnetzwerkes Rheinland-Pfalz beschäftigt sich am 22/23.Mai 2017 in Mainz mit dem Thema der sozial verantwortlichen IT-Beschaffung. Infos gibt es hier. Als Kirche und als ganze Gesellschaft darf es uns auch nicht nur um fair gehandelten Kaffee und Klamotten gehen!

Den Vorträgen folgten dann noch Workshops, von denen zwei besucht werden konnten.

  1. Wo finde ich freie Medien für meine Arbeit und wie nutze ich sie?
  2. Wie kann ich meine Bilder und Texte als frei zugängliches Material lizenzieren und online stellen?
  3. Best Practise aus dem kommunalen Bereich: Der Open Data Prozess in der Stadt Bonn

Ich entschied mich für 3 und 1. Für 3, weil ich selber in dem Bereich Open Data aktiv bin, ich plane gerade an verschiedenen Projekten und unterhalte mich mit AkteurInnen aus dem Bereich. Aber auch das wird mal ein eigener Beitrag. Da ich mir von 1 und 2 aufgrund meiner „reichhaltigen Kenntnisse“ nicht soviel versprach, besuchte ich noch den Workshop 1, aber eher als Zuhörer.

Der Workshop 3 war dann auch der für mich spannenste! Sven Hense, Leiter der Open-Data Aktivitäten der Stadt Bonn erläuterte an verschiedenen Beispielen, wie sich der Gedanke, öffentkliche Daten mit den BürgerInnen zu teilen, in praktischen Vorhaben niederschlägt. Die Stadt Bonn hat ein eigenes Open-Data-Protal, das hier aufrufbar ist.

Für diejenigen der LeserInnen, die mit Open-Data nicht viel anfangen können (so ging mir das mal!), hier ein einfaches Beispiel: Die Bonner City Parkraum GmbH stellt die Parkplatzbelegung in Echtzeit (also aktuelle) als Daten zur Verfügung, die von Computern gelesen weden können. Daraus bastelt jemand eine App, so dass Autofahrer*innen sofort sehen, wie die Parkhaussituation aussieht und das Günstigtste ansteuern können.

Das macht gleich auch die Grundproblematiken deutlich. Wer erhebt und besitzt die Daten? Welche davon dürfen veröffentlicht werden? Unter welchen Bedingungen?

Die Stadt Bonn stellt zur Zeit 194 Datensätze zur Verfügung. Das hört sich wenig an, ist aber sehr viel. Ein Datensatz enthält beispielesweise alle Messdaten der Grundwassermessstellen. Das sind dann schon immense Zahlenreihen. An diesem Beispiel wir eine neben der Masse eine zweite Problematik deutlich. Die Daten liegen im pdf Format vor, müssten für eine App beispielsweise erst in ein anderes Format übertragen werden. Ein weiteres Problem: Die Daten sind veraltet. Es handelt sich nicht um ein Echtzeitmonitoring, die neuesten Daten sind von 2013. Damit ließe sich höchstens eine historische Entwicklungsreihe erstellen, für eine App, die den Bürger*innen aktuell etwas nutzt, sind sie nicht zu gebrauchen.

Die Daten für einen „Fair Trade Einkaufsführer“ (Konsumgüter/Lebensmittel/Gastronomie) liegen in einem maschinenlesbaren Format vor, sind aber aus dem Jahr 2014 und somit auch für den heutigen Alltag nur eingeschränkt nutzbar. Auch die maschinenlesbaren Daten für die Trinkwasseranalyse stammen aus 2016. Aktuell sind beispielsweise die Daten der Haushaltsplanung oder der Veranstaltungskalender, der sogar direkt von einer App angezapft und gelesen werden kann.

Viele kennen das durch Apps der Bahn, die in der Regel die Daten in Echtzeit bereitstellt. Spannend ist, dass die Stadt Bonn sich auf den Weg gemacht hat und Daten überhaupt zur Verfügung stellt. Geplant sind weitere Daten,m auch in Echtzeit, bereitzustellen. Ein gutes Vorhaben, das es Bürger*innen ermöglicht, aktiver und direkter Informationen zu bekommen. Stellt euch mal vor, ihr bekommt die Wasserqualität eures Leitungswassers so präsentiert, wie es das Projekt in Heilbronn zeigt (Heilbronn auswählen!)? Allerdings auch hier: Keine Daten in Echtzeit, sie stammen aus dem Jahr 2014!

Schon mal eine Echtzeitdarstellung der Flugzeugbewegungen gesehen? Wenn du willst, dann schau mal hier. Interessant für Leute, die eine konkrete Lärmbelästigung anzeigen möchten. Oder den Kindern mal zeigen wollen, wo welcher Flieger gerade ist.

Damit aktuelle Daten zur Nutzung bereitstehen ist manchmal auch einfach privates Engagement nötig, wie das Feinstaubnetzwerk zeigt. Hier mal die aufbereiteten Daten für Frankfurt. Die sammeln übrigens für ihr Stickoxidprojekt noch Geld (ja, ich gehöre zu den Spendern).

Der zweite Workshop war, wie ich es mir schon dachte, für mich eher uninertessant. Aber die Anwesenden haben im Ganzen davon profitiert, es gab viele Infos zu kostenfreien Datenbanken und CC-Lizenzen. Gerade bei den Anwesenden, die eigene Homepages oder Newsletter erstellen (wollen), ein super Workshop!

Zum Ende der Veranstaltung noch ein interessanter Vortrag von einem Archivar, der unter anderem die digitalen Datenbestände für die EKiR dauerhaft sichert. Ich muss gestehen, ich „liebe“ solche Leute, die sich mit vollem Herzen um unsere Gedächtnisinstitutionen (und die Erhaltung der Bestände kümmern. Dr. Stefan Flesch, dr den Vortrag hielt, hat dazu einen kleien Blogbeitrag geschrieben.

Mein Fazit der Veranstaltung: Mehr davon. Überall. Der digitalen Souveränität tut es gut. Da ich als Veranstaltungsorganisator weiß, wieviel Arbeit hinter den Kulissen stattfindet, meinen Dank an die veranstalter*innen. Ein sehr netter Mensch hat übrigens fast dokumentarisch getwittert. Unter den Haschtag #DigitaleSouveränität sind übrigens die meisten Tweeds (Twitter-Meldungen) zu finden.

Und zum Schluss noch ein dank an den Karikaturisten Michael Hüter, der die Veranstaltung künstlerisch begleitet und seine Bilder zur freien Nutzung [CC0] zur Verfügung gestellt hat.

Digitale Souveränität – Der Fachtag Medien

Im Oktober 2013 erschien die Studie „Zukunftspfade digitales Deutschland 2020“ (Quelle), die der IT-Planungsrat (verbindliche IT-Koordinierung von Bund und Ländern) in Auftrag gegeben hatte und in der die staatlichen Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung angedacht werden. Der Planungsrat wollte damit Impulse setzen und Vorschläge und Ideen zur Gestaltung des Wandels zur Diskussion stellen. In dieser Studie wird mit dem Begriffspaar „Digitale Souveränität“ gearbeitet. Ich werde darauf in Teil 2  etwas ausführlicher eingehen. Dennoch kann ich den folgenden Text unter diese Überschrift stellen, denn die Veranstaltungen, die ich beschreibe und kommentiere, stehen unter diesem Stern.

In dieser Woche gab es gleich zwei wirklich gute, anregende Veranstaltungen, die ich besuchen konnte und von denen ich meine Eindrücke schlidern möchte. Um beides besser lesbar zu machen, habe ich es in zwei Artikel aufgeteilt.

Die Woche fing mit einem von meiner Arbeitsstelle mitorganisiertem Fachtag an, zu dem wir die Psychologin Prof. Dr. Nicola Döring und den Hirnforscher Prof. Dr. Michael Madeja eingeladen hatten. Ziel des Fachtages war es, das Spannungsfeld, indem sich beide Disziplinen befinden, in Bezug zueinander zu setzen und dadurch zur Diskussion in (Medien-) Fachkreisen, aber auch im beruflichen und familiären Alltag beizutragen.

Michael Madeja, der mit seinem Input „Bits, Bytes and Brains: Wie digitale Medien auf das Gehirn wirken“ den Aufschlag. Er erklärte zu Beginn den Aufbau und die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns. Ohne diese Kenntnisse ist ein Verständnis über die Prozesse, die beim Umgang mit digitalen Medien passieren, kaum möglich. Das Gehirn ist ein sehr plastisches Organ, das sich durch seine Netzwerkstruktur den unglaublichsten Bedingungen anpassen kann. So zeigte uns Michael Madeja einen Hornbläser, der das Blasinstument virtuos spielen kann – mit seinen Füßen! (Beispiel)

Die Verbindungen, die in diesem riesigen Netzwerk bestehen, werden immer wieder den Bedarfen angepasst. „Die Fähigkeit des Gehirns, sich neuen Bedingungen anzupassen, ist unendlichen groß.“ sagte Michael Madeja. Gebrauch und Nicht-Gebrauch der Finger beispielsweise verändert die Anzahl und Vernetzung der für die Aufgabe zuständigen Nervenzellen bei Geigern und auch bei Handybenutzern.

Überhaupt ist die analoge Umgebung von der digitalen für das menschliche Gehirn gar nicht so verschieden. Michael Madeja verwies auf Studien, die genau dies zeigen: Ob der Mensch mit einem Menschen kommuniziert oder mit einer Maschine ist beispielsweise für das Glücksempfinden weniger bedeutsam. Wenn jemand glücklich mit einer Maschine kommuniziert, so kann das Glücksempfinden genauso groß sein, wie Face2Face. Wir weden bei Nicola Döring noch einmal darauf zurückkommen. Das „wirkliche Kommunikation“ also nur Face2Face stattfinden kann, ist eine Annahme, die ich heute als „alternativer Fakt“ einstufen würde. Dennoch macht es einen Unterschied, der aber warscheinlich weniger auf der Ebene der Hirnaktivitäten festzustellen ist. Ich habe mich mit dieser Frage aber noch nicht weiter beschäftigt.

„Die Bildschirmnutzung stellt Anforderungen an das  Gehirn, wie sie grundsätzlich auch bei anderen Aufgaben des Lebens üblich sind“, so Michael Madeja.

Es gibt auch eindseutig negative Erscheinungen bei der Nutzung von digitalen (aber auch analogen) Medien.

Je mehr Stunden ein Kind vor dem Fernseher verbringt, desto  schlechter ist seine Sprachfähigkeit. Aber: Die Sprachentwicklung ist abhängig vom jeweiligen Programm. Die Teletubbies beispielsweise haben negative Effekte auf die Entwicklung. Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit leiden! Bei der Sesamstrasse ist es genau andersrum. Wortschatz, Zahlen und Ausdruck verbessern sich. Es kommt also sehr auf die Nutzung eines Mediums an, wobei die Häufung ein grundsätzliches Problem darstellt. Michael Madeja dazu „Die Bildschirmnutzung  führt vor allem bei intensivem Gebrauch überwiegend zu negativen Effekten auf die Entwicklung und Fähigkeiten von Kindern. Einige ausgewählte Angebote führen bei dosiertem Gebrauch zu Verbesserungen.“ Seine abschließenden Empfehlungen:

  • Nicht mehr als 1 Stunde Fernsehen pro Tag bei Grundschülern
  • Nicht mehr als 1 Stunde Computerspiele pro Tag bei Grundschülern
  • Kein Fernsehen bei Kleinkindern
  • Kontrolle dessen, was die Kinder sehen und spielen, durch die Eltern
  • gemeinsames Anschauen und Computerspielen
  • Aktive Auswahl von qualitätvollen, pädagogisch guten Sendungen und Computerspielen  durch die Eltern
  • Keine Fernseher und Computerspiele im Kinderzimmer
  • Motivierung der Kinder für alternative Aktivitäten

Die Bildsschirmnutzung sollte kontrolliert sein d.h. dosiert und ausgewählt. Ein  komplettes Verbot von Bildschirmnutzung ist nicht angezeigt.

Wie du hier lesen kannst, liegt bei seinen Empfehlungen ein besonderes Augenmerk Kindern und deren Eltern. Seine Empfehlungen, die ich für die Altersgruppe uneingeschränkt teile, helfen aber relativ wenig in der Arbeit mit Jugendlichen. Da sind andere Dinge gefragt, zumal die Kontrolle über die Mediennutzung mit zunehmendem Alter und zunehmender Selbstständigkeit geringer wird. Hier liegt dann auch eine wichtige Aufgabe der Jugendarbeit, wi9e sie Nicola Döring in ihrem Input in den Vordergrund gestellt hat: Begleitung statt Bevormundung, Reflexion statt Reaktion.

Ich persönlich kenne Nicola Döring schon ein gutes Jahrzehnt, habe auch einige ihrer Publikationen gelesen und schätze sie sehr. So hat sie die für mich wesentlichen Elemente wunderbar zusammengefasst: Wer professionell mit Kindern und Jugendlichen arbeitet (das gilt auch für allen anderen Altersgruppen!) sollte über diese digitalen Medien, vor allem der interaktiven wie Youtube, Instagram usw., Bescheid wissen, sie kennen und reflektieren lernen. Das „echte“ Kommunikation nur Face2Face stattfindet, ist ein Vorurteil, das ausgeräumt gehört. Die digitalen Medien ermöglichen eben auch Kommunikation, die ansonsten durch visuelle Eindrücke oder strukturelle Bedingungen erschwert oder garnicht stattfinden würde. Ähnliche Gedanken äußerte auch Michael Madeja. Vielfach, so Nicola Döring, projezierten Menschen ihre negativen Erfahrungen auf das Medium, dabei „braucht man die digitale Kommunikation nicht, um schlechte Beziehungen zu führen“. Wenn diejenigen, die über (digitale) Medien kommunizieren sich verstehen möchten, dann klappt das auch mit Youtube, Mail oder SMS. Wichtiger als das Medium ist demnach die Intention.

Die Horrorbücher, die den Untergang des Abendlandes und die Verdummung der Republik beschreiben, gibt es reichhaltig, vielfach mit der Überspitzung als Stilelement. Dennoch, so Nicola Döring, gibt es auch negative Effekte, die festzustellen sind. Einer davon, in der Soziologie auch als Matthäus-Effekt bekannt („Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ (Matthäusevangelium  Mt 25,29) beschreibt, dass diejenigen die real viele Freunde haben, dies auch in den sozialen Netzwerken haben und dass diejenigen, die eine gute Bildung hzat, auch von den digitalen Medien mehr profitieren.

Die vermeintliche Übersexualisierung des Internets ist empirisch nicht bedeutsam. Die Studie „Jugendsexualität 2015“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Quelle) zeigt sogar eine Tendenz zum späteren Einstieg in das Sexualleben. Ich persönlich kann nur jedem empfehlen, mal in die Studie reinzuschauen! Das Bild einer durch das Internet übersexualisierten und hemmungsloseren Jugend ist dann nur noch ein „alternativer Fakt“.

Nicola Döring stellte heraus, dass die ambivalente Haltung gegenüber den digitalen Medien bedeutsam ist. „Keine Chancen ohne Risiken!“ Gestärkt werden müsse die Resilienz, die psychischen Widerstandskräfte, die risikominimierend sind und helfen, kriesenhafte Erfahrungen gut zu bewältigen. Besonders bedeutsam sei beispielsweise die Trennungserfahrung im digitalen Zeitalter. Wie umgehen mit dem digital-sozialen Beziehungsgeflecht, mit dem digitalen Bildmaterial?

Eine Herausforderung für die Pädagogik ist auch der Zusammenhang von klassichen Entwicklungsaufgaben und digitaler Lebenswelt. Für heutige Jugendlichen ist YouTube und die Selfiekultur ein wichtiger Teil der Lebenswelt. Die digitale/reale Community ist dabei „die große Schwester, der große Bruder“. Selfies sind nun der Spiegel des digitalen Zeitalters. Medienvorbilder bieten viel klischeehaftes, aber ebenso Ansätze einer Gegenkultur. Gerade in den Bildmedien tummeln sich Identifikationsmodelle, an denen sich die Jugendlichen abarbeiten können. Bei mir war das wohl noch die BRAVO, schoss es mir durch den Kopf. Das Internet und die Plattformen und Dienste, auf denen sich Jugendliche heute tummeln, bieten vielfältige Möglichkeiten der öffentlichen Auseinandersetzung. Wie möchte ich sein? Wie möchte ich rüberkommen? Was bin ich wert? Nicola Döring wies beispielsweise auf den Youtubekanal von Melina Sophie hin, einer Youtuberin mit über 1,7 Millionen Abos, die im Juli 2015 ihr Comming out (Video) veröffentlichte und über 40.000 Rückmeldungen bekam oder Isoke, eine Youtuberin mit über 85.000 Abos. Sie hat Glasknochen und für sie ist das Internet auch ein Tor zur Welt. Auch in den Kommentaren entstehen Räume, in denen sich ausgetauscht wird, so können Tabuthemen wie Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten öffentlich gemacht und besprochen werden.

Aufgabe für die Erwachsenen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ist es daher, so Nicola Döring,  eine eigene Haltung zu entwickeln, die durch eigenes Ausprobieren und Reflektieren wächst, nicht durch Vorurteile. MIt Jugendlichen lässt sich über diese Sphäre der Lebenswelt ins Gespräch kommen, viele Videos auf YouTube bieten sich thematisch an.

Ich gehe mit Nicola Döring jeder ihrer Schritte mit. Meine eigenen Erfahrungen mit Jugendlichen zeigen, dass auch die Filmarbeit mit Jugendlichen, die am Interesse für Computerspiele ansetzt, zum Einstieg und zur Vertiefung für Themen genutzt werden kann. Aber das wäre wieder mal einen eigenen Blogbeitrag wert. Vielleicht als kleiner Appetizer: Ein Projekt ist hier dokumentiert. dabei geht es um Stadtentwicklung. Eine Workshop-Dokumentation als Youtubevideo gibt es hier.

Morgen folgt dann der zweite Teil, der Bericht zum Fachtag, der am Mittwoch in Köln stattfand „Offene Daten, freie Lizenzen„.

 

 

Das Gautinger Internettreffen

Seit 2000 trifft sich ein Teil der mit der Jugendarbeit und dem Internet verbundenen Community für zwei Tage in Gauting, wo der Bayrische Jugendring seine zentrale Bildungsstätte, das Institut für Jugendarbeit, betreibt.

In diesem Jahr war das Thema „Die neue Vermessung der Welt. Digitale Selbstverteidigung oder Feudalismus 3.0?“. In diesem Titel klingt das Spannungsfeld an, in dem sich die Gesellschaft, weit über die Jugendarbeit hinaus, befindet. Eine der Referentinnen, Anke Domscheit-Berg brachte das durch ihre Erläuterungen auf den Punkt. Wir befinden uns, so die Referentin, an einem zentralen Wendepunkt gesellschaftlicher Entwicklung, in der sich die Kommunikationsformen verändern, das Internet das bestimmende Medium sein wird.

In verschiedenen Beiträgen, die es in kurzen Zusammenfassungen hier (pdf) gibt, wurden die zum Teil sehr unterschiedlichen Blicke auf die Entwicklung und die daraus resultierenden Einschätzungen deutlich. So bewegen sich die Einschätzungen und Haltungen der Referent*innen zwischen eher düsteren (Yvonne Hofstetter), wenn auch nicht hoffnungslosen, Einschätzungen bis hin zu einem, wie ich finde, Technikfetischismus (Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Hof).

Die für mich sicherlich spannenste Erkenntnis der Tagung insgesammt war, dass die Einschätzung der Entwicklung geprägt ist von einer gesellschaftspolitischen Betrachtung der Lebensverhältnisse. Irgendwie, so kommt es mir vor, hat die Medienpädagogik einen Schritt in eine politischere Medienpädagogik gemacht. Die Frage „Wie wollen wir zukünftig leben?“ muss inzwischen sehr deutlich berücksichtigen, welche technologischen Entwicklungen die Menschen in der Gesellschaft möchten. Dabei wird der Moment, dass es sehr unterschiedliche Interessen ( wie Ökonomie, Ökologie und Soziales) gibt, mit in die Betrachtungen einbezogen. Denn auch das wurde sehr deutlich: Es sind Menschen, die die Technologien entwickeln und auch über deren Einsatz entscheiden können.

Auch wenn ökonomische Interessen vielfach im Vordergrund stehen, es liegt an den Menschen, die Entwicklung nicht den scheinbar! ökonomischen Zwängen zu überlassen, denn auch in einer globalisierten Weltökonomie gibt es für alles Alternativen.

Das Gautinger Internettreffen hat neben allen Vorträgen und Diskussionen aber auch immer einen praktisch Anregenden Charakter, was medienpädagogisch alles möglich ist. Ich war in drei Praxisworkshops:

  • „Lasst Blumen sprechen… Bildungsideen für das Internet der Dinge“
  • „Hack your school 2017“ und „Gefangen im Netz – Ein Fall für Kommissar Manzotti“
  • „Das Internet der Dinge und vernetzte Spielsachen im Kinderzimmer“

Im Workshop „Lasst Blumen sprechen… Bildungsideen für das Internet der Dinge“ ging es um die Möglichkeiten, mit Steuerungschips praktisch die Funktionsweise des Internet der Dinge sichtbar zu machen. Dazu programmierten wir kleine Programme, die beispielsweise eine Lampe steuerten. An sich ein schönes Experiment, für die nötige Einbettung in Praxisprojekte werden noch Ideen gesammelt. Ganz im Sinne des oben beschriebenen gesellschaftlichen Prozesses geht es ja auch darum, die Technologie zu bewerten, um entscheiden zu können, ob und wie sie genutzt wird. Privat wie gesellschaftlich. Denn das diese Technologie alles andere als unumstritten ist, zeigt die Süddeutsche Zeitung beispielsweise hier.

„Hack your school 2017“ handelte von einem interessanten Experiment in München, bei dem Schüler*innen ein Wochenende lang an Projekten für ein Lernen im digitalen Umfeld arbeiteten. Näheres gibt es hier.

Mit „Gefangen im Netz – Ein Fall für Kommissar Manzotti“ wurde ein Filmprojekt mit Kindern vorgestellt, das mit Grundschulkindern zum Thema „Datensicherheit in Soziale Medien“ durchgeführt wurde. Anlass war, dass bereits Grundschulkinder aktiv digitale interaktive Medien nutzen und dabei auch Daten hinterlassen. Wie aber können die Kinder altersgerecht sensibilisiert werden? Das Projekt ist hier beschrieben, der entstandene Film wird hier zu sehen.

Im Workshop „Das Internet der Dinge und vernetzte Spielsachen im Kinderzimmer“ wurden verschiedene Spielzeuge gezeigt, die beispielsweise die digitale Welt ins Kinderzimmer bringen, aber ebenso auch Daten aus dem Kinderzimmer senden. Da gibt es neben der Barbie 2.0 auch Puppen wie Cayla und Stofftiere oder die Gutenachtgeschichte kommt für teures Geld aus der Cloud. Es gab aber auch Dinge wie die iPad Töpchenhalterung, die uns wirklich zum schmunzeln brachte, (wenn es nicht so traurig wäre)!

Einen wunderbaren Input lieferte Niels Brüggen vom JFF – Institut für Medienpädagogik am zweiten Tag, der auf der Basis der Erkenntnisse des vorausgegangenen Tages die Aufgaben der Medienpädagogik in Zeitalter von Big Data formulierte

  • Heranwachsene nicht isoliert mit den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft alleine lassen! Sie haben beispielsweise ein Schutzbedürfnis und auch ein Bewustsein für Risiken. Die Einschätzung, was schutzbedürftig oder risikobehaftet ist, variiert dabei stark.
  • Gesellschaftliche Verhältnisse reflektieren! Auch hier besteht ein Interesse. Es muss nur entsprechend aufgegriffen werden. Wie funktionieren beispielsweise Algorithmen?
  • Visionen entwickeln! „Wie wollen wir leben? Was müssen wir tun, um dahin zu kommen?“

Lesenswert ist ein Beitrag (pdf), der schon 2015 veröffentlicht wurde.

Ich nehme an, dass die einzelnen Beiträge der Veranstaltung – wie in den vergangenen Jahren auch – auch als Video auf dem Youtubekanal des SIN zeitnah erscheinen werden.

Mein (digitaler) Alltag

Am Ende jede Woche mache ich mir Gedanken darüber, welches Thema ich in der nächsten Woche aufgreifen werde. Die Liste der Themen, die ich mir vorgenommen habe, umfasst momentan sieben Einträge, angefangen von „Barbie, Siri, Echo & Co“ bis hin zu „Wahlbeeinflussung durch Camebridge Analytics“. Heute morgen (13. März) jedoch war ich so in der Beobachterrolle, dass ich einmal meine Wahrnehmung der Verändung im Alltag thematisieren möchte – so wie ich sie erlebe.

Angefangen hat mein Tag heute um 4:40, aufstehen, waschen, anziehen. Mein erster Blick auf das Smartphone und die App, die mir zeigen soll, ob meine Nahverkehrssystem heute „läuft“. Ok, Bus fährt, Bahn fährt, S-Bahn fährt und den Rest gehe ich zu Fuß, falls die Straßenbahn nicht innerhalb von 5 Minuten kommt, nachdem ich in Mainz eingetroffen bin.

Bevor meine Reise ins Büro beginnt, kaufe ich mir über meine Smartphone App erst einmal eine Fahrkarte. Das erspart mir die Kleingeldsucherei, denn meinen 50 Euro-Schein muss der Busfahrer nicht annehmen und genügend Kleingeld habe ich nicht. Dem Busfahrer zeige ich meinen digitalen Fahrschein und setze mich. Neben mir zwei junge Frauen, Smartphone in der Hand, Kopfhörer im Ohr und am Messenger (beide Whatsapp) checken. Ich erinnere mich an die Zeit meiner Jugend und daran, wie wichtig Musik für mich war und welches Glück es bedeutete, einen Walkman mein eigen zu nennen. In dem tragbaren Cassettenrekorder war selbstverständlich eine Musikzusammenstellung nach meinem Geschmack. Liebevoll in Handarbeit zusammengeschnitten aus einer Mischung vom Schallplattenspieler und Radio. Heute braucht es sowas nicht mehr. Das Smartphone oder der MP3 Spieler bieten die Möglichkeit, sehr viele Musikstücke zu speichern und sich daraus das jeweils passende auszusuchen. Ohne Vor- oder zurückspulen. Vielleicht kommt auch ein Streamingdienst zum Einsatz, bei dem die Musikstücke garnicht mehr auf dem eigenen Gerät gespeichert sind, sondern von einem entfernten Server über das Internet auf das Smartphone übertragen werden. Eines der Hauptmerkmale der Digitalisierung, die schier endlose Kopierbarkeit von Daten bei gleichbleibender Qualität und die Möglichkeit, die Daten in Sekundenbruchteilen von jedem beliebigen Ort zu einem anderen Ort zu senden, kommen hier zum Einsatz.

Der Wechsel vom Bus in den Zug geht problemloser als gedacht, denn meine App zeigte eine Verspätung des Zuges um drei Minuten. Die hatte er aber nicht, was mir (wieder einmal) bestätigte, dass die Zeitangaben nicht immer stimmen. Im Zug angekommen sitzen drei Frauen mit mir in der 4er-Sitzecke. Alle sind ungefähr in meinem Alter, alle haben ein Smartphone. Zwei der drei Frauen beginnen die digitale Ausgabe ihrer Tageszeitung zu lesen, sie unterhalten sich über die gelesenen Nachrichten. Auch hier wird ein Trend sichtbar, denn die „E-Paper-Auflagen“ sind nach Angaben des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) von 2005 bis 2016″ von 21.121 auf 977.156 verkaufte Exemplare gestiegen. (Quelle pdf-Datei) Mein Eindruck: Dieser Trend wird sich noch verstärken, mit jeder Generation „Onlineleser*innen“ wird das gedruckte Exemplar hinfälliger. Die dritte Frau ist am Chatten (Google Hangout).

Zwei gehörlose Jungs gebärden miteinander, beide haben ein Smartphone und sind auch am chatten. Hier ist die Technik eine Befreiung. denn eine solche Möglichkeit miteinander zu kommunizieren, gab es vorher so nicht. Die analoge Technik und zu Beginn auch die digitale Version der Videotelefonie war durch die geringen Übertragungsraten einfach grauenhaft.

In Frankfurt angekommen bewege ich mich erst einmal in die DB-Lounge, denn ich habe 15 Minuten Zeit. Das reicht für einen Kaffee. Im Eingangsbereich der DB-Lounge muss ich meine Bahncard durch ein Lesegerät ziehen, das durch ein grünes Licht signalisiert, dass ich berechtigt bin, die DB-Lounge kostenfrei zu nutzen. Als das System 2016 eingeführt wurde, fragte ich mich, welcher Zweck damit erfüllt werden sollte und welche Daten von mir gespeichert werden. Der Scanner kann ja erfassen, welche Bahncard zu welchem Zeitpunkt durch die Öffnung geführt wird. Ich werde hier nach § 34 Bundesdatenschutzgesetzes einmal Auskunft verlangen, welche personenbezogenen Daten von mir gespeichert werden. Laut Aussagen keine.

Die Fahrt in der kameraüberwachten S-Bahn bis Mainz verlief dann wie gewohnt. Die digitale Zeitanzeige, die die Abfahrtszeiten der Busse und Straßenbahnen in Mainz anzeigt, funktionierte heute. Manchmal ist diese Anzeige ein Zeugnis digitalen Grauens, wenn der angeblich in einer Minute kommende Bus, auf den ich warte, plötzlich von der Anzeige verschwindet um dann Sekundenbruchteile später als „in 12 Minuten ankommend“ wieder zu erscheinen. Tatsächlich kommt dann der Bus drei Minuten später. Diese Erfahrung mache ich glücklicherweise nur 2-3 Mal im Jahr.

In der Straßenbahn hoch zur Uni ein interesantes Gespräch mit zwei Studentinnen, die „Opfer“ eines Prankerteams (Prank = Verarschung) geworden sind. Eines der beiden Frauen wurde von einem Typ angesprochen, was denn das ILY in einer SMS zu bedeuten hätte, er kenne das nicht. Daraufhin die korrekte Antwort der Studentin „Ich liebe dich“ (I Love You). Der Typ „ging dann voll ab, umarmte mich und sagte, dass bei ihm auch das gleiche Gefühl kam, als er mich erblickte“. Es ging hin und her, indem beide Studentinnen ihm erklären wollten, dass das nur die Übersetzung und nicht Ausdruck ihres Gefühles sei, was er partout nicht wahrhaben wollte. Kurzum, zwei Freunde haben das ganze gefilmt und fragten dann anstandsweise, ob die Studentinnen einer Veröffentlichung auf Youtube zustimmen würden, was sie verneinten. Beide hoffen, dass es auf dem Kanal nicht zu sehen sein wird. Interessant war, dass beide davon sprachen, dass sie das total doof finden, selbst aber doch gerne auf Youtube so Videos ansehen. „Wir sind voll krank“ waren ihre abschließenden Worte.

Im Büro angekommen iMehls checken, von 10 – 11 Uhr Videokonferenz mit dem #mppb17 Team über die gemeinsame Veranstaltung am 7/8. September 2017 in Mainz über die Plattform appear.in und den Rest des Tages wieder mit Mails und Themen-Recherche verbracht, hauptsächlich für ein Actionbound-Projekt im Rahmen des #mppb17. Bei dem Projekt soll es um die Universität Mainz und die NS-Zeit gehen. Einige Recherchen haben interessantes zu Tage gebracht, obwohl es in dieser Zeit keine Mainzer Uni gab! Bei diesen Recherchen war über das Internet wenig zu erfahren, allerdinges wurden Kontakte aufgezeigt, die dann auch über iMehl eine Menge interessanter Informationen lieferten.

Dazwischen noch einen theologischen Arbeitskreis zu „Luther und die Reformation“, in dessen Rahmen wir uns zur Zeit über die Bedeutung der Reformation für unser Arbeitsfeld austauschen.
Auf einem Projektrechner habe ich dann noch Ubuntu installiert. Läuft!

Noch ein schneller Blick auf den aktuellen Stand der finanziellen Unterstützung des Aula-Projektes, das ich ebenfalls unterstütze:
aula Projekt Hamburg: 675 von 1650 Euro
aula Projekt Jena: 1565 von 1650 Euro
aula Projekt Nottuln: 893 von 1650 Euro
aula Projekt Freiburg: 1250 von 1650 Euro

Crowdfunding ist auch eine schöne Sache, die ohne die digitalen Plattformen des Internets zwar auch möglich, aber wesentlich schwieriger umzusetzen sind. Man muss ja mit dem Projekt, für das man Unterstützer*innen sucht, erstmal bekannt werden. In der Regel geschah dies analog im näheren sozialen Umfeld, heute hat sich der Kreis erweitern.

Der vorletzte Teil des Arbeitstages bestand noch aus einer Recherche über die http://www.webgrrls.de/, die am 14.3 eine auch für Männer offene Veranstaltung in Frankfurt anbieten, die ich besucht werde. Ich hoffe dort auf zwei Kolleginnen zu treffen, mit denen ich Projekte besprechen möchte. Auch hier hat das Internet mit seiner HypertextArchitektur vieles einfacher gemacht.

Ein Blick in die veröffentlichten Ergebnisse einer neuen Drogenaffinitätsstudie (Teilband Computerspiele und Internet) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der DAK-Gesundheit am Ende meines Arbeitstages zeigt mir, dass ich mir die komplette Studie anschauen muss, um darüber eine fachliche Einschätzung abgeben zu können. Das muss daher noch ein bisschen warten, mir wurde aber von einem Kollegen aus dem Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters zugesagt, dass ich nach der Freigabe der Publikation in einer Fachzeitschrift ein Exemplar erhalten werde. Dann werde ich auch hier darüber berichten.

Kurz vor Ende meines Arbeitstages erreichte mich noch der Hinweis über eine Langzeitstudie, die den Zusammenhang zwischen dem Spielen von Computerspielen mit gewalthaltigen Spielhandlungen und realer Gewaltbereitschaft oder Gewaltakzeptanz untersucht hat. (Quelle) Auch dieser Studie werde ich mich zwischendurch widmen, denn als Jugendmedienschutzsachverständiger muss ich auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Debatte sein. Zudem ist das ein Thema, das in vielen Zusammenhängen der Nutzung der digitalen Welt durch Jugendliche auftaucht.

Wer Fragen, Kritik oder Anregungen hat, kann dies gerne in den Kommentaren veröffentlichen.