Ein Blick nach China

Am Montag landete ich nach 10 Tagen Peking wieder in Frankfurt, vollgepackt mit Eindrücken, die natürlich nicht einen Eindruck von China widerspiegeln können, da ich mich ausschließlich in Peking aufhielt. Daher nur ein Blick in den  „Mittelpunkt des Reichs der Mitte“. Mein medial vermitteltes Bild von Peking war geprägt von den Bildern der Luftverschmutzung und der historischen Anlagen. Den Platz des himmlichen Friedens nicht vergessen, der in politischen Auseinandersetzungen immer wieder eine Rolle spielte.

Eines vorweg: Die Luft ist wirklich nicht die Beste, am manchen Tagen ist die Belastung mit Feinstaub der Kategorie 2,5 so hoch, dass ich ein 100 Meter entferntes Gebäude nicht mehr deutlich sehen konnte. Aber, auch das gehört dazu, an manchen Tagen war die Luft so klar und ohne nennenswerte Feinstaubbelastung, dass ich kilometerweit klar sehen konnte. Die Hauptursache scheint die Luftbelastung durch die Industrieanlagen und Kraftwerke zu sein, denn es gibt deutliche Unterschiede, je nach Windrichtung. Im Süden von Peking liegen viele dieser Anlagen, nördlich hingegen nur wenige. Dementsprecend war die Belastung bei Südwind besonders hoch. Die Werte innerhalb der 10 Tage lagen in Peking so zwischen 54 und knapp über 300 µg/m³. In Europa gilt ab dem Jahr 2008 der Zielwert von 25  µg/m³ im Jahresmittel. Für das Jahr 2020 ist ein vorläufiger Zielwert von 20 µg/m³ als Jahresmittelwert vorgesehen. In Hessen sind aktuelle Werte hier aufgeführt.  Wen das Thema näher interessiert, Infos gibt es beim Bundesumweltamt. Insgesamt, so meine subjektive Wahrnehmung, tragen nicht sehr viele Leute eine Schutzmaske, ich schätze den Anteil auf <5%. (Das Bild zeigt ein Vergleich an unterschiedlichen Tagen bei ungefähr gleicher Entfernung und unterschiedlicher Blickrichtung).

Das zweite auffällige war die öffentliche Nutzung von Smartphones! In der U-Bahn ist die Nutzung sicherlich bei  über 90%. Fast alle schauen Filme, chatten über Messengerdienste, lesen Nachrichten oder schauen und versenden Fotos. Also fast so wie bei uns, nur eben noch extremer. Die Selfiekultur ist in China auch sehr ausgeprägt, und das nicht nur bei den jungen Leuten, um das mal anzumerken! Übrigens: Wer hier in Deutschland immer mal über Smartphone-Zombies ablästert, der sollte wirklich mal einen Blick nach Peking werfen, da macht das eher einen Sinn, obwohl ich auch dort niemanden gegen eine Laterne, Auto oder Menschen habe laufen sehen. Einmal, aber wirklich nur einmal, habe ich ausweichen müssen. Wenn hier also von Smombies gesprochen wird, dann ist das in meinen Augen eine mediale Inszenierung! Roberto Simanowski hat in der Neuen Züricher Zeitung über seine Überlegungen einen lesenswerten Artikel geschrieben. Er wirft interessante Fragen auf:

„Die «Smombies», so die Kurzform für die «Smartphone-Zombies», sind nicht Untote, die zurückkamen, sondern Abwesende, die ihre Körper zurückliessen. Ist es dies, was uns ärgert (falls es uns ärgert), wenn wir ringsum Menschen in ihre Geräte versunken sehen? Sind wir enttäuscht, dass sie sich so radikal einer Begegnung mit uns entziehen? Hofften wir wirklich auf Gesprächspartner? Oder verstimmt uns nur, mit welcher Frechheit erwartet wird, dass wir aus dem Weg gehen?“

Die Nutzung der Smartphones als digitale Geldbörse „mobile Wallet“ genannt, ist in Peking häufig anzutreffen. Dabei gibt es verschiedene Systeme, die – so meine begrenzten Recherchen – von verschiedenen Unternehmen angeboten werden, aber nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Die Kundin/ der Kunde erfährt den Zahlbetrag, gibt ihn in eine App ein und drückt, nachdem sie/er einen QR-Code des Geschäftes gescannt hat, auf „Senden“. Fertig. Die Sendebestätigung erscheint auf dem Smartphone. Zeigen. Fertig. Oder die Zahlung wird durch ein Lesegerät erfasst. Das funktioniert im Fastfoodschuppen, beim Bäcker, beim „Tante Emma“ Laden und anderswo.

Die häufigste Nutzung des Smartphones als Dienstvermittler ist mir aber beim Fahradverleih begegnet. Überall in Peking stehen Mietfahrräder. Diese sind (bis auf einen Anbieter) nicht an Stationen gebunden, sondern stehen wirklich nur einfach rum. Dort wo die letzte Person das Rad stehen ließ. Smartphone-App starten, den QR Code scannen, bestätigen und los geht es. Nach der Benutzung einfach stehen lassen, erneut scannen – fertig. Die Dauer Nutzung wird registriert und abgerechnet.    „Bike-Sharing on-demand“ wird das in der Fachsprache genannt.Die größten Anbieter sind nach meinen Beobachtungen Ofo und Mobike. Das bestätigt sich auch durch einen Artikel der New York Times. Eine Nutzungsstunde kostet, wenn mir die chinesischen Schriftzeichen richtig übersetzt wurden (wovon ich überzeugt bin!), umgerechnet ungefährt 0,1 Euro, also 10 Cent. Im Sinne einer zukunftstauglichen  Mobilitätsstrategie für Städte ein ernstzunehmendes Angebot, für dessen Verwirklichung die Möglichkeiten der Digitalisierung hervorragend genutzt weden können. Zu beobachten sind auch, ganz anders als bei uns, viele eBikes, eMofas, eMotorroller und eKlein-PKW’s. Benzinkutschen auf zwei Rädern habe ich in Peking selten gesehen. Wie ich finde auch für unsere Städte eine wünschenswerte Alternative zum Verbrennungsmotor, wenn der Strom aus nachhaltiger Produktion stammt.

Ich würde es mir wünschen!

Die Digitalisierung meines Alltags – Teil 2

Und wieder einmal ist es soweit. Da ich heute, Freitag 7.4. nach Bejing/China fliege, schreibe ich den Artikel schon einmal vor. Ich finde das eine schöne Möglichkeit. Da setze ich einen digitalen Zeitstempel und schwupps, wird der Artikel dann veröffentlicht. Wenns klappt. Denn die erstem Male musste sich probieren, wie ich die Einstellungen treffen muss, dass mein als „Entwurf“ gespeicherter Artikel freigegeben wird. Garnicht. Mit Entwürfen geht das wohl nicht, erst müssen sie als Beitrag abgespeichert werden, dann geht das. Mit einer Stunde Unterschied, denn die Zeitrechnung von WordPress scheint auch eine kleine Verschiebung zu beinhalten. Stelle ich 13 Uhr ein, veröffentlicht WordPress mit einer Stunde Abweichung.

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#DigitaleKirche

Als Referent für Digitale Welt werde ich natürlich öfter gefragt, was ich denn so mache. Nun, in Grunde besteht meine Kerntätigkeit erstmal darin zu beobachten, wo und wie die Digitalisierung unsere Gesellschaft insgesammt verändert. Die Beobachtungen fließen dann natürlich in Beratungen ein, wenn jemand die Expertise abruft. Da ich als ausgebildeter Soziologe aber mit einem Hang zur Übertragung in die Lebenswelt ausgestattet bi, frage ich mich auch immer, was nun mit diesen Erkenntnissen geschehen soll. Da fallen mir gleich mehrere Sachen ein:

Erstmal gilt es, ganz im reformatorischen Sinne, die Erkenntnisse mit anderen Menschen zu teilen und festzustellen, ob und wie andere Personen die Veränderungen in der Gesellschaft wahrnehmen. Denn eines dürfte klar sein: Ich habe keine Wahrheit, keine Gewissheit und keine Rezepte. Daher entwickeln sich Haltungen, um die es mir geht, immer im Dialog. MIt Menschen, die dialogbereit sind und ihren Teil beitragen möchten. Wobei ich immer wieder feststelle, dass jedeR einen Beitrag liefern kann, wenn sie/er sie Aufgen und Ohren offen hat. Das Streitgespräch, wenn verschiedene Menschen miteinander unterschiedliche – auch widersprüchliche – Ansichten diskutieren, ist für mich bisher die ergiebigste Methode, mich weiterzuentwickeln.

Mir ist ein Austausch mit Menschen aus der Wissenschaft wichtig, die in anderen Disziplinen unterwegs sind. Hierbei, das merke ich immer wieder, ergänzen und verändern sich meine Bilder, meine Haltungen. Oder werden bestärkt und erfahren so eine zusätzliche Stabilität. Ohne zur Wahrheit zu weden!

Phantasien spielen lassen. Ich bin ja kein gebürtiger Soziologe, sondern komme ursprünglich aus einem (fast) klassischen Arbeiterhaushalt. Nach meiner Ausbildung zum Schlosser und meiner betrieblichen und gewerkschaftlichen Tätigkeit,  entdeckte ich meine Berufung zum Soziologen. Die Publikation „Soziologische Phantasie und Exemplarisches Lernen“ von Oskar Negt tat es mir dann auch in den 1970er Jahren an und daraus resultiert sich bis heute auch mein Verständnis von Bildungsprozessen: Sie müssen an der Erfahrung orientiert sein, die – mit soziologischen Erkenntnissen – über die individuelle Erfahrung hinaus die gesellschaftlichen Widersprüche thematisieren sollen. Denn eines ist für mich immer präsent: Die gesellschaftluchen Entwicklungen sind widersprüchlich.

Wenn ich mir nun die Entwicklung der Gesellschaft und die innerkirchlichen Diskussionen anschaue, dann tritt diese Widersprüchlichkeit immer wieder deutlich zu Tage. Ich habe 2012 für die Fachkonferenz des Dezernates 1 der EKHN einmal eine Fortbildung zum Thema „Kirche & Kommunikation 2025“ organisiert (PREZI). Im Rahmen der Veranstaltung wurde deutlich, dass sich zwei Haltungen fast diametral gegenüberstehen:

A.) Wir können und müssen die Chancen digitaler Kommunikation nutzen. Antje Schrupp hat das an dem Tag wunderbar präziese auf den Punkt gebracht (PREZI). Die zweite Haltung

B.) „Ich bin zu alt – ich will nicht!“ bis hin zu „Wir müssen digitalfreie Räume anbieten und verteidigen!“. Eine dritte Haltung, die sich dazwischeneingefunden hätte, war kaum zu entdecken. So erscheint es mir heute, fünf Jahre später, auch noch zu sein. Raoul Löbbert hat das, wie ich finde, schön auf den Punkt gebracht (jpg). Aber die Entwicklung ist, sehr zu meiner Freude, nicht stehengeblieben. Die Jungdelegierten der EKD-Synode (Blog) haben das Thema auf das Tablet der EKD-Synode 2014 gehoben. Ihr folgte 2015 das Medienkonzil in Nürnberg. Seitdem sind einige Landeskrichen aktiver in die Thematik eingestiegen. Die EKHN hat nicht nur Handlungsempfehlungen herausgegeben (Übersicht), sondern  hat auch im Jahr 2016 erstmals einen „Social-Media-Tag“ veranstaltet (Übersicht). Inzwischen konnte ich bereits zweimal an einer Veranstaltung der EKiR teilnehmen, die in ihrer Reihe zur digitalen Nachhaltigkeit verschiedenste Angebote macht (siehe meinen letzten Beitrag) .

In Schwung gekommen ist die Diskussion nun weiter durch einen Artikel in der ZEIT, in dem Hannes Leitlein, Redakteur bei Christ&Welt (Extraseiten der ZEIT) die Haltung „der Evangelischen Kirche“ zur Digitalisierung kritisiert (Artikel).

Er plädiert für einen Haltungswechsel. Es geht darum anzuerkennen, dass sich die Gesellschaft verändert hat und sich damit auch die Kirche als Organisation verändern muss. Grundsätzlich geben ich ihm in weiten Teilen Recht, habe aber auch einige Anmerkungen, die ich in meinem nächsten Beitrag erläutern werde.

Inzwischen haben sich auch verschiedene Akteure aus der Kirche geäußert. So haben die Jungdelegierten einen Beitrag zur Debatte veröffentlicht und unter dem Hashtag kann eine kleine Diskussion verfolgt und mitgestaltet werden. Eine Kommentierung des Artikels findet sich auch auf einem Blog, der von einem Vikar und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Evangelisch-Theologische Fakultät an der LMU München verantwortet wird. Leider nicht mit einem responsiven Design, aber das begegnet mit ja im kirchlichen Bereich öfter.

Ein Ideensammel-Pad wurde in der Zwischenzeit ebenfalls eingerichtet. Es ist hier aufrufbar.

Ansonsten lohnt es sich immer wieder in den Tiefen des WWW zu schürfen, es gibt viele interessante Seiten zum Thema. Leider, leider, leider, gibt es keinen strukturierten Austausch der Akteure, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden!

Ich liste hier nur einige wenige Blogs auf, die ich interessant finde. Ergänzungen gerne in die Kommentare. Natürlich sind auch inhaltliche Beiträge in den Kommentaren ausdrücklich erwünscht!

Pfarrer Christoph Breit, Projektstelle Social Media und Networkmanagment (hier)
Ralf Peter Reimann, Pastor und Diplom-Informatiker, Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland (hier)
Blog des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland (hier)
Philipp Greifenstein, Student (hier)
Austauschplattform www.theologiestudierende.de (hier)
Antje Schrupp, Journalistin & Politikwissenschaftlerin, Evangelisches Frankfurt (hier)
www.evangelisch.de/blogs/altpapier (hier)

Digitale Souveränität – Offene Daten, freie Lizenzen

„Offenen Daten, freie Lizenzen“ war der Titel einer Tagung am vergangenem Mittwoch in Köln. Veranstaltet wurde sie im Rahmen des Reformationsjubiläums von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Annerkennend, dass sich eine Landeskirche so diesen Themas der Digitalisierung annimmt und verschiedene Facetten beleuchtet. Wir in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau tun dies mit unseren Social-Media-Tagen (Infos 2016) in einer ähnlichen Weise. Auch für dieses Jahr wird gerade für den September ein Fachtag geplant.

Worum ging es also: Als erstes wurde von Prof. Dr. Andreas Mühling, Honorarprofessor für evangelische Kirchengeschichte an der Uni Trier die Reformation auch als mediales Ereignis dargestellt. Ohne mediale Verbreitungswege keine Reformation. Der Buchdruck alleine war es aber nicht, der die Reformation vorantrieb. Hinter dem Buchdruck verbargen sich auch wirtschaftliche und politische Interessen, denn kaum ein Drucker druckte aus Vergnügen. So wurden die Schriften entweder gesponsert (heute möglicherweise eine Art Crowdfunding?) oder es konnte damit Geld verdient werden. Andreas Mühling räumte damit ein wenig mit der romantischen Vorstellung auf, die Verbreitung wäre alleine aus Glaubensgründen – für die gute Sache – erfolgt. Was mich persönlich aber noch mehr an seinem Vortrag begeisterte war, dass er die Reformation als dialogischen Prozess versteht. Da ist also nicht ein Typ (Luther), der mal so ein paar Texte hinhaut, vielleicht einen Zettel an die Tür nagelt und dann springt der Bewegungsmotor an. Nein, es war ein langer, eben meist medial vermittelter Prozess, denn die Diskusionen liefen über Briefe und Besuche, Gespräche und Flugschriften, Bücher und Debatten in verschiedenen Zentren des deutschsprachigen Raumes. Im Blick auf unsere heutigen Medienlandschaft unvorstellbar. Für die damalige Zeit natürlich auch hauptsächlich eine Debatte unter Menschen mit einem hohen Bildungsstand, denn der Großteil der Bevölkerung konnte nicht lesen. Die Reformation war keine Verkündigung einer Glaubenslehre, sondern eine diskursive Auseinandersetzung. Luther stellte seinen 95 Thesen dann auch folgenden Satz voraus:

„Aus Liebe zur Wahrheit und in dem Bestreben, diese zu ergründen, soll in Wittenberg unter dem Vorsitz des ehrwürdigen Vaters Martin Luther, Magisters der freien Künste und der heiligen Theologie sowie deren ordentlicher Professor daselbst, über die folgenden Sätze disputiert werden. Deshalb bittet er die, die nicht anwesend sein und mündlich mit uns debattieren können, dieses in Abwesenheit schriftlich zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, Amen.“ (Quelle)

Viele der Aussagen wünsche ich mir auch für unsere heutige Diskussionskultur! Ergründung der Wahrheit, gemeinsame Suche nach Antworten. Disput, Streitgespräch! Wer nicht vor Ort sein kann und mitreden möchte, soll Medien nutzen, Ideen und Positionen teilen. Übringens gab es da noch kein Urheberrecht, sonst wäre das wohl auch nix mit der Reformation geworden!

Möglich, dass manche Menschen – auch dies war in der anschließenden Diskussion Thema – den kirchlichen Verkündigungsauftrag auch eher eingeschränkt verstehen. Verkündigung ist nicht „die Wahrheit verkünden“, sondern eher als „in einen Dialog mit den Mitmenschen treten“ zu verstehen. Eine nachdenkliche Runde in Köln. Vielen Dank dafür!

Der Vortrag ist komplett hier zu sehen, ab Minute 18:59 geht es los. Der Ton ist nicht optimal, da sollte noch an der Technik gefeilt werden. Ich persönlich bin ja eher für eine technisch bearbeitete Version, also ohne Vorlauf und mit besserem Ton. Aber das ist sicherlich auch eine Frage der technischen und zeitlichen Möglichkeiten. Wenn die EKiR den Film als Datei zur Verfügung stellen würde, ich könnte mich daran versuchen, ganz im Sinne der Reformation!

In einem zweiten Input wurde es dann schon mehr um Technik und Produktionsbedingungen. Dipl. Theologe Ulrich Berens von LUKI e.V. (Homepage), Linux-User im kirchlichen Bereich, referierte über die Vorteile freier Software wie beispielsweise Linux. Diese entspräche in vielen Punkten auch den christlichen Idealen einer nachhaltigen Beschaffung:

  • dezentrale Erstellung
  • ohne (wesentliche) Hirarchien produziert
  • kollektivber Nutzen
  • kooperativer und freier Wissensaustausch
  • uneigennütziges Schaffen von öffentlichen Gütern
  • Entschärfung der (sozioökonomisch bedingten) „digitalen Kluft“ (Wikipedia)

Die Nutzung proprietärer Software (Wikipedia) steht dem entgegen. Dennoch wird in weiten Bereichen der Gesellschaft diese Software genutzt. Kirchliches Beschaffungswesen könnte und sollte sich mit dem Thema einmal auseinandersetzen. Hier gilt es verschiedene Argumente abzuwägen. Den Vortrag gibt es hier zu sehen, ab Minute 7:15 geht es los.
Ein Hinweis für alle Interessierten: Die 5. Fachkonferenz des Entwicklungspolitischen Landesnetzwerkes Rheinland-Pfalz beschäftigt sich am 22/23.Mai 2017 in Mainz mit dem Thema der sozial verantwortlichen IT-Beschaffung. Infos gibt es hier. Als Kirche und als ganze Gesellschaft darf es uns auch nicht nur um fair gehandelten Kaffee und Klamotten gehen!

Den Vorträgen folgten dann noch Workshops, von denen zwei besucht werden konnten.

  1. Wo finde ich freie Medien für meine Arbeit und wie nutze ich sie?
  2. Wie kann ich meine Bilder und Texte als frei zugängliches Material lizenzieren und online stellen?
  3. Best Practise aus dem kommunalen Bereich: Der Open Data Prozess in der Stadt Bonn

Ich entschied mich für 3 und 1. Für 3, weil ich selber in dem Bereich Open Data aktiv bin, ich plane gerade an verschiedenen Projekten und unterhalte mich mit AkteurInnen aus dem Bereich. Aber auch das wird mal ein eigener Beitrag. Da ich mir von 1 und 2 aufgrund meiner „reichhaltigen Kenntnisse“ nicht soviel versprach, besuchte ich noch den Workshop 1, aber eher als Zuhörer.

Der Workshop 3 war dann auch der für mich spannenste! Sven Hense, Leiter der Open-Data Aktivitäten der Stadt Bonn erläuterte an verschiedenen Beispielen, wie sich der Gedanke, öffentkliche Daten mit den BürgerInnen zu teilen, in praktischen Vorhaben niederschlägt. Die Stadt Bonn hat ein eigenes Open-Data-Protal, das hier aufrufbar ist.

Für diejenigen der LeserInnen, die mit Open-Data nicht viel anfangen können (so ging mir das mal!), hier ein einfaches Beispiel: Die Bonner City Parkraum GmbH stellt die Parkplatzbelegung in Echtzeit (also aktuelle) als Daten zur Verfügung, die von Computern gelesen weden können. Daraus bastelt jemand eine App, so dass Autofahrer*innen sofort sehen, wie die Parkhaussituation aussieht und das Günstigtste ansteuern können.

Das macht gleich auch die Grundproblematiken deutlich. Wer erhebt und besitzt die Daten? Welche davon dürfen veröffentlicht werden? Unter welchen Bedingungen?

Die Stadt Bonn stellt zur Zeit 194 Datensätze zur Verfügung. Das hört sich wenig an, ist aber sehr viel. Ein Datensatz enthält beispielesweise alle Messdaten der Grundwassermessstellen. Das sind dann schon immense Zahlenreihen. An diesem Beispiel wir eine neben der Masse eine zweite Problematik deutlich. Die Daten liegen im pdf Format vor, müssten für eine App beispielsweise erst in ein anderes Format übertragen werden. Ein weiteres Problem: Die Daten sind veraltet. Es handelt sich nicht um ein Echtzeitmonitoring, die neuesten Daten sind von 2013. Damit ließe sich höchstens eine historische Entwicklungsreihe erstellen, für eine App, die den Bürger*innen aktuell etwas nutzt, sind sie nicht zu gebrauchen.

Die Daten für einen „Fair Trade Einkaufsführer“ (Konsumgüter/Lebensmittel/Gastronomie) liegen in einem maschinenlesbaren Format vor, sind aber aus dem Jahr 2014 und somit auch für den heutigen Alltag nur eingeschränkt nutzbar. Auch die maschinenlesbaren Daten für die Trinkwasseranalyse stammen aus 2016. Aktuell sind beispielsweise die Daten der Haushaltsplanung oder der Veranstaltungskalender, der sogar direkt von einer App angezapft und gelesen werden kann.

Viele kennen das durch Apps der Bahn, die in der Regel die Daten in Echtzeit bereitstellt. Spannend ist, dass die Stadt Bonn sich auf den Weg gemacht hat und Daten überhaupt zur Verfügung stellt. Geplant sind weitere Daten,m auch in Echtzeit, bereitzustellen. Ein gutes Vorhaben, das es Bürger*innen ermöglicht, aktiver und direkter Informationen zu bekommen. Stellt euch mal vor, ihr bekommt die Wasserqualität eures Leitungswassers so präsentiert, wie es das Projekt in Heilbronn zeigt (Heilbronn auswählen!)? Allerdings auch hier: Keine Daten in Echtzeit, sie stammen aus dem Jahr 2014!

Schon mal eine Echtzeitdarstellung der Flugzeugbewegungen gesehen? Wenn du willst, dann schau mal hier. Interessant für Leute, die eine konkrete Lärmbelästigung anzeigen möchten. Oder den Kindern mal zeigen wollen, wo welcher Flieger gerade ist.

Damit aktuelle Daten zur Nutzung bereitstehen ist manchmal auch einfach privates Engagement nötig, wie das Feinstaubnetzwerk zeigt. Hier mal die aufbereiteten Daten für Frankfurt. Die sammeln übrigens für ihr Stickoxidprojekt noch Geld (ja, ich gehöre zu den Spendern).

Der zweite Workshop war, wie ich es mir schon dachte, für mich eher uninertessant. Aber die Anwesenden haben im Ganzen davon profitiert, es gab viele Infos zu kostenfreien Datenbanken und CC-Lizenzen. Gerade bei den Anwesenden, die eigene Homepages oder Newsletter erstellen (wollen), ein super Workshop!

Zum Ende der Veranstaltung noch ein interessanter Vortrag von einem Archivar, der unter anderem die digitalen Datenbestände für die EKiR dauerhaft sichert. Ich muss gestehen, ich „liebe“ solche Leute, die sich mit vollem Herzen um unsere Gedächtnisinstitutionen (und die Erhaltung der Bestände kümmern. Dr. Stefan Flesch, dr den Vortrag hielt, hat dazu einen kleien Blogbeitrag geschrieben.

Mein Fazit der Veranstaltung: Mehr davon. Überall. Der digitalen Souveränität tut es gut. Da ich als Veranstaltungsorganisator weiß, wieviel Arbeit hinter den Kulissen stattfindet, meinen Dank an die veranstalter*innen. Ein sehr netter Mensch hat übrigens fast dokumentarisch getwittert. Unter den Haschtag #DigitaleSouveränität sind übrigens die meisten Tweeds (Twitter-Meldungen) zu finden.

Und zum Schluss noch ein dank an den Karikaturisten Michael Hüter, der die Veranstaltung künstlerisch begleitet und seine Bilder zur freien Nutzung [CC0] zur Verfügung gestellt hat.